Ein Zuhause für Schwalben, Schleiereulen und Co

Seit Jahrzehnten setzt sich Hans Frölich aus Bernstadt für den Naturschutz ein. Für sein Engagement hat ihn der Bundespräsident nun nach Berlin zum Bürgerfest geladen.

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  • Mehr als 20 Schwalbenhäuser hat Hans Frölich (links) mit Helfern in der Region aufgestellt. Die meisten, wie dieses, das seit 2016 in Unterelchingen steht, werden gut angenommen. 1/2
    Mehr als 20 Schwalbenhäuser hat Hans Frölich (links) mit Helfern in der Region aufgestellt. Die meisten, wie dieses, das seit 2016 in Unterelchingen steht, werden gut angenommen. Foto: 
  • Wird am Freitag vom Bundespräsidenten em­pfangen: Hans Frölich. 2/2
    Wird am Freitag vom Bundespräsidenten em­pfangen: Hans Frölich. Foto: 
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Die erste große Aktion galt der Rettung der Schleiereulen. Nachdem er in Langenau über sie einen Vortrag gehört hatte, griff Hans Frölich zu Brettern und Schrauben und zimmerte spezielle Nistkästen. Das war, so schätzt der Bernstadter, um 1980 herum. Mehr als 500 Brutkisten hat er in Kirchen und Scheunen im Alb-Donau-Kreis aufgehängt. Mit Erfolg. Allerdings, so bedauert er, komme er gar nicht mehr dazu, die Nester auch zu kontrollieren. Denn andere bedrohte Arten erfordern inzwischen den Einsatz des 70-Jährigen. „Als Rentner kann man schon noch was tun“, sagt er über seinen ehrenamtlichen Einsatz, für den er am kommenden Freitag zum Bürgerfest von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeladen ist (siehe Info-Kasten).

Seine ehrenamtlichen Aufgaben hindern Frölich zwar nicht daran, zweimal in der Woche durchs Lonetal zu joggen. Aber aus dem Plan, mit 70 Jahren noch einmal einen Marathon zu laufen, wird nichts. Für das nötige Training sei die Zeit immer zu knapp und in den vergangenen Jahren seien auch einige Wehwehchen hinzugekommen.

Bis heute nutzt der gelernte Landmaschinenmechaniker, der viele Jahre lang zuerst bei Pflug-Eberhardt, dann bei Gardena als Konstrukteur und Entwickler gearbeitet hatte, sein technisches Know-how, um „im Naturschutz etwas zu verbessern“. Damit meint er vor allem Nistangebote für Vögel. Schon als Schüler habe er mit seinen Klassenkameraden Nistkästen im Wald aufgehängt, erzählt der gebürtige Nerenstetter, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Vor etlichen Jahrzehnten habe er Günter Herrmann kennengelernt, mit dem ihn bis heute die Hobbys Fotografie und Naturschutz verbinden. Über ihn kam er früh zur AG Donaumoos Langenau, die Ende der 1970er Jahre gegründet worden ist. „Da trat das Fotografieren für mich in den Hintergrund.“
Erfolge und Rückschläge

Bei allen Erfolgen – es gab auch Rückschläge. Wie etwa den Diebstahl der Schleiereulen aus dem ersten Nistkasten, den er in einem mit einer Kette gesicherten Stadel im Ried platziert hatte. Heute sei der Eulen-Bestand „nicht schlecht“. Damit war diese Arbeit für Frölich erledigt, zumal andere Aufgaben warteten: „Da kam einer und wollte ein Storchennest.“ Das war vor etwa 30 Jahren. Der Bernstadter baute eins, das in Donaustetten aufgestellt wurde. Mittlerweile hat er etwa 60 Exemplare auf Türmen und Dächern angebracht. Und diese müssen gereinigt und im Frühjahr wieder hergerichtet werden. Frölich ist dankbar, dass dabei die örtlichen Feuerwehren oder Bauhöfe helfen. Er ist sicher: Ohne die Nester wäre Meister Adebar nicht wieder in unsere Gegend gekommen. In Langenau brüteten dieses Jahr sechs Paare. Allerdings seien einige Junge noch nach 35 Tagen eingegangen. Ein Zeichen für Nahrungsmangel. Das bedeute aber nicht, dass es zu viele Störche gibt, sondern zu wenig feuchte Wiesen. „Der Biber ist mein bester Mitarbeiter“, sagt Frölich. Seiner Meinung nach müssten die Bauern auch in Baden-Württemberg entschädigt werden, deren Wiesen deshalb unter Wasser stehen. „In Bayern bekommen sie etwas.“

Zu wenig Nass macht auch den Schwalben zu schaffen, die wegen der zunehmenden Versiegelung keine Drecklachen und damit kein Baumaterial mehr für ihre Nester finden. Frölich hat mehr als 20 Schwalbenhäuser konstruiert und großenteils selbst gebaut. Die Vögel haben die meisten angenommen. Eines der ersten Häuser stand in Bernstadt, und das ist in Zusammenarbeit mit Zimmermann Tobias Baur mittlerweile zu einer veritablen Wohnanlage erweitert worden: Nachdem in 70 von 88 Nestern die Sommerboten eingezogen waren, fügten die Naturschützer zwölf weitere hinzu und animierten damit die Vögel, selbst welche zu bauen.

Aber es es klappt nicht nur im Großen. In seinem Garten hat Hans Frölich ein kleines Schwalbenhaus mir nur zwölf Brutplätzen. „Ich habe es am 3. Juni aufgestellt und am 10. Juni war schon die erste Schwalbe  drin.“ Dass beweise, dass auch Privatleute in ihren Gärten etwas für die Schwalben tun können, die stets innerhalb der Ortschaften brüten.
Einladung zum Bürgerfest

Über die Einladung zum Bürgerfest des Bundespräsidenten freut er sich. „So eine Anerkennung tut schon gut.“ Das einzige, was Hans Frölich umtreibt: Zu dem Anlass müsse er eine Art Anzug anziehen – womöglich mit Krawatte: „Das mag ich gar nicht.“ In Jeans oder Sporthose fühle er sich einfach wohler.

Einladung Am Freitag und Samstag findet im Schloss Bellevue in Berlin das Bürgerfest von Frank-Walter Steinmeier statt. Damit würdige der Bundespräsident „die Menschen in Deutschland, die mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement zu einer starken Zivilgesellschaft beitragen“, steht auf der Homepage des Bundespräsidenten. Am Freitag, wo auch Hans Frölich in Schloss Bellevue zu Gast sein wird, danke der Bundespräsident rund 4000 Engagierten mit einer persönlichen Einladung, die gesellschaftliche Herausforderungen angehen und sich für andere Menschen einsetzen. Am Samstag ist dann „Tag des offenen Schlosses“, zu dem alle Bürger eingeladen sind. mäh

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