Die Monroe für 65 000 Dollar

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James Francis Gill vor Marilyn Monroe, die für 65 000 Euro über den Ladentisch ging.  Foto: 

James Francis Gill? Nicht jeder hat diesen Namen sofort auf dem Schirm. Kein Wunder, dass viele den Namen des 82-Jährigen aus Texas erst einmal googeln müssen, um zu erfahren, wer sich hinter dem Künstler mit dem Cowboyhut aus den USA verbirgt. Dann wird einem aber sofort klar, welche Koryphäe der Galerie Frenzel in Heroldstatt seine Aufwartung macht. Gill ist einer der letzten noch lebenden amerikanischen Pop- Art-Künstler der ersten Stunde. Viele seiner Werke sind eine Mischung aus realistischen und abstrakten Motiven. Experten sagen, dass Gill in einer Linie mit Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Edward Hopper stehe.

Bereits 1962 erreichte Gill internationale Anerkennung, als das Museum of Modern Art in New York sein dreiteiliges Marilyn Monroe Bild „Marilyn Triptych“ in die Sammlung aufnahm. Was viele nicht wissen. Gill war in diesem Museum, das eine der weltweit bedeutendsten und einflussreichsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst zeigt, noch vor Andy Warhol vertreten. Sechs Jahre später beauftragte das Time-Magazin Gill mit der Gestaltung der Titelseite über die Rückkehr von Alexander Solschenizyn aus der Gefangenschaft.

Internationale Anerkennung

James Fracis Gills Kunstwerke wurden in die Sammlungen bedeutender Museen in der ganzen Welt aufgenommen. Durch persönliche Freundschaften und Bekanntschaften mit Tony Curtis, Kirk Douglas, John Wayne, Brigitte Bardot, Marlon Brando sowie Jim Morrison und Martin Luther King ist Gill als Künstler Zeitzeuge einer ganzen Generation geworden. Alle diese Schauspieler, der Musiker und der Bürgerrechtler sind, wie viele weitere Prominente, in seinen Werken vertreten. Das hören die rund 120 Gäste, die am Donnerstagabend bei der Vernissage in der Galerie Frenzel mit dabei sind.

Gills Verleger Ted Bauer zeigt zuerst einen zehnminütigen Film über den Künstler, bevor er ihn eine Viertelstunde lang interviewt. Dabei erfahren die Besucher, dass in erster Linie Fotos Grundlage seiner farbenfrohen und poppigen Kunstwerke sind. Die Bildkomposition legt er seit den später 1980er-Jahren am Computer fest und arbeitet dabei mit Montageeffekten, die Gill als „Metamage“ oder „Pop Surrealism“ bezeichnet. „Ich verarbeite Dinge, die ich sehe, höre und über die ich etwas lese“, erzählt der rüstige und sympathische Künstler, der abends „immer ganz schnell einschläft, um am nächsten Morgen mit einem neuen Bild beginnen zu können“.  Im Gegensatz zu seinen Werken, die in den 1960er-Jahren entstanden sind und die sehr stark politisch geprägt waren, konzentriert sich Gill heute darauf, „die schönen Dinge auf die Leinwand zu bringen“. Beispiele? „Formvollendete Frauenporträts, begehrenswerte Lippen, fröhliche und farbenfrohe Gemälde“, sagt der Künstler knitz.

Ist das der Grund, weshalb Marilyn Monroe, die er übrigens nie persönlich getroffen hat, bis heute eine so entscheidente Rolle bei seinen Werken spielt? „Ich liebe es, Marilyn in immer wieder neuen Variationen zu malen. Die Sammler, die meine Werke kaufen, lieben meine Marilyn-Arbeiten.“ Das stimmt. Das größte und teuerste Werk, das in der Galerie Frenzel hängt, ist das 101 x 135 Zentimeter große „Altered Icon“. Stolze 65 000 Euro zahlt ein Fan an diesem Abend, um dieses Bild der Sexgöttin mit nach Hause zu nehmen. Dagegen ist das Werk „German Voque“, 122 x 88 Zentimeter, für 48 000 Euro fast schon ein Schnäppchen, schmunzelt ein Besucher.

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