Eine Menge Spaß in 90 Jahren: Gisbert Klamt

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    Gisbert Klamt in Aktion. Die Aufnahme entstand bei einem Turnfest – wann und wo, weiß er nicht mehr genau. Foto: 
  • Einer der Großen im TSV Erbach: Gisbert Klamt.
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    Einer der Großen im TSV Erbach: Gisbert Klamt. Foto: 
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Ginge es nach Gisbert Klamt, sollte es nicht um ihn gehen. Zu seinen vielen Verdiensten befragt, sagt er bescheiden: „Ohne die Begeisterung und Mitarbeit der vielen Helfer wäre keine noch so gute Idee Wirklichkeit geworden. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Dabei lieferte er oft die Initialzündung für Aktionen, an die sich viele Erbacher erinnern. Gisbert Klamt wird 90 Jahre alt.

Geboren ist der Jubilar im Sudetenland, in einem kleinen Ort bei Reichenberg, dem heutigen Liberec. Nach der Volksschule machte er bei Zeiss Jena eine Feinmechanikerlehre. Sport war ihm schon in jungen Jahren wichtig: Beim Geräteturnen im Schulsport, Schanzen über Schneehügel und mit Salti in den aufgestauten Bach bewies er Wagemut und Können. Als er und seine Familie Ende 1946 nach Erbach kamen, war deshalb eine der ersten Fragen: „Ist ein Sportverein da?“ Bald darauf trat Gisbert Klamt dem TSV bei. Jahrzehntelang turnte er aktiv, war Jugendtrainer und mehr als 50 Jahre lang Turnwart.

Während andere sich aufs Sofa legten, betrieb er zum Ausgleich Leichtathletik und fuhr Ski – zumal er für den Schuhhersteller Lowa Skibindungen entwickelte. Auch den Sprung von einer Schanze scheute er nicht: in Herrlingen und sogar von der Garmischer Normalschanze.

Das Gängige war dem umtriebigen Erbacher nie genug. Für das Heimatfest, bis in die 90er Jahre der Höhepunkt in der Stadt, baute er zum Beispiel ein Minitrampolin und ein Schleuderbrett, um mit seinen Turnerjungs als „Gisbertos“ über Biertische zu fliegen. Das Schleuderbrett kam auch 1972 bei der ersten Teilnahme des TSV Erbach am Ulmer Nabada zum Einsatz. Klamt, der das Mitmachen angeregt hatte, lieferte auch gleich die Gestaltungsidee für das Boot: Per Schleuderbrett ging es in der „Bonner Fliegerschule“ in die Donau – eine Anspielung auf die damals häufigen Rauswürfe von Ministern und ranghohen Beamter. Schon die nächste Teilnahme wurde mit dem Kübeles-Pokal belohnt, dem Publikumspreis für das beste Boot. Acht weitere und viele bemerkenswerte Platzierungen sollten folgen – wohl auch aufgrund der beweglichen Aufbauten, die Klamt anregte, etwa sich öffnende Atommeiler. Mehr Bewegung als erwünscht gab es beim Nabada 1993. Ivo Gönner, der als Befürworter einer Müllverbrennungsanlage auf dem Boot zum „Sauberbrenner“ wurde, verlor seinen Kopf, als Hochwasser das Boot an eine zu niedrige Stelle der Herdbrücke trieb. Das THW rettete die in höchster Not über Bord gehende Erbacher Mannschaft, der überdimensionaler Gönner-Kopf wurde erst am Kraftwerk Böfinger Halde herausgefischt. Klamt bewahrt ihn bis heute auf.

Etliche andere TSV-Aktionen gehen auf Klamt zurück. Er initiierte Altmaterialsammlungen und zog mit Skiern, die er an die Anhängerkupplung seines VW Golf montiert hatte, die Spur für einen Biathlon am Baggersee. „Wo ist bloß die Zeit geblieben?“, fragt sich der 90-Jährige und denkt gern an eine Menge Spaß zurück – und an „viele, viele Helfer“.

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