Essen im Klassenzimmer serviert

Seit zehn Jahren besteht der Erbacher Mensaverein. Anfangs haben die Eltern in der Teeküche gekocht, die Schüler aßen im Werkraum. Heute arbeiten die Eltern in einer Profiküche, serviert wird in der Mensa.

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Rektor Karl Nusser, Mensa-Leiterin Verena Knöpfle und Bürgermeister Achim Gaus bruzzeln beim Dankesfest Paprikagemüse für die Kocheltern. Foto: Franz Glogger

Die Eltern stehen sich in der Teeküche, die in eine Nische eingebaut ist, förmlich auf den Füßen. Im Dampf stehend werden Kartoffeln geschält und zu Kartoffelsalat verarbeitet, Fleischküchle gebruzzelt, Schokoladenpudding angerührt und in Schälchen gefüllt. Die Wagen mit Essen für einige Dutzend Kinder rollen über holprigen Boden Richtung Werkraum, wo sie über vier Stufen hochgehoben werden müssen. In Nachbarschaft zu Maschinen werden die Tische eingedeckt. "Es war anstrengend, aber wir trotzten allen Anfangsschwierigkeiten", erzählte Verena Knöpfle diese Woche beim alljährlichen Dankesessen der Erbacher "Kocheltern". Die Hauswirtschaftsmeisterin war Ideengeberin der Aktion "Eltern kochen für Schüler" und ist Leiterin der Mensa des Schulzentrums.

Mit dem Dankesfest feierte die bis heute im Alb-Donau-Kreis einmalige Aktion ihr zehnjähriges Bestehen. Aufgeschnappt hat Knöpfle die Idee, Kindern an der Schule eine gesunde Mahlzeit zu bieten, bei einem Besuch am Stuttgarter Fanny-Leicht-Gymnasium. "Das kriegen wir auch hin", war sie sich sicher und überzeugte den Rektor der Schillerschule Karl Nusser.

Einige Wochen später standen 14 Mütter und ein Vater auf ihrer Liste. Überzeugt werden musste auch der Gesundheitsdienst. "Der war sehr gnädig mit uns. Wir zeigten die Schulküche und die Küche in der Erlenbachhalle und bekamen das OK", sagt Knöpfle. Das Essen kam bei den Schülern gut an. Gekocht wurde in den vom WKD abgesegneten Küchen, serviert in Klassenzimmern. Zum Unterrichtsschluss warteten die Eltern bereits vor den Türen. Dann hieß es: "Schüler raus, Tische eingedeckt und Essen serviert". Später wurden Klappgarnituren in die Aula gestellt, die Hausmeister karrten Stühle heran, die Eltern brachten Essen und Geschirr laut klappernd über den Schulhof. "Alle zogen an einem Strang. Manchmal war die Stimmung vielleicht gereizt, aber es hat immer geklappt", bedankte sich Knöpfle bei allen Beteiligten. Um das nun schon Jahre andauernde Provisorium zu verbessern, entwickelten die Kocheltern Pläne für den Bau einer schlichten Mensa. Gut 50 Eltern teilten sich mittlerweile die Dienste, bis zu 150 Kinder wurden an den drei angebotenen Tagen mit Essen versorgt.

Die Stadt kam ihnen zuvor. Bei der Neugestaltung des Schulzentrums war eine Mensa vorgesehen. Anfangs zierten sich Verwaltung und Gemeinderat, die Küche professionell auszustatten. Tenor: Wer weiß, wie lange die Aktion noch dauert. Der Widerstand wich, und nach der Inbetriebnahme der Mensa 2007 war jedem klar, welch Aushängeschild die Kocheltern sind. Bis zu 80 Eltern bringen sich dort ein. Seit 2007 sind sie im "Mensaverein" organisiert. Mit "Schüler kochen für Schüler" haben Förder-, Gemeinschafts- und Realschule einen festen Part übernommen.

Knöpfle wollte Kindern auch zeigen, woher die Lebensmittel kommen, und welche Arbeit es ist, bis sie als Gericht zubereitet sind. So wurde ein großer Schulgarten angelegt und ein Obstgarten mit 60 Bäumen gepachtet, der den Apfelsaft für die Mensa liefert. Überschüssigen Saft vermarktet die Schülerfirma "Saft & Kraft", die für Veranstaltungen gebucht werden kann.

Bürgermeister Achim Gaus dankte allen Helfern: "Eltern sorgen mit Leidenschaft dafür, dass unsere Kinder jeden Tag ein wertvolles, gesundes Essen bekommen." Kochen mussten die Eltern an dem Tag mal nicht: Lehrer und Schüler verwöhnten sie mit einem Menü.

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