Dialogbeiträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Welche Stellung haben Frauen in der katholischen Kirche? Welche im Islam? Eine Katholikin und eine Muslimin kurbelten den interreligiösen Dialog an - wenngleich aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Jutta Schnitzler-Forster (von rechts) und Hülya Ünal im Gespräch mit Teilnehmerinnen des "interreligiösen Dialogs" in Blaustein. Foto: Amrei Groß

Gemeindereferentin Jutta Schnitzler-Forster ist seit 25 Jahren bei der katholischen Kirche angestellt. Im Gemeindesaal St. Josef in Blaustein traf sie sich mit der Pädagogin Hülya Ünal zum Erfahrungsaustausch. Vor etwa 50 Zuhörern sprach die eine darüber, welche Möglichkeiten die katholische Kirche Frauen lässt. Die andere über das Frauenbild im Islam. Wie wichtig ein solcher Austausch sei, betonte Ümit Tuncer, Gründungsmitglied des Ulmer Vereins Ebru (Erziehung, Bildung, Religion und Unterstützung von interkulturellem Dialog): "Christen und Muslime leben nebeneinander und kennen sich nicht." Vorurteile seien die Folge. Für Tuncer ist der "interreligiöse Dialog" ein Schlüssel zu Verständigung und Frieden zwischen den Kulturen. "Nur wenn wir aufeinander zugehen, uns kennenlernen und Gemeinsamkeiten entdecken, können Vorurteile effektiv abgebaut werden."

"Frauen haben in der katholischen Kirche keine Möglichkeit, hohe Ämter zu erlangen." Mit diesen klaren Worten eröffnete Jutta Schnitzler-Forster ihren Vortrag. An der Spitze dieser Weltkirche mit hierarchischer Ordnung stehe der Papst. Alles Wichtige werde in Rom geklärt - von Männern. Für das Priesteramt gebe es zwei Bedingungen: "Erstens: Ein katholischer Priester ist grundsätzlich männlich: Zweitens: Priester müssen im Zölibat leben." Damit blieben Frauen der Aufstieg in höhere Kirchenämter und eine Mitgestaltung der kirchlichen Organisation verwehrt.

Doch aus dem Gemeindeleben seien Frauen nicht wegzudenken. "Frauen tragen die Kirche vor Ort, sie machen sie im Ehrenamt lebendig", sagte Jutta Schnitzler-Forster. Sie leiteten Gruppen und Kreise, steuerten Ideen bei und wirkten im Pfarrgemeinderat mit. "Im Lebensraum Gemeinde haben Frauen eine hohe Akzeptanz", stellte die Gemeindereferentin fest.

Trotzdem, davon ist Jutta Schnitzler-Forster überzeugt, wünschten sich viele Frauen Signale des Aufbruchs aus Rom. Sie kämpften für die Zulassung zum Diakonat, wünschten Gleichberechtigung. Mit Recht: "In der Bibel finden wir zahlreiche Belege, dass Jesus Frauen und Männer gleichberechtigt sah." So habe Gottes Sohn Maria Magdalena mit der Verkündung der frohen Osterbotschaft beauftragt. "Die Zeit ist reif für eine Gleichberechtigung der Geschlechter, auch in der katholischen Kirche", sagte die Referentin. Noch hofften die Frauen vergebens.

