Einbruchsserie in Langenau – Zwei Männer vor Gericht

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Der Europatrip hat zwei Chilenen hinter Gitter geführt. Sie stehen im Verdacht des schweren Bandendiebstahls und müssen sich  deshalb vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm verantworten. Die 26 und 33 Jahre alten Männer sollen unter anderem am 16. März vergangenen Jahres in Langenau in fünf Wohnungen eingebrochen und Diebesgut im Wert von mehr als 18.000 Euro erbeutet haben.

Dass die beiden Südamerikaner am Montag in Fußfesseln vorgeführt worden sind, ist der Tatsache geschuldet, dass sie bereits wegen einschlägiger Delikte andernorts verurteilt waren und ihre Haftstrafen angetreten hatten. Im Zuge dieser Verfahren sind die Einbruchsdiebstähle in Langenau ruchbar geworden. Beide Angeklagten sind geständig und haben die Taten vor Gericht eingeräumt.

Die Frage nach den Hintermännern ist dagegen nicht so einfach aufzuklären, zumal die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass die beiden Angeklagten aus Santiago de Chile als Teil einer organisierten Bande gezielt nach Europa geschickt worden waren. Zu diesem Komplex wollten sich die beiden Männer nicht einlassen – abgesehen davon, dass sie bestritten, im Auftrag gehandelt zu haben. Vielmehr hätten sie sich zufällig in Hamburg getroffen und dann dazu entschlossen, ihre finanziell Misere durch Diebstähle zu beenden.

Der 33-jährige Jorge V. (Name geändert) gab an, nach Italien gereist zu sein, um sich Arbeit zu suchen, da er in seiner Heimat bei zwielichtigen Geldverleihern Schulden hatte, die er zurückzahlen wollte. In Rom habe er sich zunächst als Hilfskraft in einer Bar verdingt, den Job aber wieder verloren. In der Hoffnung, in Deutschland mehr Glück zu haben, fuhr er nach Hamburg und traf in einer vornehmlich von Lateinamerikanern besuchten Diskothek auf den 26-Jährigen Manuel M. (Name geändert).

Der hatte zwar auch keinen Job, aber ein Auto mit italienischer Zulassung, da er zunächst in Mailand zugange war, aber dort auch nicht Fuß fassen konnte. Das habe ihn, der auch Schulden hat, in Bedrängnis gebracht. In Ermangelung der notwendigen Papiere fanden die beiden Männer auch in Deutschland keine Arbeit. Vor Gericht gaben sie an, mitunter zwischenzeitlich obdachlos gewesen zu sein.

Aufgrund ihrer prekären Lage seien sie dann ziellos durch Deutschland gefahren und seien ohne große Vorplanung in Wohnungen eingestiegen, von denen sie ausgingen, dass die Bewohner gerade außer Haus waren. Manuel M. beteuerte, dass man nicht organisiert gewesen und auch nach Europa ohne jegliche Verabredung gereist sei, zumal sie sich gar nicht gekannt hätten.

Staatsanwalt Tim Kettenbach vermutete, in den Angeklagten zumindest keine Rädelsführer vor sich zu haben: „Wenn man Sie hier so sitzen sieht, gehören Sie nicht zur Führungsetage einer straff geführten Organisation.“

Auch der Hinweis des Vorsitzenden Richters Wolfgang Fischer, dass sich ein umfangreiches Geständnis positiv bei der Strafzumessung auswirken könne, löste die Zungen der Angeklagten zumindest im Zusammenhang mit einem Bandenhintergrund nicht. Aus diesem Grunde wird der Prozess mit der Einvernehmung von Zeugen fortgesetzt. Im Wissen um die Kärrnerarbeit bei der Beweisaufnahme stellte Fischer fest: „Der Aufwand ist groß, der Effekt oft klein.“

Info Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt. Fortsetzung ist am Donnerstag, 13. April um 8.30 Uhr.

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