Erbacher Härtetechnik will erweitern

Gestank, Lärm und noch mehr Verkehr. Die Erweiterungsabsicht der Firma EHT, dem größten Arbeitgeber in Erbach, stößt auf Widerstand. Sprachrohr der Kritiker ist der Vorsitzende des Gewerbevereins.

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Die Erbacher Härtetechnik im Gewerbegebiet Großes Wert will an die bestehenden zehn Hallen zwei weitere anbauen für zusätzliche Härteöfen. Foto: Franz Glogger

Größter Arbeitgeber der Stadt, stetiges Wachstum, internationales Know how. Die Erbacher Härtetechnik (EHT) braucht sich nicht zu verstecken. Auf der anderen Seite klagen Anwohner über Immissionen und ihrer Ansicht nach nicht eingehaltene Lärmwerte.

So ließ harsche Kritik nicht lange auf sich warten, als die Stadtverwaltung am Montag dem Technischen Ausschuss des Gemeinderats die jüngsten Erweiterungsabsichten der EHT vorstellte. Danach sollen an die bestehenden zehn Hallen im Osten zwei weitere für zusätzliche Härteöfen angebaut werden. Diese sind zusammen 80 Meter lang, 48 Meter breit sowie 16 beziehungsweise 12 Meter hoch, erläuterte Uwe Gerstlauer von der Bauverwaltung. Das Vorhaben entspreche komplett dem Bebauungsplan. "Wir haben keine Alternative zu einer Zustimmung", sagte Bürgermeister Gaus.

Der CDU-Gemeinderat und Vorsitzende des Gewerbevereins Thomas Knöpfle wollte dem aber nicht folgen. Die Auswirkungen einer erneuten Produktionserweiterung seien "enorm". Heute schon hätten die im Gewerbegebiet wohnenden Menschen unter "Gestank" zu leiden und bekämen den Lärm aus dem Unternehmen "volle Kanne ab". Knöpfle: "Das trifft alle, die da unten wohnen." Um Missstände zu beseitigen, schlug er vor, "jetzt den Hebel anzusetzen" - also die Zustimmung zu verweigern oder mit Bedingungen zu verknüpfen. "Ein solcher Handel wäre höchst unrechtmäßig", stellte Gaus klar. Wenn der Bebauungsplan eingehalten wird, dürfe die Gemeinde ihre Zustimmung nicht an Kriterien knüpfen, für die eine andere Behörde zuständig ist, so wie in diesem Fall das Landratsamt als Baurechtsbehörde. Dort werde geprüft, wie sich die Produktion auswirkt, vor allem wie hoch die Immissionswerte sind. "Wir können nicht nach unserem Gutdünken Ja oder Nein sagen", erklärte Gaus.

Etliche Anwohner verfolgten mit Unmut die Diskussion, unter ihnen der frühere SPD-Stadtrat und direkte Nachbar der EHT Axel Biedermann. Das Landratsamt habe vor einigen Jahren festgestellt, dass eine Erweiterung in dem als Gewerbegebiet ausgewiesenen Standort nicht mehr möglich sei, führte er an. Dazu bräuchte es eine Klassifizierung als Industriegebiet, was die EHT auch angestrebt, später aber aufgegeben habe. Der Stadtverwaltung sei dieser Sachverhalt nicht bekannt, versicherten Gaus und Gerstlauer unisono. Das Areal der EHT könne zu 70 Prozent bebaut werden, mit dem jetzigen Vorhaben sei dies der Fall, sagte Gerstlauer. Ob der Betrieb zu groß ist, hänge allein davon ab, "was in den Hallen geschieht", sagte Gaus. Eine Rolle spielten vor allem Lärm und Geruch, die nach außen dringen. Es sei eine "glatte Lüge", dass die Stadtverwaltung von der Aussage der Kreisbehörde nichts wisse, rief Biedermann und verließ wutentbrannt den Sitzungssaal. Im Landratsamt sei von einer solchen Feststellung nichts bekannt, teilte Pressesprecher Bernd Weltin auf Anfrage mit. Zudem wisse man bislang nur mündlich von dem Vorhaben. Deshalb könne auch keine abschließende Antwort gegeben werden.

Da das Vorhaben dem Bebauungsplan entspricht, war eine förmliche Zustimmung des Gremiums nicht erforderlich. In das verfahren miteinbezogen werden die Anwohner: Aufgrund der Größe der Härtetechnik werden dabei nicht nur direkte Nachbarn gehört, sondern alle Bewohner des Gewerbegebiets.

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