Ganz anders klang die Darstellung von Hülya Ünal. Starre Strukturen wie jene der katholischen Kirche seien dem Islam fremd, Vermittler zwischen Gott und Mensch benötige er nicht. Entsprechend konzentrierte sich die Augsburger Pädagogin darauf, wie die Stellung der Frau als Tochter, als Mutter, als Ehefrau und als Mitglied der Gesellschaft laut Koran sein soll. "Der Stellenwert der Frau ist im Islam unumstritten", sagte sie. Das weibliche Geschlecht sei weder minderwertig noch dem Mann untergeordnet, seit 1400 Jahren erkenne der Koran Mann und Frau als gleichberechtigt an. Mehr noch: "Die Frau ist von Natur aus gut." In den Schriften des Propheten Mohammed werde dies verdeutlicht. "Derjenige, der eine Tochter erzieht und sie gutherzig behandelt, dem wird sie Schutz vor dem Höllenfeuer bieten." Nur wer eine Frau gut behandle, sei von vollkommenem Glauben, sagte Ünal. Entsprechend habe der Prophet einer Überlieferung zufolge auf die Frage eines Gläubigen geantwortet, wer am meisten zu ehren sei: dreimal mit "deine Mutter". Erst auf Rang vier habe er den Vater und die anderen Verwandten genannt. "Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter", folgerte Ünal. Nur wer ihnen mit Achtung und Respekt begegne, könne einziehen.

Die Frau genieße im Islam zahlreiche Rechte: Besitz und Einkünfte gehörten einzig und allein ihr, die Versorgung der Familie obliege dem Mann. Der Zugang zu Wissen und Bildung stehe beiden Geschlechtern offen, Mann und Frau könnten die Scheidung einer Ehe beantragen. Dass der Islam die Frau zur Bedeckung ihres Körpers aufrufe, sieht Hülya Ünal nicht als Bevormundung oder Einschränkung, sondern als Schutz: "Kopftuch und sittsame Kleidung sollen die Frau vor Belästigungen schützen."

Auf die Vorträge folgte ein reger Meinungsaustausch. Viele, die bis dahin zuhören mussten, suchten das Gespräch mit Angehörigen der jeweils anderen Religion. Für Ertan Altintas, den Ebru-Vorsitzenden, war der Abend ein voller Erfolg. Er will den Dialog der Religionen und Kulturen mit weiteren Veranstaltungen fortsetzen.

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Kommentare

12.03.2012 12:49 Uhr

Islam-Aktivistin: Kopftuch verhindert Freiheit

Die muslimische Aktivistin Emel Zeynelabidin hat sich vehement gegen das Kopftuch im Islam gewandt. Wenn eine Frau die Verhüllung als Voraussetzung für moralische Werte verstehe, „dann schwindet Freiheit unbemerkt dahin“, schreibt sie in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Sie frage sich, was Bekleidung mit Religion und dem Willen Gottes zu tun habe.

Der aus dem Koran abgeleitete „Verhüllungszwang“ sei an die islamische Frühzeit gebunden, in der sich Musliminnen von unverhüllten Sklavinnen abgrenzen mussten, um männlichen Belästigungen zu entgehen, sagte sie. Heute sei die Verhüllung jedoch „keineswegs die geeignete Antwort auf die respektlose Vermarktung des weiblichen Körpers in nichtmuslimischen Gesellschaften“.
FAZ: Muslime, emanzipiert euch! http://www.pro-medienmagazin.de/journalismus.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=5166

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12.03.2012 12:45 Uhr

Weiter mit den “Rechten der Frau” im real existierenden Islam:

Nach den Regeln der afghanischen Regierung ist es Frauen auch verboten, „ohne einen männlichen Verwandten zu reisen“ und sich „am Arbeitsplatz, beim Einkaufen oder bei der Ausbildung mit Männern zu umgeben.” Das Recht des Mannes „auf mehrere Ehefrauen, so wie im Koran beschrieben“ müssen Frauen hingegen „respektieren“.
Jetzt könnte man noch anführen, dass die Frau im Vergleich zum Mann halb so viel wert ist, nur halb so viel erbt, ihre Zeugenaussage vor Gericht nur halb so viel zählt und dass sie ihrem Mannn jederzeit sexuell zur Verfügung stehen muss. Außerdem dürfen Mädchen geheiratet und sexuell konsumiert werden, sobald sie ihre Menstruation haben:
“Denjenigen Eurer Frauen, welche wegen Ihres Alters an Ihrem Monatlichen verzweifeln, gebt, wenn ihr selbst daran zweifelt, drei Monate Zeit und diesselbe Zeit gewährt denen, welche ihr Monatliches noch nie hatten.” (Das Heilige Buch der Muslime, Sure 65, Vers 4)

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12.03.2012 12:40 Uhr

Karzai erlaubt Gewalt gegen Frauen!

