Eröffnung der Blausteiner Ausstellung "Pädagogik-Deportation-Literatur"

Viel Interesse ist der Ausstellung "Pädagogik-Deportation-Literatur" entgegen gebracht worden, gestern bei der Eröffnung im Blausteiner Rathaus. Ein historischer Rundgang zum Thema wurde angekündigt.

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"Pädagogik-Deportation-Literatur" beleuchte Herrlinger Ortsgeschichte, die überregional von Bedeutung sei, sagte Bürgermeister Thomas Kayser bei der Eröffnung der Ausstellung gestern im Rathaus. Dabei seien große Teile dieser Geschichte (wir berichteten) beinahe in Vergessenheit geraten. "Erst Mitte der 80er Jahre schien es nicht nur in Herrlingen möglich, die verdrängten Aspekte der Ortsgeschichte zu beleuchten", sagte Karl Giebeler, Vorsitzender des für die Ausstellung verantwortlichen Vereins "Haus unterm Regenbogen".

Auch den Mitgliedern des Vereins, der seit 1985 in einem Nebengebäude des ehemaligen Landschulheims an der Rommelsteige 50 untergebracht ist, sei die Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Ortes lange nicht bewusst gewesen. Nach Hinweisen von Menschen, die in Herrlingen zur Schule gegangen waren, habe der "Arbeitskreis Landschulheime" schließlich einige Fakten und Dokumente zusammengetragen. Auf dieser Arbeit und auf dem Buch "Das jüdische Altersheim Herrlingen" von Ulrich Seemüller baut die Ausstellung auf, sagte Giebeler weiter. Herrlingen bewahre einen Schatz, aber auch eine unangenehme Wahrheit.

Giebeler freute sich deshalb gestern ganz besonders über zwei Ausstellungsgäste: Michael Scheck aus Stuttgart, Enkel der letzten aus Herrlingen deportierten Bewohnerin des jüdischen Altersheims, Jenny Lemberger. Er habe über Seemüllers Buch vom Schicksal seiner Großmutter erfahren, erzählte Scheck. Das sei für ihn der Anlass gewesen, einen Karton mit alten Fotos zu öffnen, die das Leben im Altersheim zeigen. Die Bilder habe er Seemüller für die nächste Ausgabe seines Buchs überlassen. "Es ist schön, dass die Menschen von dieser Geschichte erfahren", sagte er zur Ausstellung.

Dorthin gekommen war auch der 90-jährige Hans Fichtner, einziger Zeitzeuge des Herrlinger Kinder- und Landschulheims. Er kannte die Pädagogik-Pionierin Anna Essinger von dort als Lehrerin, aufgewachsen ist er, zusammen mit seiner Zwillingsschwester, unter Obhut von Käthe Hamburg im Herrlinger Kinderheim "Waldheim". "Ich habe nur die besten Erinnerungen", bemerkte Fichtner mit Blick auf Ausstellungsfotos, auf denen er sich erkannte. "Wir Kinder haben eine unglaubliche Freiheit gehabt, die Pflegemutter hat uns viel durchgehen lassen."

Die Biographie des Vaters hat seine Tochter Ruth Fichtner dazu gebracht, ihre Diplomarbeit über das Waldheim zu schreiben. Im Arbeitskreis Landschulheime arbeitete sie zur Geschichte der Persönlichkeiten, die in Herrlingen die Reformpädagogik vorangetrieben haben. Mit einigen Zitaten und Geschichten zum Thema reicherte Ruth Fichtner auch am Sonntag die Eröffnungsfeier an.

"Es sind Themen und Fragestellungen, die für uns auch heute aktuell sind", unterstrich Kayser die Bedeutung der Ausstellung als "öffentliche Erinnerungsarbeit, als aktive Versöhnungs- und Friedensarbeit". Die Herrlinger Ortschafts- und Blausteiner Gemeinderätin Ursula Rieger-Wäckerle ergänzte: "Es ist unser Ziel, diese Herrlinger Geschichte mit einem Rundgang erlebbar zu machen."

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