Die Rollen auf den Leib geschneidert

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Immer heiß her ging es im Wohnzimmer der Müllers während der Aufführungen des Stadtheaters Dietenheim.  Foto: 

Außer Spesen nichts gewesen“ lautet das ernüchternde Fazit des Dietenheimer Stadttheaters, das traditionell am Palmwochenende über die Bühne ging. Diese Bilanz galt freilich nur für die Handlung der dreiaktigen Komödie von Bernd Gombold, die rund 1000 Besucher der insgesamt fünf Aufführungen kamen nämlich voll auf ihre Kosten.

„Einfach genial“, resümierte Jürgen Schenk aus Dietenheim kurz und knapp, er habe schon lange nicht mehr so gelacht. Und auch Markus Baur zeigte sich nach gut drei unterhaltsamen Stunden begeistert: „Es ist immer wieder erstaunlich, wie es Spielleiter Peter Schmid schafft, den Laienschauspielern die einzelnen Rollen und Charaktere auf den Leib zu schneidern“, sagte Baur. Auch das ganze Drumherum passe wieder hervorragend.

Dass die gelungene Mischung beim heimischen Publikum gut ankomme, beweise die stets steigende Zuschauerzahl bei den zwei Seniorennachmittagen und drei öffentlichen Aufführungen in der Dietenheimer Stadthalle und dem Regglisweiler Bürgerhaus, stellte Bürgermeister Christopher Eh fest. Aber auch auswärts gäbe es mittlerweile wahre Stadttheater-Fans. Als Beispiel führte er seinen Schwendier Amtskollegen Günther Karremann an, der mit seiner Frau und Tochter bereits seit mehreren Jahren den Theatervorstellungen im Illerstädtchen beiwohnt. Neben der lockeren Atmosphäre „sind es vor allem die vielen Lacher, die das Stadttheater Jahr für Jahr so auszeichnen“, meinte Karremann.

Und so reihten sich wieder zahlreiche witzige Szenen nahtlos aneinander, so dass die Lachmuskeln kaum eine Verschnaufpause bekamen. Dazu kamen auch die Situationskomik sowie eine Prise Lokalkolorit nicht zu kurz. Dabei schien es zunächst so, dass die Müllers aus der Gartenstraße ein völlig normales Leben führen, wie es sich für eine „anständige“ Familie gehört. Aber eben nur auf den ersten Blick. Papa Gottfried (Jürgen Peter) wollte nämlich trotz verdrehtem Knie zu einer beruflichen Fortbildung und seine Frau Elisabeth (Carola Scherer) in eine dreiwöchige Kur. Opa Gustav (Hermann Huth) sollte derweil mit Kumpel Max (Günter Rapp) an einer Seniorenwallfahrt nach Rom teilnehmen, und Töchterchen Sabrina (Yana Arzt) brach zeitgleich mit ihrem neuem Freund Yogi (Fabian Graf) zu einer Rucksacktour durch Tibet auf. Doch irgendwas war komisch, denn Postbote Martin (Heiko Gröger) brachte während der Reisevorbereitungen ständig Express-Pakete von Online-Sexshops ins Haus, ahnte jedoch noch nicht, dass er bald im Mittelpunkt der Handlung stehen würde. Der Grund: Gottfried dachte gar nicht daran seine Fortbildung anzutreten und hatte sich stattdessen über das Internet Natascha (Nadine Maunz) aus dem zwielichtigen Gewerbe ins Haus bestellt. Die naive Nachbarin Henneliese (Angelika Guter) und Schwiegermutter Frieda (Conny Maunz) brachten seinen Plan jedoch genauso kräftig ins Wanken wie die Tatsache, dass Opa Gustav dieselbe Idee hatte wie er und Elisabeth sich anstatt in der Kur lieber via Heimtherapie heilen lassen wollte. Am Ende des turbulenten Theaterstücks, in dem keiner wie geplant verreiste, war jeder nur noch damit beschäftigt sich eine passende Ausrede für die wilden Geschichten und Geheimnisse einfallen zu lassen – lediglich Sabrina und Martin behielt den Durchblick und erteilten Gottfried und Elisabeth die gerechte Lektion.

Der verdiente Lohn für die Laienspielgruppe um Peter Schmid, der heuer erstmals nicht selber auf der Bühne stand: Ein dickes Lob von Bürgermeister Eh für das ehrenamtliche Engagement aller Teilnehmer und Helfer. Erfreut war er auch über die gelungenen Auftritte der Neuschauspieler Yana Arzt und Günter Rapp sowie über die Zuschauer, die durchweg Spaß hatten und oft auf offener Szene applaudierten.

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