Eine Klammer unter Nachbarn

Bildungseinrichtung, Kooperationspartner und Kulturvermittler: Seit 25 Jahren bereichert die Musikschule Iller-Weihung das kulturelle Leben von sieben Gemeinden und ist dabei auch eine Klammer unter Nachbarn.

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Die Initialzündung, eine Musikschule ins Leben zu rufen, kam 1988 vom Land. Die Gemeinderäte von Balzheim, Dietenheim, Illerrieden, Illerkirchberg, Staig, Schnürpflingen und Hüttisheim ließen sich in die Pflicht nehmen und stimmten einem Zweckverband zu. Das gemeinsame Kind wurde "Musikschule Iller-Weihung" getauft und entwickelte sich prächtig. 4000 Schülern wurde seither Freude an der Musik vermittelt, 150 stellten ihr Talent bei "Jugend musiziert" unter Beweis, bei 850 Veranstaltungen spielten 18 000 Schüler und Lehrer auf, vom kleinen Vorspiel bis zum hochkarätigen Konzert. Die Auftritte lockten 75 000 Besucher an. Zurzeit werden 700 Schüler unterrichtet.

Beeindruckende Zahlen, meinte auch der Verbandsvorsitzende, Staigs Bürgermeister Martin Jung im April beim Festakt in der Balzheimer Stiftungshalle. "Trotz der vielen konkurrierenden Angebote ist es der Musikschule gelungen, ein fester Bestandteil im Leben unserer Gemeinden zu werden", sagte Jung. Dabei beziehe die Schule den ganzen Menschen ein und "vermittelt die Freude an Musik als lebenslange Begleiterin".

Dass dies seit einem Vierteljahrhundert gelingt, erfordert die Zusammenarbeit vieler. Hausmeister sorgen für benutzbare Räume, Sekretariatsdamen für die Koordination von Terminen und Musiklehrer - derzeit sind es 30 - mit ihrer Bereitschaft zur Mobilität dafür, dass Unterricht stattfindet. Denn das ist das Besondere an dem Zweckverband: Die Ausbildung findet dezentral in allen Gemeinden statt. Die Musik kommt sozusagen aufs Dorf. Das bedeutet, dass zwar einige Arbeitszeit auf der Strecke bleibt, aber vielen Eltern Fahrten erspart werden

Die Gemeinden schauen zwar durchaus auf die Kosten, stellten aber die etwas teurere Lösung nie in Frage, auch wenn sich das Land im Laufe der Jahre immer weiter aus der Förderung zurückzog. Bei einem Jahresetat von 824 000 Euro kommen derzeit rund 73 000 Euro aus Stuttgart. Den Löwenanteil tragen die Nutzer mit 405 000 Euro und knapp 20 000 Euro steuert der Bund bei. Damit bleiben an den Gemeinden 270 000 Euro Umlage hängen. Hinter der Musikschule zu stehen bedeutet auch eine Klammer zwischen den sieben Kommunen und ihren Gremien.

Das Angebot der Musikschule hat sich über die Jahre ständig weiterentwickelt und wird über den eigentlichen Unterricht in Kooperationen auch an Kindergärten, Schulen und für Vereine praktiziert. Die Angebote richten sich an die Kleinsten bis hin zu den Erwachsenen. Den "Klangstiften" etwa - ab anderthalb Jahre - stehen noch die Eltern zur Seite. Spielerisch und ungezwungen lernen sie in der Gruppe Rhythmus, Klang und Bewegung mit allen Sinnen, "mit Leib und Seele", wie es im Angebot heißt, aufzunehmen. Vor der Grundschule kommt bereits ein erstes Kennenlernen von Instrumenten hinzu. Es folgt die Ausbildung an rund 25 Instrumenten von Gesang über E-Gitarre bis zum Waldhorn, es wird solo gespielt, in der Gruppe und in Ensembles und zur Ergänzung werden Singen im Chor angeboten, fordert ein Streichorchester das ganze Können und locken Ensembles wie ein Jazzkreis oder eine Rockband. Oft wird die Musikschule ausschließlich mit Kindern und Jugendlichen in Verbindung gebracht. Doch auch Erwachsene lassen sich schulen oder finden sich bei "Erwin" zusammen, der Erwachsenen-Instrumentalgruppe. Schlussendlich bietet die Musikschule Theoriekurse für die Vorbereitung zum Studium an.

Die zentrale Verwaltung der Einrichtung ist seit ihrer Gründung in einem der alten Fuggerschen Amtshäuser auf dem Oberkirchberger Schlossberg untergebracht. Ebenso lange sitzt dort Michael Eberhart als Leiter. Einen "Kulturmanager" nannte ihn der Verbandsvorsitzende beim Jubiläum, der als Ideengeber, Conférencier, Transporteur von Instrumenten und Dirigent maßgeblich daran beteiligt gewesen sei, der Musikschule ihren heutigen Stellenwert zu verschaffen, "nämlich als unverzichtbare Einrichtung für unsere Gemeinden".

Der Könner an der Trompete selbst sieht nicht das Formen von Pablo Casals und Ann-Sophie Mutters als oberstes Ziel. Es gelte die jedem Schützling innewohnenden musikalischen Begabungen zu erschließen, zu fördern und vor allem "eine hoffentlich lebenslange Freude an der Welt der Töne zu vermitteln". Auf einen schlichten Nenner brachte es die CDU-Landtagsabgeordnete Monika Stolz: "Musik tut uns allen gut: Kindern wie Erwachsenen."

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