Diskussion der Landtagskandidaten ohne klare Kante

Vier Landtagskandidaten auf einem Podium: Am Ende der dreieinhalbstündigen Diskussion in Feldstetten war die Hälfte der Zuhörer geflüchtet. Das kommt eben davon, wenn Politiker konkrete Aussagen vermeiden.

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Diskussion mit Landtagskandidaten. Von links: Alex Kübek-Fill (SPD), Friedrich Bohnacker (Grüne), Moderator Bernhard Schweizer, Manuel Hagel (CDU) und Uli Walter (FDP). Peter Schmid aus Blaubeuren stellt eine Frage.  Foto: 

Rund 70 Zuhörer waren der Einladung der Freien Wähler des Alb-Donau-Kreises zur Podiumsdiskussion in Feldstetten gefolgt. Dreieinhalb Stunden standen die Kandidaten Friedrich Bohnacker (Grüne), Alex Kübek-Fill (SPD), Manuel Hagel (CDU) und Uli Walter (FDP) dem Moderator Bernhard Schweizer sowie dem Publikum Rede und Antwort.

Dem selbstformulierten Ziel, vier unmittelbar den Alb-Donau-Kreis betreffende Themen aufzugreifen, wurde Moderator Schweizer jedoch nur ansatzweise gerecht. Überwiegend blieb er bei allgemeinen kommunalpolitischen Belangen. Und auch die Kandidaten blieben vielfach schwammig, zitierten aus ihren Wahlprogrammen oder streiften Themen aus der Bundespolitik. Die Zuhörer stimmten mit den Füßen ab: Am Ende der Veranstaltung war gerade noch die Hälfte da.

Rhetorisch bewandert präsentierte sich der 27-jährige Manuel Hagel. Er wartete mit Zahlen und Fakten auf, seine Konkurrenten Bohnacker und Kübek-Fill hielten aber inhaltlich mit. Nur Uli Walter blieb oft im Ungefähren, analysierte bevorzugt die Fehler seiner Gegner, statt mit klaren Antworten aufzuwarten.

Etwa beim Thema "Schule": Walter machte sich für ein "differenziertes" System stark, das "individuelle Voraussetzungen erfüllt". Trotz mehrfacher Nachfragen des Moderators blieb er eine konkrete Antwort schuldig. Die übrigen Kandidaten positionierten sich klar hinter ihren jeweiligen Landesparteien: Bohnacker und Kübek-Fill sprachen sich für die Gemeinschaftsschule aus, Hagel und Walter dagegen. Klare Worte kamen von Kübek-Fill, der die Realschulen künftig als die Verlierer sieht. Hagel dagegen will die Realschulen mit gemeinsamem Unterricht in den ersten zwei Jahrgangsstufen stärken.

Die Kinderbetreuung sehen Walter wie auch Hagel am besten in den Familien aufgehoben und setzen auf Wahlfreiheit: zu Hause oder in der Kita. Sie befürworten ein Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder zuhause erziehen. Bohnacker und Kübek-Fill lehnen das strikt ab. Der SPD-Kandidat möchte die Betriebe mit flexibleren Arbeitszeitmodellen mit ins Boot holen: "Für eine Chancengleichheit sollten wir die Kitagebühren schrittweise abschaffen."

Nichts Neues und erst recht nichts Konkretes kam zu der Frage, ob sich die Kandidaten für alternative Modelle des selbstständigen Wohnens im Alter einsetzen könnten. Mehrgenerationenhaus war das Stichwort, das der SPD-Kandidat in die Diskussion einbrachte, Bohnacker sprach von alternativen Wohnformen und einer ambulanten Betreuung zu Hause durch Familienangehörige. Hagel machte deutlich, dass er die soziale Einbindung von Senioren insbesondere bei den Kommunen und den Bürgern angesiedelt sieht.

Wie die Kommunen in Punkto Flüchtlinge entlastet werden können, erklärte Kübek-Fill konkret: "Die Kommunen brauchen Sicherheit, daher muss gründlich registriert werden." Den sozialen Wohnungsbau durch finanzielle Anreize und den Abbau von Baustandards anzukurbeln, sei ein weiterer Faktor. Ein "regulierendes Einwanderungsgesetz" als "klares Konzept der FDP, wie es diese seit mehr als 20 Jahren fordere, war Walters Ansatz. Undeutlich blieben auch Hagel und Bohnacker. Es kamen Punkte zur Sprache wie Außengrenzen, die in die bundespolitische Zuständigkeit fallen.

"Ich bin mir nicht sicherer als vorher, wem ich meine Stimme geben soll", meinte eine Zuhörerin am Ende. Doch es sei ihr wichtig gewesen, die Kandidaten einmal persönlich zu erleben. Eine Meinung, die sie mit vielen Zuhörern teilte.

Infrastruktur und Ärztemangel

Projekte Welche im Wahlkreis anstehenden Projekte für die Kandidaten Priorität haben, wollten Zuhörer der Podiumsdiskussion wissen. Unisono setzten Uli Walter (FDP), Manuel Hagel (CDU) und Friedrich Bohnacker (Grüne) die Verkehrsinfrastruktur an die oberste Stelle. Walter will sich für die Kombination von Straße und Schiene und die Anbindung an die Oberzentren stark machen. Hagel will sich für diverse Ortsumfahrungen, etwa in Beimerstetten und Urspring einsetzen. Bohnacker setzt auf die "Mobilitätsgarantie" seiner Partei, derzufolge jedes Dorf an einen gut getakteten ÖPNV angebunden sein soll. Alex Kübek-Fill (SPD) hat dagegen den Kita-Ausbau im Fokus.

Medizinzentren Einem drohenden Ärztemangel auf dem Land wollen die Kandidaten von Grünen, SPD und CDU mit Gemeinschaftspraxen, Ärzteverbünden und medizinischen Zentren begegnen. FDP-Kandidat Walter will die Ursache im System bekämpfen: "Das Abrechnungssystem hat einen Komplettumbau nötig."

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