Erbacher Kirchenchor feiert 175-jähriges Bestehen

Seit 175 Jahren verpflichtet sich der katholische Kirchenchor Erbach der "Musica Sacra". Ein Blick in die Protokolle zeigt: Nicht immer gelang ihm die "Veredlung des Kirchengesangs" so gut wie heutzutage.

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1838 wurde der katholische Kirchenchor in Erbach gegründet. Die Aufnahme zeigt die Sänger im Jahr 1875. Dirigent war damals Anton Baal. Foto: Privat

Vereinszweck: "Hebung und Veredelung des Kirchengesangs durch Aufführung kirchlich guter Tonwerke". Als der 1838 gegründete Kirchenchor der Erbacher Martinus-Gemeinde dies "zur gedeihlichen Forterhaltung" in seine Satzung schreibt, ist der Chor schon 62 Jahre alt. Als der damalige Schulmeister, Organist und Dirigent Anton Baal den Chor 1843 übernimmt, klingt dieser aufgrund der Zusammensetzung der Stimmen in seinen Ohren "widerlich". Auch das Liedgut ist mitunter "kurios". So wird als Predigtlied Kreutzers "Merkt auf, wie schauerlich sich uns die Gottheit nähert" gesungen. Baal gelingen wohl Verbesserungen, denn in den 35 Jahren seiner Amtszeit wird der Chor zu Priesterjubiläen eingeladen, um eine "Instrumentalmusik" ergänzt, und es kommen junge Leute von auswärts, "um sich in der Musik persönlich auszubilden".

Im Jahr 1862 gibt sich der Chor Statuten und den Namen "Liederkranz". Lange Zeit können ausschließlich Männer Mitglieder werden, Frauen dürfen als "weibliche Stimmen" mitsingen. 1922 wird der gemischte Chor als "Nebenverein" aufgenommen, sechs Jahre später offiziell Teil des Liederkranzes. Gleiche Rechte im Liederkranz erhalten Frauen und Männer aber erst 1961. Wegen andauernder Unstimmigkeiten - so ist ein Protokoll mit schwarzer Wolke und roten Blitzen versehen - gehen die meisten Sängerinnen und Sänger im Jahr 1964 unter dem Dach der katholischen Kirchengemeinde eigene Wege. Der Liederkranz verstummt.

Nur neun Dirigenten brauchte es in den 175 Jahren. Eine besonders erfolgreiche Zeit hatte die Singgemeinschaft unter dem im März verstorbenen Winfried Spaeth, Leiter von 1968 bis 2010. In diesen 42 Jahren wuchs der Chor so an, dass er von der Empore in den Chorraum wechseln musste. Spaeth ließ mit großen Messen und mit gekonnter weltlicher Musik aufhorchen.

Info Das Jubiläum feiert der Chor am Sonntag, 10 Uhr, beim Patroziniumsgottesdienst in der Martinuskirche Erbach. Mit Solisten, Projektsängern und dem Ulmer Streichorchester "Camerata" hat Volker Konstantin Unseld Mozarts Krönungsmesse, einen Halleluja-Ruf sowie Mozarts "Laudate Dominum" einstudiert.

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