Ein Leben als Bürgermeister - 27,5 Jahre im Amt

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Seit 27 Jahren Bürgermeister: Bernd Mangold vor Kirche und Rathaus.  Foto: 

Bernd Mangold ist fast schon sein halbes Leben lang Bürgermeister. Am 5. Oktober ist er 60 geworden. Seit 27 Jahren ist er „Schultes“ in Berghülen. Heute richtet die Gemeinde einen Stehempfang aus (Beginn: 19 Uhr, Auhalle), bei dem auch alle gewürdigt werden sollen, die ehrenamtlich aktiv sind in der 2000-Einwohner-Gemeinde.

Bernd Mangold, der aus Täferrot-Tierhaupten nördlich von Schwäbisch Gmünd stammt, äußerte schon in der Grundschule den Berufswunsch Bürgermeister. Mit dem Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst und den Erfahrungen als Hauptamtsleiter in Alberhausen probierte er es zum ersten Mal in Notzingen im Kreis Esslingen, wo der Amtshinhaber nicht mehr antrat. Gegen einen örtlichen Bewerber sei er „gnadenlos gescheitert“, erinnert sich Mangold. Um das zu verdauen, habe er „schon eine Weile gebraucht“.

Auf Anhieb klappte es in Berghülen, wo immerhin sechs Kandidaten die Nachfolge von Hans Braungart antreten wollten. Braungart, ein gewiefter Bauernschultes, der unter anderem dafür bekannt war, dass er sich am Telefon nur mit „jetzet“ meldete. Den „Jetzet“ kopieren wollte Mangold nie. Er ist der erste Berghüler Bürgermeister, der nicht aus dem Dorf kommt. So war er am Anfang der „Herr Bürgermeister“. „Ich habe mir das Vertrauen erarbeiten müssen“, erzählt Mangold. Es habe fünf Jahre gedauert, bis ein alteingesessener Berghüler zu ihm sagte: „Jetzt bist du unser Schultes.“

Zu tun gab es von Anfang an genug, besonders im Bereich der Infrastruktur. „Das war auch das, was mich gereizt hat“, sagt Mangold und nennt beispielhaft einige Projekte der vergangenen 27 Jahre: Neubaugebiete für Wohnen und Gewerbe, Schulerweiterung, Bau von Kindergarten und Feuerwehrhaus und die zwölf Jahre lang laufende Ortskernsanierung, die mit der Neugestaltung der Ortsmitte samt Backhaus einen Abschluss gefunden hat.

Die Sanierung der Auhalle ist gerade fertig geworden – der Empfang heute Abend ist die erste Veranstaltung. Gerade geht’s in der schuldenfreien Gemeinde um die Abwasserentsorgung in Treffensbuch, um die Vergrößerung der Aussegnungshalle, ums Glasfasernetz und um den Verkauf von Wohnbauplätzen. Wirkt sich da schon der in Merklingen geplante Bahnhof aus, für dessen Finanzierung auch Berghülen ordentlich Geld in die Hand nimmt? „Das wird erst noch kommen“, schätzt Mangold. Die Nachfrage sei aber bereits jetzt „riesengroß“. So bleiben Neubaugebiete in Berghülen ein Thema. Mangold will auch künftig kleinen Betrieben Flächen anbieten können.

Der Bürgermeister schätzt das intakte, vertrauensvolle Verhältnis zum Gemeinderat. Gemeinsam wurden so emotionale Themen wir die Abschaffung der Unechten Teilortswahl, die für Berghülen, Bühlenhausen und Treffensbuch jeweils eine bestimmte Zahl von Sitzen im Gremium garantierte, angegangen und zum Abschluss gebracht. „Da geht’s nicht ins Persönliche“, sagt Mangold zur Arbeit im Gemeinderat, bei dem eine „Nachsitzung“ ohne Kommunalpolitik zur Tradition gehört.

In einer kleinen Gemeinde kommt ein Bürgermeister kaum aus seiner Rolle heraus. „Aber inzwischen respektiert man unser Privatleben“, sagt der 60-Jährige, dessen Frau Marieluise selbstständig im Finanzwesen tätig ist. Die beiden Töchter, 23 und 26 Jahre alt, arbeiten in Bereich der Betriebswirtschaft. „Dass jemand an der Haustür klingelt, kommt selten vor“, sagt Mangold, der sich bei Radtouren erholt und in der örtlichen Tennisabteilung Spielführer der Mannschaft „Herren 50“ ist.

Es gab auch unruhige Zeiten, etwa als sich Leute über Partys im Jugendhaus beschwerten. „Das ging fast bis zum Telefonterror.“ Persönlich angegriffen sah sich der Bürgermeister auch jüngst bei der Diskussion über das Solarfeld der ENBW bei Bühlenhausen. Er wurde als Lügner bezeichnet, in der Mainacht wurde vor seiner Garage eine Beleidigung auf die Straße gemalt. „Das hat mich schon ein bisschen geplagt.“ Die andere Erfahrung: „Wenn’s gilt, helfen alle zusammen“, sagt Mangold, beispielsweise bei der Einweihung der Ortsmitte, bei der Leute aus allen Orten anpackten.

Blick über den Kirchturm hinaus

Mangold hat den Blick über den Kirchturm hinaus: Er ist im Alb-Donau-Kreis Vorsitzender des baden-württembergischen Gemeindetags und jüngst zu einem der Vizepräsidenten der bedeutenden Organisation auf Landesebene gewählt worden. Er versteht sich dort als Vertreter der kleinen Gemeinden, die andere Probleme haben als Städte mit großem Verwaltungsapparat. „Nicht jeder muss das Rad neu erfinden“, meint Mangold. Die Betreuung und Integration von Flüchtlingen – in Berghülen leben 34 – ist so ein Thema. Der Gemeindetag hat mit dem Land über die Anstellung von Integrationsmanagern verhandelt. „Da sitzt man auch mal mit Kretschmann in einer Kaminrunde“, sagt Mangold zu seinen Aufgaben als Vizepräsident.

Von größeren Städten hat sich Mangold, dessen Amtsperiode noch viereinhalb Jahre dauert, nie locken lassen. Er fühlt sich wohl in Berghülen, gemäß dem Spruch, den er selbst mal kreiert hat: „Sich wohlfühlen in Berghülen.“ „Ich hoffe, dass es den Einwohnern auch so geht“, sagt Bernd Mangold.

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