Hamid Karzai veröffentlicht Skandal-Erklärung: Afghanistans Präsident erlaubt Gewalt gegen Frauen!
Ein Jahrzehnt ist es her, dass NATO-Truppen in Afghanistan landeten, um das Land und seine Frauen von der erbarmungslosen Herrschaft der Taliban zu befreien.
Und nun ist es der afghanische Präsident Hamid Karzai, Verbündeter des Westens, der Gewalt gegen Frauen offiziell genehmigt! In einer neuen, von Karzai veröffentlichten Richtlinie über die „Pflichten der Frau“ heißt es: „Der Mann ist ein fundamentales Wesen, die Frau ist ihm untergeordnet.“
Weiter heißt es in dem Dokument, das islamische Religionsgelehrte erstellten: Eine Frau dürfe nur dann „geärgert, belästigt oder geschlagen“ werden, wenn es dafür einen „Grund gibt, der auf islamischem Recht beruht.“ Ohne einen solchen Grund sei es allerdings „verboten“, Frauen zu schlagen.
http://www.bild.de/politik/ausland/hamid-karzai/erlaubt-gewalt-gegen-frauen-23097184.bild.html

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12.03.2012 12:34 Uhr

Bassam Tibi : Selig sind die Belogenen

Skepsis ist angebracht, wenn man bedenkt, dass im bisherigen Dialog von islamischer Seite nichts als Forderungen und Anklagen erhoben wurden. Die Muslime gefielen sich in der Rolle des Opfers. Den christlichen Vertretern wurde nicht nur die deutsche Vergangenheit vorgehalten, sie wurden auch für die Kreuzzüge und für den Kolonialismus mitverantwortlich gemacht. Zugleich verbaten es sich die Muslime, mit der Geschichte des Dschihad konfrontiert zu werden. Bei den islamischen Dschihad- Eroberungen ist jedoch viel Blut geflossen, und Muslime haben Nichtmuslimen ihren Glauben oftmals brutal aufgezwungen. Doch darüber zu reden gilt als tabu. Lieber reden auch die Christen von ihrer eigenen dunklen Vergangenheit. Ein solches Ritual einseitiger Schuldzuweisungen ist kein Beitrag zur Verständigung zwischen den Zivilisationen? Es kommt dabei nur ein verlogener Dialog heraus.

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12.03.2012 12:29 Uhr

Bassam Tibi - Selig sind die Belogenen

Von einigen deutschen Islamexperten wird behauptet, den Islam verbinde mit dem Christentum eine historische Ehe. Vor dem 11. September 2001 sei die Pflege dieser intimen Verbindung sträflich vernachlässigt worden. Als Heilmittel wird jetzt der "Dialog" angepriesen. Doch diese "Ehe"- Vorstellung ist nur dem Wunschdenken wohlmeinender deutscher Idealisten geschuldet. Und bevor man einen Dialog führt, muss man sich doch fragen: Verstehen beide Seiten darunter überhaupt dasselbe? Seit der Wandlung Europas vom "christlichen Abendland" zur säkularen westlichen Zivilisation bedeutet Dialog hier: diskursiver Austausch, nicht aber Missionierung Andersgläubiger. Eine vergleichbare Entwicklung hat im Islam jedoch niemals stattgefunden.

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12.03.2012 12:27 Uhr

Necla Kelek “Chaos der Kulturen”

Passend zum Thema ist heute das neue Buch von Necla Kelek “Chaos der Kulturen” erschienen. Wieder einmal pointiert, treffend und realistisch. Hier 10 Kernthesen des Werkes.
http://ethischer-realismus-workgroup.blog.de/2012/03/12/10-klarstellungen-nekla-kelek-rezension-nekla-kelek-chaos-kulturen-erscheint-heute-13162294/

Es ist leider so, daß unsere Gutmenschengemeinde den Fakten nicht ins Auge zu schauen sich traut.
Der sogenannte arbische Frühling hat zwar einige Pharaonen hinweggefegt, den Völkern dort aber die Scharia beschert und den Islamismus dazu

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12.03.2012 12:25 Uhr

Frauen und Schwule!

