Ein Venustransit hinter Wolken

Viele Menschen freuten sich auf eine Begegnung der besonderen Art: Am Mittwoch zog die Venus an der Sonne vorbei. Ein seltenes astronomisches Phänomen, doch auf der Alb trübten Wolken den Blick.

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Hans-Peter Eppler hofft vergebens auf gutes Wetter beim Venustransit. Foto: bs

Mittwoch, 5 Uhr morgens und vier Grad Außentemperatur. Dafür, dass die Sonne erst um 5.20 Uhr aufgehen soll, ist es erstaunlich hell. Auf dem Weg zu einer kleinen Anhöhe vor dem Interkommunalen Gewerbegebiet Laichinger Alb sind schon einige Menschen unterwegs, nicht alle aber wollen den Durchgang der Venus beobachten. Eigentlich sieht man nur einen kleinen schwarzer Punkt, der langsam über einen gelben Ball der Sonne wandert. Doch diese einfache Denkweise darf vor Hans-Peter Eppler, Apotheker und großer Hobbyastronom, nicht laut geäußert werden. Der nämlich erzählt beim Aufbau seines Fernrohres mit Kamera ganz fasziniert von der Seltenheit dieses Ereignisses. Zwischen 5.20 Uhr und 6.55 Uhr könnten die Menschen in Deutschland den Venusdurchgang beobachten, sofern keine Wolken da sind. "So viele Menschen habe große Reisen und Mühen auf sich genommen, um diesen Venusverlauf einmal beobachten zu können", sagt Eppler. Schon 1631 sagte Johannes Keppler den ersten Venusdurchgang voraus, der aber in Europa nicht zu sehen war. Aber Keppler hatte nach seinem Tod die Bahndaten für den Venustransit 1639 hinterlassen. Von Jeremia Horrocks korrigiert konnte er mit einem Freund erstmals einen Venusdurchlauf beobachten.

Hans-Peter Eppler sucht per Kompass den ganz genauen Punkt, an dem die Sonne aufgehen muss: Aus seiner Sicht gleich neben der Merklinger Kirche. Doch die Wolken dort bleiben hartnäckig, lassen nicht die kleinste Lücke zu. Eppler greift zum iPad, hält es gen Himmel und auf dessen Bildschirm zeigt sich der Planetenhimmel mit Daten und genauen Komponenten. Unglaublich. Eppler will so gerne Bilder von diesem Ereignis machen, die Kamera auf seinem Fernrohr zeigt die Merklinger Kirche, aber um den anvisierten Punkt ist nur eine kaum erkennbare rötliche Färbung des dunklen Wolkenbildes zu erkennen.

Zur Erinnerung: Im 19.Jahrhundert unternahmen viele Astronomen im Auftrag des deutschen Reiches lange Reisen, um die Venustransite 1874 und 1882 zu beobachten. In bescheidenem Maße wurden Expeditionen organisiert bis in weit entfernte Regionen der Welt. Auch andere wissenschaftliche Großmächte, wie zum Beispiel Russland, die Vereinigten Staaten oder Italien sandten Expeditionen aus, um diesem Ereignis beizuwohnen. Man erwartete, mit den neueren Instrumenten genauere Messungen vornehmen zu können.

Zurück in der Gegenwart: Bis 6.55 Uhr hält Eppler aus, vergeblich. "Doch auch im Herbst bietet uns Venus noch zwei interessante Auftritte", sagt er. Das Warten und die Kälte und auch die Enttäuschung über die Wolken sei für Hobbyastronomen etwas ganz Normales. Am 3. Oktober steht die Venus extrem nah am hellsten Stern des Sternbildes "Löwe". Dieser, so Eppler, sei bekannt als Königsstern oder Regulus. Und am 27. November ist die Venus ganz dicht am Saturn zu finden.

Zum Trost: "Wer den Venusdurchgang nicht beobachten konnte, kann sie aber Ende des Monats wieder als sehr hellen Morgenstern tief am Osthimmel entdecken", betont Eppler. "Venus, die Apohrodite, die Schaumgeborene", erinnert Eppler an die griechische Mythologie. "In allen Kulturen gilt sie als weibliche Gottheit. Und das Besondere ist das zweimalige Auftauchen am Himmel, als Abend- und Morgenstern." Also doch mehr als ein kleiner schwarzer Punkt, denn Eppler sagt auch: "Nach einem Venustransit beginnt eine neue Morgenstern-Phase."

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