Das Deutsche Rote Kreuz in Blaubeuren feiert sein 100-jähriges Bestehen

Seit 100 Jahren gibt es Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes in Blaubeuren. Am Freitag feiert der Ortsverein das Jubiläum mit einem Festakt. Im Zentrum steht für den Verein die Erste Hilfe in Notfällen.

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Vorsitzende Christel Seppelfeld und Hans Kupke zeigen Erinnerungsstücke aus der Geschichte des Ortsverbands Blaubeuren.

Eine Frau stürzt die Treppe hinunter, holt sich eine Platzwunde, ist orientierungslos: Glücklicherweise ist Stefan Wekwart kurze Zeit später vor Ort. Der stellvertretende Bereitschaftsleiter beim DRK Blaubeuren kümmert sich um 4 Uhr in der Früh als "Helfer vor Ort" um die Frau, bis der Rettungswagen da ist. Er weiß, dass es in Notfällen um Minuten geht, um Menschen zu helfen - beispielsweise durch eine schnelle Wundversorgung, Wiederbelebung oder Sauerstoffgabe. "Keiner steht gerne so früh auf. Vor allem, wenn er später zum Arbeiten muss", sagt Wekwert. "Aber das ist Überzeugungssache. Wenn jeder ein bisschen freundlicher auf der Welt wäre, dann wäre die Welt auch etwas schöner."

Rund 15 Ehrenamtliche aus der Bereitschaft des DRK Blaubeuren waren im vergangenen Jahr bei 16 Notfalleinsätzen "Helfer vor Ort". Außerdem leisteten die Freiwilligen Sanitätsdienste - so etwa kürzlich beim Sonderbucher Flugplatzfest. Weitere 20 aktive Mitglieder und rund 1000 Fördermitglieder halten das DRK Blaubeuren fit, beispielsweise durch ihre Hilfe bei Blutspende-Aktionen und durch Spenden. "Ein neuer Defibrilator, neue Ausstattung für Helfer - das kostet alles Wahnsinns-Geld", sagt Ortsvereinsvorsitzende Christel Seppelfeld.

Das DRK Blaubeuren sorgt bereits seit 100 Jahren in Notfällen für eine schnelle, versierte Hilfe. Der 83-jährige Hans Kupke aus Blaubeuren hat mehr als 63 Jahre lang mitgeholfen. Er ist heute noch aktiv, wenn vor seinem Haus etwas passiert: Meist sind es Radfahrer auf dem Radweg zwischen Weiler und Ulm, deren Schürfwunden er versorgt. Erst vor ein paar Monaten hatte er schönes Erlebnis mit einem amerikanischen Paar, erzählt Kupke schmunzelnd: "Ich hab sie nicht verstanden, und die beiden haben mich nicht verstanden. Aber meine Rotkreuz-Tasche hat ihnen Vertrauen eingeflößt, und ich konnte die Wunde der Frau verbinden."

Als sich Hans Kupke als Heimatvertriebener in Blaubeuren niederließ, schloss er sich schnell dem Ortsverein an, der sich nach dem Krieg wieder im Aufbau befand. "Das Schönste war, dass man immer mit Menschen in Kontakt war", bilanziert der Sanitäter. Die Kameradschaft unter den Helfern sei hervorragend gewesen. Kupke fuhr mit im Wagen des Rettungsdienstes, half bei den Blutspende-Aktionen oder leistete Sanitätsdienst bei Festen und großen Veranstaltungen. Einiges zu tun gab es beispielsweise immer bei der traditionellen Marienwallfahrt nach Blaubeuren, erzählt Kupke. Der Wallfahrtsgottesdienst wurde früher auf dem Sportplatz in der Sonne abgehalten, und weil die Leute meist schon sehr früh, ohne Frühstück und barfuß nach Blaubeuren gestartet waren, fielen einige Wallfahrer aufgrund der Anstrengung um: "Wir waren meist mit fünf oder sechs Leuten dort, um die Leute zu versorgen."

Kupke hat einiges über die frühere Geschichte des Vereins herausgefunden: Zur Gründungsversammlung der Sanitätskolonne vor 100 Jahren kamen rund 70 Männer, die meisten aus der Männerriege des damaligen Turnvereins. Verbandsmaterial sowie Armbinden wurden aus Stoffresten der Blaubeurer Leinenindustrie und der Bleiche selbst gefertigt. Bemerkenswert findet Kupke auch, dass die Zahl der Vereinsmitglieder in der Zeit des Nationalsozialismus stark anstieg. Teilweise auch deshalb, weil man so einen Eintritt in die Nazi-Partei NSDAP umgehen konnte. Wichtigste Aufgaben nach dem Krieg waren die Betreuung von heimkehrenden Soldaten, Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. Außerdem arbeiteten die Helfer im Suchdienst und bei der Verteilung von Spenden.

Die Jubiläumsveranstaltung des DRK Blaubeuren für geladene Gäste findet am Freitag ab 18 Uhr in der Stadthalle statt.

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