Drei Forschergruppen zeigten am Blautopf Bilder aus der Unterwelt

Ein Abend auf der Sommerbühne am Blautopf: Drei Vereine berichteten über die Forschungen in der Unterwelt. Eine gelungene Premiere.

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Das Wasser-Einzugsgebiet des Blautopfs ist 165 Quadratkilometer groß, erstreckt sich bis Hohenstadt im Norden und Zainingen im Westen. Nur ein kleiner Teil der Hohlräume, die das Wasser in Millionen Jahren geschaffen hat, ist erforscht. Doch diese sind riesengroß und von faszinierender Schönheit. Einen Einblick in die Unterwelt gaben die drei in diesen Höhlen forschenden Vereine am Freitagabend auf der Blaubeurer Sommerbühne. Der Höhlenverein Blaubeuren (Vetterhöhle, Steebschacht), die Arbeitsgemeinschaft Blaukarst (Hessenhauhöhle, Seligengrundhöhle) und die Arbeitsgemeinschaft Blautopf (Blautopfhöhle) bestritten erstmals gemeinsam einen Abend, der bei den mehr als 500 Zuschauern gut ankam. Die Vereine waren gehalten, ihre Flut von Informationen in einem jeweils nur halbstündigen Bilder-Vortrag zusammenzufassen, den Besuchern bescherte das einen kurzweiligen, interessanten Abend.

Während die Arge Blautopf jahrelang tauchend von der Quelle aus versuchte, die Geheimnisse des Blautopfs zu lüften, hofften die Arge Blaukarst und eine Gruppe um Markus Boldt (damals Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten) von oben auf einen unterirdischen Blautopf-Zufluss zu stoßen. Boldt, Vorsitzender des 2008 gegründeten Höhlenvereins Blaubeuren (HVB), zeigte Bilder und Filme von den mühsamen Grabungen in der Vetterhöhle bis in eine Tiefe von rund 40 Metern, von engen "Schlufen" und von großen Gängen, wo zwei Lkws im Begegnungsverkehr Platz finden würden.

Auch heute graben die Mitglieder des HVB wieder, sie bauen einen Ersatz für den Entdeckerschacht, der nur mit Baumstämmen gesichert ist und keinen dauerhaften Zugang ermöglicht. Einen Hintereingang ins Blauhöhlensystem könnte der Steebschacht bei Wennenden darstellen, dort ist dem HVB der Durchbruch bisher nicht gelungen. Boldt ging ein auf die so genannte "Telemetrie", mit deren Technik laufend Daten über Wasserstand und Temperatur von der Höhle nach draußen geliefert werden.

Über Nacht bleiben manchmal Mitglieder der Arge Blaukarst in der Hessenhauhöhle. Sie haben ein Biwak eingerichtet. Denn die Forschungen in den Flusstunneln sind anstrengend. Wie Vorsitzender Dr. Jürgen Bohnert berichtete, müssen alle Geräte über einen Schacht 135 Meter tief nach unten gebracht werden. Diesen Zugang haben die Forscher, die dem Lufzug der Hessenhaudoline folgten, in fünfjähriger Arbeit gegraben. In der Flusshöhle gibt es Tropfsteine, "wie man sie aus den schönsten Höhlen der Welt kennt", sagte Bohnert und zeigte beeindruckende Fotos. Es gibt eine Verbindung zwischen Hessenhau- und Blautopfhöhle. Einen Durchgang zu finden könne noch dauern. Denn immer wieder müssen Unterwasserstrecken, Siphone, durchtaucht werden. Problem dabei: die Taucher bewegen sich mit der Strömung und aufgewirbelte Sedimente nehmen die Sicht.

Früher als Taucher über den Blautopf, jetzt auch trockenen Fußes durch den 2010 von der Stadt Blaubeuren gebohrten Zugang gelangen Forscher der Arge Blautopf ins Höhlensystem. Werner Gieswein erinnerte an Tauchfahrten mit 200 bis 300 Kilogramm schwerer Ausrüstung am Körper: "Wir waren behangen wie Christbäume." In lufterfüllten Bereichen hinter dem "Mörikedom" entdeckten die Forscher eine der größten Höhlenhallen, die "Apokalypse" und viele kleine Formen, von denen Gieswein und die Projektleiter Jochen Malmann und Andreas Kücha Aufnahmen präsentierten: Bizarre Tropfsteine, schneeweiße Wasserbecken, bis zu 17 Zentimeter große Kristalle und Schleimfäden, so genannte "Poolfingers", wie sie weltweit erst zum zweiten Mal nachgewiesen wurden.

Seit geraumer Zeit versuchen die Forscher, "Versturz 3" zu knacken, arbeiten auch mal mit einem Bohrhammer. Gesteinsbrocken versperren dort den Weiterweg in Richtung Westen. Auch unter Wasser zwängen sie sich in enge Spalten, wie sie in einem Film zeigten.

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