Erbach: Heinrich-Hammer-Straße gehört nun zur Innenstadt

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Das Erbacher Erlenbach-Center an der Heinrich-Hammer-Straße des Ulmer Investors Müller ist bislang als „Innenstadtergänzungsbereich“ ein bisschen City, aber auch ein bisschen nicht. Mit dieser Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Lösung hat der Regionalverband Donau-Iller Probleme, berichtete Uwe Gerstlauer, der Leiter der Erbacher Bauverwaltung, dem Gemeinderat am Montag. Dort gelte ein Gebiet entweder als „zentraler Versorgungsbereich“ und damit als Innenstadt, oder eben nicht. „Die kennen nur schwarz oder weiß“, sagte Gerstlauer. Der Verband und die Verwaltung schlügen deshalb vor, das Fachmarktzentrum klar als Innenstadtbereich zu benennen.

Auslöser sind offenbar Anträge des Investors, in dem Center ein Fitnessstudio und eine Haushaltswarenabteilung unterzubringen. Da beides bislang nicht als Nutzung vorgesehen ist, müsste folglich der Bebauungsplan geändert werden. Laut Gerstlauer stimme der Regionalverband dem aber nur zu, sofern das Gebiet klar definiert ist. Bleibt es Ergänzungsbereich, gehört es für den Verband nicht zur Innenstadt. Das hätte die Folge, dass die Liste des Verbands für „zentrumrelevante Sortimente“ angewandt wird, also dem, was zum Schutz der Innenstadtgeschäfte nur dort angeboten werden darf. Das will sich Erbach nicht vorschreiben lassen, laut Gerstlauer solle sich Erbach offen halten, was letztlich in die Innenstadt und was ins Fachmarktzentrum gehört.

Elmar Röhr (SPD) war von den Ausführungen nicht überzeugt. Vielmehr vermutete er ein Hofieren gegenüber Müller, den er wegen seines Wegzugs vom Marktplatz als Mit-Verursacher der Innenstadtmisere ansieht. Müller habe jenseits der Bahnlinie überdimensioniert gebaut und müsse nun selber schauen, wie er seine Flächen voll bekommt. „Wir dürfen ihm nicht auch noch einen roten Teppich ausrollen.“ Diese Art, die Innenstadt zu stärken, werde damit zur Farce.

Bürgermeister Achim Gaus stellte klar, dass mit dem Vorschlag keine automatische Zustimmung für Sortimentsänderungen verbunden ist. „Heute machen wir einen Zwischenschritt, um die Planungshoheit bei der Kommune zu behalten. Im nächsten Schritt entscheiden wir, ob wir etwas ändern oder auch nicht.“

Durch die Bank taten sich die Räte schwer, die Heinrich-Hammer-Straße offiziell der Innenstadt zugehörig zu erklären. Er stimme nur zu, um Erbachs Handlungsspielräume zu erhalten, betonte Constantin von Ulm-Erbach (CDU) und beantragte im Protokoll aufzunehmen, dass daraus keine weiteren Entscheidungen abzuleiten sind, sprich Müllers Anträge zugestimmt wird. Das werde er nur, sofern Sortimentsänderungen „absolut sinnhaftig“ sind. Der Rat nutzte die Gelegenheit, den „wahren Sündenfall“ für das Ausbluten der Innenstadt zu benennen: die Zustimmung zum Bau des Fachmarktzentrums. Die hatten seinerzeit die Freien Wähler gegen die CDU durchgeboxt.

Ulrich Eberle (Freie Wähler) war gegen ein kategorisches Nein für künftige Änderungen. Als Beispiel nannte er Fahrradzubehör, das ist und bleibe der Innenstadt vorbehalten. Dort wolle sich aber kein Anbieter niederlassen, mit der Folge, dass es in der Kernstadt keinen Fahrradschlauch zu kaufen gibt. Eberle plädierte dafür, immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, was wo zulässig ist. „Wir sind Müller nichts, aber auch gar nichts schuldig. Wir müssen aber unsere Bürger umfassend versorgen.“

Das Thema hatte Zuhörer angezogen, besonders Gewerbetreibende, die Wortmeldungen mal murrend, mal mit Beifall kommentierten. Die Entscheidung fiel klar. Bei Röhrs Nein sowie zwei Enthaltungen stimmte das Gremium für den Verwaltungsvorschlag.

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Kommentare

20.10.2016 18:52 Uhr

Leerstand überall

Ich finde es sehr schade dass das neue Fachmarktzentrum halb leer steht. Aber wen wundert es, wenn es einem schwer gemacht wird. Hätte Müller das vorher gewusst, hätte er in Erbach bestimmt nicht investiert. Als Erbacher Bürger freue ich mich über ein vielfältiges Angebot an Geschäften, egal wo. Warum muss der Handel immer in der Erlenbachstraße sein? Das Fachmarktzentrum ist nicht auf der grünen Wiese und auch zu Fuß gut zu erreichen. Es sollte doch auch im Sinn der Stadt sein, dass das Fachmarktzentrum funktioniert!! Ist es nicht zeitgemäßer die Stadtmitte mit Dienstleistern, kulturellen Angeboten und Gastronomie zu beleben??

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19.10.2016 12:05 Uhr

Gewerbegebiet als Innenstadt

zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück. Jetzt hat es Müller doch noch geschafft und der Innenstadthandel wird in einigen Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sein. Allenfalls noch ein paar Kebab Buden werden hier übrig bleiben. Der Gemeinderat macht einen Kniefall vor Herrn Müller, damit diesem alle Beschränkungen im Fachmarktzentrum erlassen werden. Der Ladenleerstand in der Erlenbachstraße wird sich nicht vermeiden lassen. Da jkann man dem Gemeinderat nur Versagen auf der ganzen Linie vorwerfen.

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