Eltern klagen über Missstand an Erbacher Förderschule

Eltern beschweren sich über den Zustand an der Erbacher Förderschule. Unterricht falle aus, eine kontinuierliche Arbeit mit den Schülern sei nicht gewährleistet.

|

Innerhalb einer Woche hat es zwei Krisengespräche mit dem Staatlichen Schulamt gegeben – ein Zeichen dafür, dass die Situation an der Erbacher Förderschule angespannt ist. Der Zustand sei Schülern und auch Lehrern nicht mehr zumutbar, beschweren sich Eltern über Missstände. Unterricht falle einfach aus, der Stundenplan werde immer wieder verändert. Die Kinder hätten dort keine Struktur, keinen Halt, obwohl sie doch besondere Förderung bräuchten, sagt Tanja Deuringer im Namen der Elternschaft.

Die Ursache dafür sehen sie in der Schulleitung: Der langjährige Amtsinhaber war nach einer einjährigen Erkrankung zu Beginn dieses Schuljahrs wieder zurückgekehrt, er sei jedoch immer wieder krank, so dass seine Arbeit nicht mehr gewährleistet sei. „Das geht nicht gegen seine Person“, betont die Mutter. Das Schulamt müsse endlich reagieren, fordern die Eltern. Wolfgang Mäder; Leiter des Staatlichen Schulamts in Biberach, verweist darauf, dass die Erbacher Förderschule – nach der Erkrankung des Schulleiters – mit einem „ganz, ganz hohen Personaleinsatz“ seit gut zwei Jahren intensiv vom Schulamt beraten werde.

Die Lehrerversorgung im laufenden Schuljahr sei überdurchschnittlich. Zudem sei sogar ein Kollege an die Erbacher Förderschule abgeordnet worden, der die Funktion eines Konrektors habe. „Ein Konrektor ist für eine Sonderschule eine sehr, sehr ungewöhnliche Maßnahme“, erklärt Mäder. In diesem Fall sei sie ergriffen worden, um das Thema Leitung zu konsolidieren. Leider habe der Pädagoge im Februar einen Unfall gehabt, so dass er längere Zeit ausfiel.

Die Förderschule im Erbacher Schulzentrum besuchen rund 40 Schüler, unterrichtet werden sie von acht Lehrkräften. Wenn nicht endlich etwas getan werde, habe die Schule für die Kinder keinen Wert, meint Tanja Deuringer. Anstatt zu lernen werde in Stunden des Schulleiters gespielt oder es würden Filme angeschaut. „Was ist denn das für eine Schule, in der ein Schulleiter entscheidet, was unterrichtet wird, und aus dem Stegreif Dart- und Fußball-AGs ins Leben ruft anstatt mal den Kindern Englisch beizubringen?“

Die Lehrer seien „nach zwei Jahren Kampf am Ende ihrer Kräfte“, wird behauptet. Die Eltern befürchten zudem, dass diese „beständigen Lehrer“ die Schule verlassen wollen. Das Staatliche Schulamt unternimmt in ihren Augen zu wenig. Deshalb seien sie nun gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Schuljahr ist fast vorbei, und „im neuen Schuljahr fängt die ganze Misere an der Schule unserer Kinder erneut an, und das wollen wir nicht“, sagt Tanja Deuringer. Die Eltern wünschten sich ein geregeltes Miteinander mit der Schulleitung.

 Mäder nimmt keine Stellung zu Vorwürfen, die die gesundheitlichen Probleme des Schulleiters betreffen. Wohl aber zu jenen, seine Behörde sei untätig: „Wir haben alle Sorgen und Ängste ernst genommen.“

Die massiven Beschwerden der Eltern über Unterrichtsausfälle seien erst vor kurzem schriftlich beim Schulamt eingegangen, daraufhin habe dieses reagiert. Die Aufsichtsbehörde in Tübingen sei außerdem über das Gespräch von Schulamt, Lehrern und Eltern informiert worden.

Der Konrektor bleibe an der Schule, das sei das Ergebnis nach sehr langen Gesprächen gewesen. Auch eine andere Kollegin werde dort weiter unterrichten, eine Lehrkraft habe um ihre Versetzung gebeten. An der einen oder anderen Stelle könne es einen Hintergrund geben, der mit der Leitung zusammenhängt, meint Mäder.

Die Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr sei an der Erbacher Förderschule jedenfalls sichergestellt, sowohl umfänglich als auch qualitativ, betont der Leiter des Staatlichen Schulamts. Es sei nicht ungewöhnlich, dass ein Lehrer um seine Versetzung bitte. Dafür könne es viele Gründe geben. An Gemeinschaftsschulen sei es allgemein so, dass „denen die Lehrer davonlaufen“, ist die Erfahrung  des Schulamtsleiters. Der Erbacher Schulleiter habe viele Jahre hervorragend und anerkannt gearbeitet, fügt Wolfgang Mäder hinzu. Die Förderschule sei gut akzeptiert.

Kommentieren

Kommentare

20.07.2016 22:55 Uhr

Titanic

Kann es sein, das Schulleiter quasi narrenfrei sind?
Die Entsendung eines Konrektors (laut Mäder eine ungewöhnliche Maßnahme) zeigt doch, das die Missstände dem Schulamt sehr wohl schon geraume Zeit bekannt waren.
Nur – leider – hat diese Maßnahme nichts gebracht. Sonst würden wir ja heute darüber nichts in der Zeitung lesen.
Was leider nicht berichtet wird ist wie’s jetzt konkret weitergeht.
Eine naheliegende Frage: bleibt der Förderschule Erbach der umstrittene Schulleiter weiterhin erhalten?

Themenwechsel:
Ja, Förderschulen sind akzeptiert und meines Erachtens wichtig. Es ist eine ideologisch motivierte Dummheit, Inklusion um jeden Preis durchsetzen zu wollen. Es ist schlecht für die Förderschüler, die eben nicht hinreichend gefördert werden. Es ist schlecht für die Regelschüler, für die keine Zeit mehr bleibt.
Wissensgesellschaft? Leistungsgesellschaft? Das war einmal…(Danke CDU, von den GRÜNEN war eh nichts anderes zu erwarten)
Das Motto der Gemeinschaftsschule lautet ja wohl: geben Sie hier Ihre Kinder möglichst ganztags ab und alles wird gut. Alles ist „all inclusive“. Kein Sitzenbleiben. Abschluss garantiert. Und wer zum Teufel braucht schon den Satz den Pythagoras?

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Verkehrsverbund schafft Ding-Card ab und setzt auf Handy-Tickets

Wer kein Smartphone hat, bekommt ab 2018 keine Vergünstigungen im Nahverkehr mehr: das Handy-Ticket ersetzt die veraltete Ding-Card. Was sich im ÖPNV noch ändert. weiter lesen