Ein bisschen Himmel auf Erden

2000 Ikonen und 500 kunstgewerbliche Exponate: In einem Museum in Autenried spiegelt sich die Ökumene der West- und Ostkirche wider. Die Auferstehung Christi feiern alle christlichen Kirchen heuer gemeinsam.

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  • Der orthodoxe Pater Jakobus Puckett in seinem Reich, dem Ikonenmuseum im Schloss Autenried. Fotos: Michael Janjanin 1/3
    Der orthodoxe Pater Jakobus Puckett in seinem Reich, dem Ikonenmuseum im Schloss Autenried. Fotos: Michael Janjanin
  • Zwei Ikonen: Die Muttergottes als einigende Figur der Ost- und Westkirche (links), Jesus im Ornat eines Bischofs (rechts). 2/3
    Zwei Ikonen: Die Muttergottes als einigende Figur der Ost- und Westkirche (links), Jesus im Ornat eines Bischofs (rechts).
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Ostern ist das wichtigste Fest der Christen, doch sie feiern es nicht alle am selben Tag. Die Kirchen in Ost und West berechnen den Termin nach verschiedenen Methoden. Dieses Jahr fallen die Feiertage zusammen - ausnahmsweise. Zufällige Überschneidungen wie heuer gibt es in diesem Jahrhundert noch gut zwei Dutzend Mal. Danach erst wieder im Jahr 2900.

Aus diesem Anlass hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland einen Text zum gemeinsamen Osterfest 2014 veröffentlicht. Darin heißt es: "Katholische, evangelische, orthodoxe und freikirchliche Christen bezeugen gemeinsam den Grund ihres Glaubens und geben der österlichen Freude gemeinsam Ausdruck." Der evangelische Kirchenbezirk in Blaubeuren lebt die Ökumene mit der Ostkirche durch seine Beziehungen zur syrisch-orthodoxen Kirche. Eine besondere Form der Ökumene findet sich in einem alten Schloss in Autenried in Bayerisch-Schwaben, an die 30 Kilometer östlich von Neu-Ulm: Dort ist es die Kunstgeschichte, die den Kontakt der Gläubigen der Ost- und Westkirchen aufrecht erhält.

Der 74-jährige Mönchspriester und Kustos Pater Jakobus Puckett betreut in dem zentralen Schlossgebäude ein Museum mit mehr als 2000 Ikonen und 500 kunstgewerblichen Exponaten: Goldschmiedearbeiten, Bronzegüssen, Stickereien, Gewändern, Holzschnitzereien, Elfenbeinarbeiten und mit vielen Handschriften, alten Drucken und Grafiken.

Es ist das größte Museum für ostkirchliche Kunst außerhalb der slawischen Länder und Griechenlands. Die Objekte stammen aus dem Frühchristentum bis zur Gegenwart. Die meisten Werke sind aus dem 16. bis zum 19. Jahrhundert - Ikonen alter russischer Malschulen, Werke alter Serbischer Klöster, Zeugnisse griechischer und byzantinischer Kirchentradition.

"Seit 1959 haben wir unseren Sitz hier in Autenried", erzählt der orthodoxe Priester, der an Sonn- und Feiertagen Besuchergruppen durchs Museum führt und viel über die Traditionen und die Spiritualität der Ostkirchen zu erzählen hat. Das "Wir" ist in diesem Fall das Slavische Institut in München. Er selbst sei erst später dazugestoßen - nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Theologie und der Priesterweihe.

Pater Jakobus Puckett ist US-Amerikaner und kam über verwandtschaftliche Beziehungen zur orthodoxen Diaspora. "Anfang der 60er Jahre war ich als Soldat in München stationiert", erzählt er vor einer Ikonostase, im ukrainischen Stil geschnitzt und versehen ist mit Bildnissen der Erzengel. "In orthodoxen Kirchenbauten steht sie normalerweise zwischen dem Altarraum und dem inneren Kirchenschiff."

Schon während des Studiums hat Puckett im Autenrieder Museum mitgearbeitet. Nach der Weihe zum Priester 1970 betreute er zum einen das Museum, aber auch eine Diaspora-Gemeinde orthodoxer Christen - hauptsächlich Griechen, aber auch Serben, Rumänen, Russen und Bulgaren, die in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm wohnen. "Wir sind die einzige orthodoxe Kirche zwischen Ulm und Augsburg", sagt Puckett, der der Priesterkongregation des Heiligen Demetrios von Saloniki angehört. Die Gemeinde selbst ist verbunden mit dem Patriarchat von Antiochien - in der heutigen Türkei. "Da Antiochien heute eher eine kleine Siedlung ist, residiert der Patriarch in Damaskus."

Die Verbindungen der Orthodoxie nach Württemberg und der dortigen Landeskirche wurzeln aber nicht nur in der Kunstgeschichte, betont Puckett. Zumal die Ikonen der Ostkirche nicht als Kunstwerke gelten, sondern als Repräsentanten des Dargestellten: des Heiligen, der verehrt wird, und des Heilsgeschehens. Die ersten Ansätze von diakonischen Strukturen in Russland basierten auf württembergisch-protestantischen Initiativen. "Vor allem Frauen aus württembergischen Fürstenhäusern haben die ersten Waisenhäuser in Moskau gegründet." Heirat und Migration haben in Ost- und Südosteuropa bis heute evangelische Kirchengemeinden entstehen lassen.

Die Diakonie Württemberg unterhält mit der Aktion "Hoffnung für Osteuropa" bis in die Gegenwart ein feines Netz an Hilfsprojekten in den Staaten des Balkan bis nach Russland hinein. Umso mehr freut es Puckett, dass trotz der beiden unterschiedlichen Kirchenkalender - der gregorianische für die West-, der julianische für die Ostkirche - die zeitliche Trennung der beweglichen Kirchenfeste in diesem Jahr aufgehoben ist. "Ostern und die Auferstehung sind schließlich das höchste Fest der Kirche."

Zudem freut es ihn, dass er noch die Zeit hat, den Ostergottesdienst in alter, spiritueller Tradition mit ihren Gesängen zu feiern. Die Liturgie faszinierte bereits um das Jahr 1000 die Gesandten des Fürsten der Rus. Sie schreiben in ihrem Bericht über die Liturgiefeier in der Hagia-Sophia von Konstantinopel: "Wir wissen nicht, ob wir im Himmel waren oder auf der Erde. Denn einen solchen Anblick und eine solche Schönheit gibt es nicht auf Erden."

Pater Jakobus Puckett feiert die Auferstehung Christi auf Altgriechisch: Der Gottesdienst in der kleinen Kirche im Schlossgebäude von Autenried beginnt heute Abend um 23 Uhr, mündet in eine kleine Prozession und dauert bis in die Morgenstunden. "An die 300 bis 400 Gläubige aller Landeskirchen schätzen die getragene Form, Ostern zu begehen."

Das Museum hat an Sonn- und Feiertagen geöffnet
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