Ein Tag in der Woche für die Familie reserviert

Wieviel Platz ist für die Familie im vollen Terminkalender eines Bürgermeisters? Mehr als man denkt, versichern die Rathauschefs von Erbach und Schnürpflingen.

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Die beiden Bürgermeister mit ihren Familien: Links Familie Knoll mit Vater Michael, Mutter Gudrun mit den Töchtern Valerie, Carla und Romy; rechts Familie Gaus mit Vater Achim, Mutter Birgit sowie den Söhnen Benjamin, Adrian und Jonathan.   Foto: 

Zwei Männer, beide Bürgermeister, zusammen sechs Kinder, der eine nur Jungs, der andere nur Mädchen – paritätisch jeweils drei. Bei Achim Gaus, Rathauschef von Erbach, und Michael Knoll, selbiger in Schnürpflingen, stellte sich der Nachwuchs wie die viel zitierten Orgelpfeifen ein. Jonathan (6), Benjamin (4) und Adrian (7 Monate) heißen die Gaus’schen Buben, Valeri (10), Carla (8) und Romy (3) die Mädchen der Knolls.

„Papa? Nie da“, möchte man als Antwort vermuten, wenn man die Kinder oder die Ehefrauen Birgit Gaus und Gudrun Knoll fragt, wie viel Vatersein denn im Terminkalender eines Bürgermeisters Platz hat. Von Klagen sind beide Familien aber weit entfernt. Ganz im Gegenteil, denn als besonders wertvoll wird angesehen, dass die Väter dank des später beginnenden Arbeitstags mit den Kindern frühstücken können. Meist sitzen alle auch beim Mittagessen am Tisch und oft beim Abendessen. Das könnten viele Familien nicht, betonen die beiden Ehefrauen einmütig.

Eine Rüge handelte sich Gaus allerdings ein, als er am Frühstückstisch die Zeitung über das Tablet zu lesen begann. „Papa, hör auf zu spielen“, kam es von seinen Jungs. Sein Benjamin hatte nämlich ein ganz anderes Bild: Einmal schnappte er sich eine Zeitung, setzte sich damit an den Tisch, daneben eine leere Tasse und vertiefte sich in die Seiten. „Ich bin jetzt Papa“, meinte er auf die fragenden Blicke und nippte an seinem „Kaffee“.

Die beiden Bürgermeister – beide Jahrgang 1972 und 2010 in ihre Ämter gewählt – sind mit ihrem Familienleben auch sonst rundum zufrieden. Oder wie Gaus es formuliert: „Ich bin kein Fremder zu Hause.“ Muss er etwa nochmal abends einen Termin wahrnehmen, kommt er hinterher dem Wunsch seiner Kinder nach, ins Schlafzimmer zu schauen, ebenso Knoll.

Jonathan freut sich aufs gemeinsame Schneeschippen und Inliner-Fahren, Knolls Mädchen auf gemeinsame Brettspiele. Inzwischen schauen sie vor dem Schlafen gehen lieber fern, wozu Papa herzlich eingeladen ist – möglichst mit einer Tüte Chips. Das ist wiederum ein Punkt, an dem die Mütter solidarisch einhaken. Sind nämlich die Papas da, würden Regeln gern außer Kraft gesetzt. Eben bei der Ernährung. Oder das zu Bett gehen wird etwas nach hinten verschoben. Dass es zu Hause mit drei Kindern „immer etwas trubelig“ zugeht, genießen die Väter und sehen die Familie als großen Rückhalt. Von den Kindern gefordert zu sein, hat aus Sicht der Mütter zudem einen großen Vorteil. „Da sind sie gezwungen abzuschalten und das Geschäft tritt schnell in den Hintergrund“, sagt Gudrun Knoll.

Große Hilfen im Haushalt seien sie ansonsten nicht, gestehen beide ein. Michael Knoll habe es mal mit Bügeln versucht – griffbereit ein Glas Rotwein. Das sei aber „kein nachhaltiges“ Unterfangen geworden. Heute beschränke er sich aufs Grillen: „Gunny besorgt das Fleisch – ich leg’s drauf.“ Achim Gaus hält es mit „praktischer Zuarbeit“. Beschweren wollen sich die Bürgermeistergattinen nicht über den oft zeitlich verschobenen Beruf, der auch das Wochenende einschließt. Schließlich habe man sich bewusst und gemeinsam dazu entschieden zu kandidieren. So oft es geht wird jeweils ein fester Wochentag für die Familie reserviert. Bei den Knolls ist es der Dienstag, bei den Gaus’ der Mittwoch. Dann gehen die Frauen zur Musikprobe.

Auch der Vatertag gehört ganz den Familien. Achim Gaus hat „noch keinen Plan“, aber den Wunsch, „dass die Kinder möglichst spät aufstehen“. In der Regel geschehe das nämlich im Morgengrauen. Für Michael Knoll Anlass für einen Blick ehrlichen Bedauerns. „Da sind unsere fair, das wird erst im Laufe des Vormittags geschehen“, sagt der Schnürpflinger Schultes.

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