Die Bakterien-Pfleger von Erbach

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Appetitlich sieht anders aus, was Betriebsleiter Franz Parockinger da abzapft. Aber eine Kostprobe verlangt ja auch keiner, dafür gibt’s schließlich das Klärwerk-Labor.  Foto: 

Geht es den Bakterien gut, geht es auch Franz Parockinger gut. Die Sorge um ihr Wohlergehen in der biologischen Reinigung einer Kläranlage zählt zur Königsdisziplin, denn die unzähligen Bakterien und Mikroorganismen bilden das Herzstück der Anlage. Auch der Erbacher, die Parockinger leitet. Deshalb muss die Temperatur stimmen, es darf nicht zu viel und nicht zu wenig Schmutzwasser umgesetzt werden, auf der einen Seite muss Sauerstoff zugesetzt, im Mischbecken wieder entzogen werden.

Dutzende Daten sieht Parockinger auf seinem Bildschirm. Sind nach einem Regen alle Regensammler wieder geleert? Ist der ph-Wert beim Auslauf in den Erlenbach eingehalten? Läuft mit der neuen Hochlastfaulung alles wie geplant, sind Störungen gemeldet? Der Betriebsleiter des Erbacher Klärwerks setzt sich morgens erst einmal an den PC und prüft alle wichtigen Funktionen. Viele sind mit einer Alarmfunktion versehen, die auf dem Handy einen Alarm auslösen – auch nachts und am Wochenende. Das komme dann aber dank einer ausgefeilten Technik doch eher selten vor, sagt Parockinger.

Seine Kollegen und er begeben sich nach dem morgendlichen Funktionscheck auf einen Rundgang, nehmen dabei mechanische Bauteile in Augenschein. Außerdem fahren sie zu den 32 „Sonderbauwerken“ auf der Gemarkung – vom Regeneinlauf bis zum 2,5 Kilometer langen Stauraumkanal.

Die saloppe Bezeichnung „Klärwerker“ trifft den Beruf von Parockinger, seinen Kollegen Rainer Stückle und Markus Keller  nicht ganz. „Fachkraft für Abwassertechnik“ heißt er offiziell. Und wer einen Tag im Klärwerk verbringt, dem werden noch eine ganze Reihe weiterer Berufsfelder einfallen: Chemiker, Biologe, Umweltschützer, Mechaniker. 

Um Beispielsweise den Phosphat- und Nitratgehalt beim Schmutzwasser aus der Kommune und im Ablauf in den Erlenbach zu messen, steht dem Team ein Labor zur Verfügung: von der Pipette bis zum Photometer, das vollautomatisch Proben analysiert.

Und beim Blick auf das Wasser, das die Anlage verlässt, erwacht dann auch der Umweltschützer in Parockinger. „In aller Regel sauberer als das Wasser im Bach“, sagt der Betriebsleiter. Er drücke sich selbst darum, aber es gebe Kollegen, die zur Demonstration das Wasser trinken. „Und sie leben alle noch.“

Obwohl es den Dreien keinen Tag langweilig wird, ist das Erbacher Klärwerksteams mit Leib und Seele bei der Sache. Das zeigen schon die Berufsjahre, die die Mitarbeiter auf dem Buckel haben. Keller zählt elf Jahre, Parockinger kommt auf 19, Stückle auf satte 28.

Anstrengend war der Bau der Hochlastfaulung vergangenes Jahr, gewissermaßen eine Biogasanlage, die aus Schlamm Gas und letztlich Strom gewinnt. Parockinger wollte beim Einsetzen jeder Schraube dabei sein, um die 1,64 Millionen Euro teure Anlage auf dem Effeff zu kennen. Da übernahmen Keller und Stückle kurzerhand seine Arbeit.

Programm Wie die High-Tech-Anlage funktioniert und wie das Klärwerk all das, was oft unbedacht in die Kanäle gespült wird, wieder in sauberes Wasser verwandelt, ist am Samstag am Tag der offen Tür zu sehen. Der Tag beginnt gegen 14 Uhr, endet gegen 17 Uhr. Bis dahin haben Interessierte Zeit, sich die eigentliche Kläranlage und die Hochlastfaulung zur Energiegewinnung anzusehen.

Ausmaße Die Erbacher Kläranlage ist für maximal 25 000 Einwohnern ausgelegt. Derzeit sind es mit Erbach, allen Teilorten, Oberdischingen, Hüttisheim und dem Laupheimer Teilort Bihlafingen rund 18 000.

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