Der politische Moravetz-Effekt

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Wo ist Behle?“  Er rief es bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid (USA) unentwegt.  Die Übertragung des 15-Kilometer-Skilanglaufs  am 17. Februar  1980 hat Bruno Moravetz als Sport-Moderator unsterblich und den deutschen Ski-Langläufer Jochen Behle, der nach einer Spitzen-Zwischenzeit lange in den Wäldern des Adirondack-Gebirges verschwunden war, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Wäre Behle für Moravetz stets sichtbar gewesen, würden den Namen heute weit weniger Menschen kennen und Marius Müller-Westernhagen hätte sicher keinen Song mit dem Titel „Wo ist Behle?“ eingespielt. Perfektes Timing. Jochen Behle war zum richtigen Zeitpunkt nicht am richtigen Ort, betrieb wirkungsvollstes Marketing durch Abwesenheit.

Ein Geniestreich, der inzwischen offenbar auch Nachahmer in der Politik gefunden hat. Profis durch und durch, die sich den Moravetz-Effekt zu Nutze machen. Da es noch etwas hin ist bis zur kommenden Bundestagswahl im Herbst 2017 wird Hilde Mattheis sicher entschuldigen: die Rede ist von ihr, der Ulmer SPD-Abgeordneten. „Frau Mattheis habe ich noch nicht gesehen.“ Etwas länger als das Original von 1980 begegnet dieser Satz regelmäßig all jenen  Menschen, die am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen.

Ob Landrat, Bürgermeister oder Vereinsvorsitzender – viele im Alb-Donau-Kreis haben diesen Satz zum Abschluss ihrer Promi-Begrüßung schon gesprochen. Ein guter Schluss ziert marketingmäßig einfach alles. Auch wenn sich die politischen Mitbewerber darüber sattsam ärgern. Es ist halt wie bei Hase und Igel: Immer wenn sie zur Begrüßung kommen, ist Hilde Mattheis schon nicht da.  Und was kann eigentlich Hilde Mattheis dafür, dass das mit dem Moravetz-Effekt so wunderbar funktioniert?

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