Eine neue Frisur für den kleinen Leo

Nicht jeder Hund genießt den Termin beim Friseur, doch die meisten halten still, wenn sie mit Kamm und Schere bearbeitet werden.

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    Ivona Wylezuch frisiert den kleinen Yorkshire Terrier Leo. Der hält erstaunlich still. Foto: 
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    Das Herrchen ist in der Nähe und der kleine Hund hält brav still. Foto: 
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Der kleine Leo schmiegt sich an sein Herrchen. So ganz geheuer scheint ihm die Sache nicht zu sein. Alfred Anders hat den hellen Yorkshire Terrier gerade auf einen hohen Tisch gesetzt. Friseur-Termin, erstmals im Salon Ivon in Regglisweiler. Nicht nur für den Hund ist das an diesem Tag alles neu. „Auch ich muss Tier und Herrchen erst einmal kennenlernen“, sagt Ivona Wylezuch. Denn jeder Hund sei anders. Genauso wie die Vorlieben der Besitzer beim Haarschnitt für ihre Lieblinge.

Alle zehn bis zwölf Wochen muss Leo, der Golddust Yorkshire Terrier, zum Tierfrisör. „Sein Fell verfilzt schnell und ich komme dann mit der Bürste nicht mehr durch“, erzählt Besitzerin Sylvia Anders. Und das, obwohl sie das Tier zwei- bis dreimal pro Tag bürstet. Haarknötchen sind besonders lästig. Etwa zehn Zentimeter lang ist Leos helles, seidiges Fell zurzeit an einigen Stellen. „Etwa fünf Zentimeter müssen runter“, gibt Herrchen Alfred Anders die grobe Richtung vor.

Monoton summt der rote Rasierer. „Sind sieben Millimeter okay?“, vergewissert sich Wylezuch, bevor sie die mehrere hundert Euro teure Maschine auf dem Rücken des dreijährigen Rüden ansetzt. Der Apparat leistet ganze Arbeit. Die Haarpracht rieselt leise auf den Fliesenboden, der sich mit weißen Wattebällchen zu füllen beginnt.

Bitte kräftig wegnehmen

„Das machst du aber toll“, lobt die Friseurin ihre vierbeinige Kundschaft. In der Tat hält der kleine Hund unter den beruhigenden Worten seines Herrchen erstaunlich still. „Er lässt es halt über sich ergehen“, weiß der 63-Jährige aus Wain. Seine Ehefrau ist froh, einen Hundesalon in der Nähe gefunden zu haben. Denn bei längeren Fahrten werde dem kleinen Hund regelmäßig schlecht.

„Um die Augen rum und an den Ohren auch kräftig wegnehmen“, bittet Alfred Anders. Das geht nur mit der langen Schere. Wylezuch bearbeitet damit nicht nur den Kopf und die Vorder- und Hinterläufe des Tiers, sondern auch dessen Schwanz. Hier noch ein bisschen ausgleichen, dort noch ein paar Millimeter wegnehmen. Die Friseurin nimmt Leos Ohren in eine Hand und zieht sie sanft zurück. So erkennt sie, ob die Symmetrie des niedlichen, kleinen Hundegesichts beim Schnitt nicht gelitten hat.

„Das Schneiden ist wirklich nicht einfach“, nickt Sylvia Anders. Die 57-Jährige hat da ihre ganz speziellen Erfahrungen. Leos Vorgänger, ein Westhighland-Terrier, schnitt die Hundeliebhaberin einmal selber. „Der hat hinterher ausgesehen wie ein Schaf“, lacht sie. Seither überlässt sie das Scheren den Fachleuten. Von ihnen erwartet sie nicht nur einen guten Schnitt, sondern vor allem „einen liebevollen Umgang mit den Tieren“.

Vor zweieinhalb Jahren hat Yvona Wylezuch ihren Salon in Regglisweiler eröffnet, wo die Polin seit bald drei Jahrzehnten lebt. Vorausgegangen war eine private Ausbildung bei einer erfahrenen Ulmer Hundefriseurin. Fundländer, Schäferhund, Pudel, Mops, Mischling: In ihrem Hundesalon hat die 53-Jährige schon alle Rassen geschnitten, mit und ohne vorheriges Waschen mit mildem Hundeshampoo. Und natürlich hat auch „Aylo“, der Golden Retriever, der seit Jahren bei der Familie Wylezuch lebt, regelmäßig Beauty-Termin mit Waschen, Fönen und Trimmen im eigenen Haus. Auch Langhaar-Katzen gehören zum Kundenstamm. Die wasserscheuen Tiere freilich duscht Wylezuch grundsätzlich nicht. „Die wehren sich ganz entsetzlich.“

Die Hunde haben einen ganz unterschiedlichen Termin-Rhythmus. Manche kommen alle acht Wochen, andere nur zwei- oder einmal im Jahr. Nach dem Winter und vor Feiertagen ist besonders viel los. „Die Leute wollen, dass ihr Hund zu gewissen Festtagen auch gut aussieht.“

„Als Kind wollte ich immer Friseurin werden“, erzählt Wylezuch. Doch in Polen gab es keine Ausbildungsplätze, weshalb sie Maler und Tapezier lernte. „Meinem Mann schneide ich schon seit 37 Jahren die Haare“, lacht sie. Immer sei er zufrieden. Mit Fachliteratur und Fortbildungen halte sie sich auf dem Laufenden. „Mich interessiert einfach alles über Hunde: Leben, Züchtungen, Krankheiten.“

Ivona Wylezuch beschäftigt sich seit mehr als einer Stunde mit Leos neuem Haarschnitt. Den Abschluss markiert die „Ebengang-Schere“. Das Effilier-Schneidwerkzeug garantiert sanfte Übergänge. Noch ein feines Haaröl ins Fell und die Friseurin ist zufrieden mit ihrer Arbeit.

Ziemlich mager sieht hingegen der kleine Leo jetzt mit seiner Kurzhaar-Frisur aus. „An dem ist nicht viel dran. Der hat nur 2,9 Kilo“, klärt Sylvia Anders. Sie ist froh, nach Winter-Spaziergängen künftig „keine komplette Unterbodenwäsche“ mehr machen zu müssen. Einmal mit dem Handtuch abgerubbelt, das genüge bei diesem kurzen Fell. Allerdings bekommt das Hündchen in den nächsten Wochen einen wärmenden Mantel übergezogen, wenn es nach draußen geht. Schwanzwedelnd schmiegt sich Leo an sein Herrchen. Friseurtermin gut überstanden!

Pflege Ein regelmäßige Friseurbesuch macht bei einigen Hunden und Katzen nicht nur aus optischen, sondern auch aus medizinischen Gründen Sinn. „Es kommt immer auf die Rasse an“, sagt Dr. Ilona Backofen. Die Dietenheimer Tierärztin meint damit Tiere mit einer langen Fellstruktur oder einem dichtem Unterfell, wie Pudel, Yorkshire Terrier, Schnauzer oder West Highland Terrier. Ihr Haarkleid verfilzt besonders schnell, regelmäßiger Schnitt ist Pflicht. Das gilt auch für Perser- und Angora-Katzen. Eine Kurzhaarkatze oder ein Husky benötigen hingegen keinen Haarschnitt. Um Entzündungen zu vermeiden, empfiehlt die Dietenheimer Tierärztin auch eine wiederholte Kontrolle der Ohren. Bei starkem Bewuchs zupft der Friseur dort die Haare aus. Auch in der Krallenpflege sieht die Veterinärin eine wichtige Aufgabe des Hundefriseurs.

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