Eine Weltreligion im Wandel der Zeit

Christiane Schmelzkopf hat im Alten Rathaus Laichingen über jüdisches Leben informiert – mit Hilfe eines Vortrags und einer Ausstellung.

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Christiane Schmelzkopf führte ein in die reiche jüdische Geschichte.  Foto: 

Seit achtzehn Jahren gibt es in Europa den „Tag der jüdischen Kultur“. Im Alten Rathaus in Laichingen erinnerte jetzt die frühere Gymnasiallehrerin Dr. Christiane Schmelzkopf in einem Vortrag und einer Ausstellung an die Geschichte des Judentums, das über Jahrhunderte von seiner Situation in der Diaspora geprägt wurde. Sie spannte den Bogen von der Zeit vor 2600 Jahren bis heute. Immer versuchten die Juden, ihre Kultur und Religion zu bewahren und zu erneuern.

In Laichingen selbst gab es nie eine jüdische Gemeinde. Die „Heinrich-Kahn-Straße“ in der Stadt erinnert jedoch an den jüdischen Fabrikanten, der hier eine Leinenweberfabrik betrieben hatte. In der Nazi-Zeit emigrierte sein Nachkomme, Rudolf Kahn, 1941 in die USA. Sein Sohn Henry Kandler besuchte Laichingen 2013 und sprach vor Schülern. Der alte Herr habe sich noch an Laichingen erinnern können, denn von Stuttgart aus, dem Hauptwohnsitz seiner Familie, war er immer wieder auf die Alb in die Ferien gekommen, erzählte Christiane Schmelzkopf.

Sie hat neben Theologie und Germanistik auch Judaistik studiert, besuchte Israel als Studentin und arbeitete dort auch zeitweilig. Sie erlebe in Gesprächen viel Unwissenheit, dagegen wolle sie angehen. Auf einem Dutzend Plakaten hatte sie Zeitabschnitte der jüdischen Geschichte dargestellt. Und sie berichtete etwa, wie Nachbarvölker zwei geschwächte jüdische Reiche besiegten und wie 586 v. Chr. das religiöse Zentrum, der Jerusalemer Tempel, zerstört wurde. Das Volk wurde nach Babylonien, dem heutigen Irak, verschleppt. Im Exil war der Tempeldienst als wichtigstes religiöses Ritual nicht mehr möglich. Die entscheidende Wende in der Theologie erfolgte: Der Glaube an den nicht ortsgebundenen Gott: „Gott ist da, wo wir sind und ihn anbeten und seine Vorschriften befolgen.“ Um die Gefahr der Assimilation zu bannen, wurden  Gebote wie das Speise- und Sabbatgebot eingeführt.

Gutes Zusammenlebens mit Muslimen

Später lebten die Juden unter kulturellen Einflüssen der Perser, Griechen, Römer, Christen und Moslems. Nachdem das Christentum unter Konstantin 313 zur bevorzugten Religion wurde, wirkte sich das misslich für das Judentum aus. „Die Kirchenväter hetzten gegen das Judentum und verstanden sich als neues Israel“, erläuterte Schmelzkopf. Die Juden zogen im Mittelalter nach Spanien oder Deutschland. Im spanischen Judentum kommt es zu einem „Goldenen Zeitalter“ des guten Zusammenlebens mit Muslimen. In Deutschland entstanden vor allem in den Städten Worms, Speyer und Mainz geistige Zentren des Judentums. Die Geschichte erfährt ihren traurigen Tiefpunkt mit dem Holocaust. Einige Plakate der Ausstellung widmeten sich aber auch dem danach wieder neu aufgebauten jüdischen Leben in Deutschland.

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