Warum wacht ihr nicht auf?
Warum versteht ihr nicht was da mit dem Islam in Europa auf euch und eure Nachfahren zukommt?
Das kann doch nicht so schwer zu begreifen und herzuleiten sein.
Dennoch wählt ihr weiter Grüne/SPD/FDP/CDU.
Ich verstehe nicht warum ich als heterosexueller Mann
(dem es unter dem Islam nicht so schlecht gehen würde) mich gegen die kommende Islamisierung wende und ihr tut das nicht.

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12.03.2012 11:36 Uhr

Sabatina James: Die zwei Gesichter des Islams

“Das harmlose Gesicht des Islams ist zu sehen, wenn Muslime in der Minderheit sind – das andere zeigt sich, wenn sie in der Mehrheit sind”.
So klar redet Sabatina James immer, wenn sie auftritt. In diesem Fall in der gestrigen Hörfunksendung von Bayern 2 “Eins zu Eins. Der Talk”.
Sabatina habe zum Christentum gefunden und fände es empörend, dass jedes Jahr 160.000 Christen in der islamischen Welt umgebracht und hundert Millionen verfolgt, unterdrückt und diskriminiert werden.
Sie schätze, dass in Deutschland jedes Jahr mindestens 30.000 muslimische Frauen zwangsverheiratet würden. 6000 Frauen begingen aus reiner Verzweiflung Selbstmord.
Aus all der Gewalt und der Unmoral, die ihr im Koran, der islamischen Geschichtsschreibung und dem täglichen muslimischen Alltag begegnet sei, habe sie den Ausweg zum Christentum gefunden.
Sabatina James in Höchstform
http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-eins-zu-eins-der-talk.shtml

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12.03.2012 11:33 Uhr

Dialog oder Dialüg ?

Aus dem Koran :
Sure 4 Vers 34:
“Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist Erhaben und Groß."
Sure 9 Vers 5:
“Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig”

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12.03.2012 10:57 Uhr

Komische Sache - mit der islamischen Gleichberechtigung - ^^

Im Artikel zu lesen:

(..) Das weibliche Geschlecht sei weder minderwertig noch dem Mann untergeordnet, seit 1400 Jahren erkenne der Koran Mann und Frau als gleichberechtigt an. (..)

Bisher nicht durch die Medien gedrungen ist ein sog. 'Ehrenmord' (wie 'Ehre' und 'Mord' zusammenpassen sollte auch mal erläutert werden) einen 'gleichberechtigten' Mann betroffen hätte.
Dahingemeuchelt wurden ausschliesslich 'gleichberechtigte' Frauen.

Weitere 'Gleichberechtigungs-Situationen' kann jeder selbst beobachten, wenn man z.B. in einer Stadt wie Ulm unterwegs ist.

Lustiger Artikel - und das schon zum Wochenanfang!

Löblich ist aber auf jeden Fall, das versucht wird miteinander Dialoge zu führen. Bedauerlicherweise ist aber ein grösserer Teil 'Dialog-Unlustig' und bringt den sicherlich mehrheitlich vernünftigen Teil damit ordentlich in Verruf.

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12.03.2012 10:09 Uhr

Was für ein Quatsch

Es kann keine verschiedenen Blickwinkel geben, denn der Koran (unveränderlich!) ist ziemlich genau in seinen Anweisungen.
Selbst Erdogan hat auf die Frage nach einem "moderaten Islam" gesagt: "Es ist nicht akzeptabel für uns, einer solchen Definition zuzustimmen. Die Türkei war niemals ein Land, das ein solches Konzept repräsentiert hätte. Darüber hinaus kann Islam nicht als moderat oder nicht moderat eingestuft werden"

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