Dicke Luft im Inhofer-Prozess

Tag fünf im Prozess gegen das Management von Möbel-Inhofer: Zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung herrscht weiter dicke Luft. Zeugen verweigerten die Aussage, um sich nicht zu belasten.

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Sozialbetrug und Steuerhinterziehung. Das wirft die Staatsanwaltschaft der Geschäftsführung des Möbelhauses Inhofer vor. Die Atmosphäre im Prozess gegen die vier Manager des Sendener Familienunternehmens bleibt angespannt. Am Mittwoch, dem fünften Verhandlungstag am Landgericht Augsburg, erneuerte die Staatsanwaltschaft ihre Kritik an dem vor gut drei Wochen unternommenen Versuch des Gerichts, eine verfahrensverkürzende Absprache hinter verschlossenen Türen zu erreichen.

Die Kontrollfunktion der Öffentlichkeit müsse gewahrt, der Gesprächsverlauf ordnungsgemäß protokolliert werden, sagte der Staatsanwalt in seiner Stellungnahme. "Die Spekulationen in den Medien haben sich überschlagen." Die Inhofer-Verteidigung konterte. Sie warf dem Anklagevertreter Stimmungsmache vor.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale verteidigte den Versuch eines Deals. "Verfahrensrechtlich ist das statthaft", sagte der Richter. An dem Gespräch hätten sämtliche Prozessbeteiligten teilgenommen.

Angeklagt sind, wie berichtet, die vier Manager August Inhofer (79), dessen Bruder Karl (81), Neffe Edgar (50) sowie Schwiegersohn Dr. Peter Schorr (42). Sie sollen Mitarbeiter als freie Vertreter oder Subunternehmer beschäftigt haben, obwohl eine abhängige Beschäftigung vorlag. Auf diese Weise sollen zwischen 1999 und 2012 Sozialversicherungsbeiträge sowie Umsatz- und Lohnsteuer in Höhe von 3,3 Millionen Euro nicht gezahlt worden sein.

Das Gericht hat am Mittwoch die Beweisaufnahme fortgesetzt. Etliche frühere und aktuelle Inhofer-Mitarbeiter waren geladen, um vor der Wirtschaftskammer auszusagen. Einige Zeugen machten jedoch von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, weil die Staatsanwaltschaft gegen sie selbst wegen Beihilfe zum Sozialbetrug ermittelt. Andere sagten aus, fühlten sich aber sichtlich unwohl im Zeugenstand. Eine langjährige Mitarbeiterin etwa sagte: "Ich möchte meine Chefs auf keinen Fall belasten." Die Firma Inhofer habe ihr vor 13 Jahren in einer schwierigen Lebensphase einen Job gegeben. "Ich wollte arbeiten und Geld verdienen." Dass sie dies bei Inhofer offenbar lediglich als freie Verkäuferin ohne Festanstellung durfte, sei kein Hinderungsgrund gewesen. Bei einigen Fragen - etwa ob ihre Arbeitszeiten als freie Mitarbeiterin im Zeiterfassungssystems der Firma festgehalten wurden - verweigerte die Zeugin die Aussage. Sie begründete das so: "Wenn ich jetzt wahrheitsgemäß antworte, wäre das für den Sachverhalt nicht zuträglich. Dann wird es belastend."

Andere Zeugen wiederum gaben umfassend Auskunft und lobten den Arbeitgeber Inhofer. "Ich habe nichts zu verbergen", betonte ein ehemaliger Verkäufer. Er sei lediglich einige Monate für das Sendener Unternehmen tätig gewesen, seine Provision habe er mit Chef Edgar Inhofer persönlich vereinbart. Im Gegensatz zu den Angestellten habe er enorme Freiheiten genossen. "Ich bin gekommen und gegangen, wann ich wollte, musste nicht abstempeln." Die Zeit bei Inhofer habe er in guter Erinnerung.

Haft oder Bewährung?

Zeitraum Die Staatsanwaltschaft lehnt die von Richter Wolfgang Natale angeregte Eingrenzung des Tatzeitraums auf die Zeit nach dem 1. Januar 2007 ab.

Gespräch Die Ankläger möchten für Edgar Inhofer eine Haftstrafe erreichen. Das Gericht jedoch soll der Verteidigung Anfang August hinter verschlossenen Türen in Aussicht gestellt haben, dass für den Manager auch eine Bewährung plus hoher Geldstrafe in Betracht kommen könnte.

Fortsetzung Der Prozess wird am 14. September, 9 Uhr, fortgesetzt.

 

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