Einbruch: Angst bei Betroffenen – Polizei gibt Sicherheitstipps

Die Angst sitzt den Betroffenen eines Hauseinbruchs im Nacken. Abstand zu gewinnen ist sinnvoll. Die Polizei rät zu Sicherheitsvorkehrungen am Haus, um den Tätern die Arbeit zu erschweren.

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„Die ersten zwei Tage habe ich nur geheult“, bekennt Inge Schmid (Name geändert). Vor knapp drei Wochen ist in das Haus am Laichinger Ortsrand eingebrochen worden, wo sie mit ihrem Mann zusammen wohnt. Dabei war das fitte, unternehmungslustige Rentnerehepaar an jenem Samstag nur einige Stunden mit Sportskameraden beim Spanferkelessen in Moosbeuren. Als sie kurz vor Mitternacht wieder zu Hause waren, standen Fenster und Terrassentür offen: Sofort war klar, dass da ein Einbrecher im Haus gewesen sein musste.

Der Täter hatte eine Scheibe eingeworfen, hatte durch die kleine Öffnung gegriffen und das Fenster am Hebel geöffnet. Er war dadurch unauffällig von hinten her in die Räume gelangt. Offenbar ein Profi: „Trotz Regen und Matsch draußen gab es keine auffälligen Spuren vom Täter“, erzählt Inge Schmid.

Auf dem ersten Blick schien gar nicht viel zu fehlen: Eine gute Kamera oder der Fernseher – solche Dinge waren unberührt. Bei genauerer Überprüfung wurde aber schnell klar, dass die Einbrecher es nur auf Schmuck und Bargeld abgesehen hatten. Das Schlimmste: Im Schlafzimmer hatten sie den Schmuck von Inge Schmids Mutter gefunden und Goldschmuck, den Reiner Schmid vor vielen Jahren selbst gefertigt und seiner Frau geschenkt hatte: „Das kann mir niemand mehr ersetzen“, ärgert sich die Laichingerin. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Täter gar nicht alles Bargeld im Haus mitnahmen, obwohl sie fast alle Schubladen durchwühlt hatten.

„Das Gold wird von diesen Diebesbanden schnell eingeschmolzen und zu Geld gemacht“, hat Inge Schmid von der Versicherung erfahren. Den auf rund 3000 Euro geschätzten Schaden am Haus und den schwerer schätzbaren Wert ihres Schmucks wird sie zwar ersetzt bekommen, meint die Hausfrau nach Gesprächen mit der Versicherung. Die vielen mit den Schmuckstücken verbundenen Erinnerungen sind aber weg, ebenso wie das Gefühl der Sicherheit im Haus, in dem ihre Kinder aufgewachsen sind. Damit steht sie nicht allein: Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen fühlen sich 75 Prozent der Opfer von Einbrüchen in ihrer gewohnten Umgebung unsicher, bei der Hälfte von ihnen hält dieses Gefühl längerfristig an. Psychische Belastungen wie Stress, Anspannung, Angstgefühle und Schlafstörungen sind Folgen eines erlebten Einbruchs.

Tipps für mehr Sicherheit

Die Polizei hat den Rentnern inzwischen Tipps gegeben, wie sie ihr Haus sicherer machen könnten – beispielsweise durch Schlösser an Fenstern oder durch eine Zeitschaltuhr, die Licht im Haus angehen lässt, wenn man selbst mal gerade nicht Zuhause ist. Auch das Aufschalten der Haustürklingel aufs Handy ist eine Möglichkeit, weil viele Täter klingeln, um sich zu vergewissern, dass niemand im Haus ist.

Absolute Sicherheit kann jedoch niemand geben. Die Unsicherheit besteht umso mehr, als Familie Schmid am nächsten Tag feststellte, dass beim Haus der Nachbarn, die für einige Tage im Urlaub waren, ein Kellerfenster kaputt war. Zusammen mit der Polizei war schnell klar, dass der Täter auch hier eingebrochen war. Immerhin konnte er einige wertvolle Dinge nicht stehlen, weil diese in einem Tresor verstaut waren. Dem Einbrecher gelang es nicht, den Safe zu knacken, obwohl er ihn mit einem Schlaghammer massiv bearbeitete. Zwei weitere Einbrüche nach einem ähnlichen Schema gab es in derselben Nacht in Merklingen.

Ein Zusammenhang bei den Taten sei naheliegend, zumal die Polizei schon lange beobachtet, dass „Orte nahe von Autobahnen und Bundesstraßen vermehrt Opfer von Einbrüchen werden“, wie Pressesprecher Wolfgang Jürgens berichtet. Die professionellen Täter wählen ihre Ziele meist spontan und bringen sich über die großen Straßen schnell in Sicherheit.

Glücklicherweise war bei Familie Schmid keine Frage, ob die Versicherung den erlittenen Schaden bezahlt. Im Fall eines Merklinger Einbruchs vor ein paar Jahren war das nicht so, weil die Einbrecher durch ein gekipptes Seitenfenster eingedrungen waren: Das sei grobe Fahrlässigkeit, hieß es damals von der Hausratversicherung.

Drei Wochen nach dem Überfall geht es Inge Schmid wieder besser. Mit dazu beigetragen hat auch, dass sie sich nicht allzu lange vom Einbruch hat ins Boxhorn jagen lassen. Mit ihrem Mann beschloss sie, trotz einiger Bedenken einen lange geplanten Wanderurlaub zu machen.  „Ich geh trotzdem fort“, hat sie sich auch für die Zukunft vorgenommen.

Tipps zum besseren Schutz seines Hauses oder Wohnung geben die Polizeiposten oder im Internet die Seite www.polizei-beratung.de

Hilfe für alle, die mit einer Straftat konfrontiert wurden bietet der „Weiße Ring“. Kostenfrei und anonym kann sich bei diesen Helfern jeder Betroffene unter der bundesweiten Telefonnummer zwischen 7 und 22 Uhr beraten lassen: 116 006.

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