Country ohne Hut und Pferd

Weite Prärie, rauchende Colts und Pferde als treue Begleiter der Cowboys: An Mythen mangelt es nicht, sobald es um den Wilden Westen geht. Doch das ist nicht die Welt der Vöhringer Illertal-Cowboys.

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Herbert Schildhammer (hinten) und die Illertal-Cowboys locken immer wieder amerikanische Bands ins alte Sportheim nach Illerberg.  Foto: 

"Wir bedienen keine Klischees. Es ist nicht so, dass jeder bei uns mit Cowboystiefeln und Hut rumläuft." Für Herbert Schildhammer, den Vorsitzenden des Vereins, ist die Sache ganz einfach: "Uns gefällt halt die Country-Musik." Und die hat eine treue Anhängerschaft. Inzwischen haben sich die Country-Freunde als Organisatoren von Wohnzimmerkonzerte mit namhaften Musikern aus der Szene einen Namen gemacht.

"Geh, Bernd, leg noch a moi a Holz noch." Der 62-jährige Schildhammer sitzt vor dem großen Kachelofen an einem der Biertische im Vereins-Clubraum, dem Saloon der Illertal-Cowboys. Der große Mann mit Vollbart und Pferdeschwanz nimmt eine Prise Schnupftabak. Noch ist es etwas kühl im alten Illerberger Sportheim. Flaggen der USA und Montanas haben die Country-Liebhaber aufgehängt. Auch ein Büffel-Geweih als Vereinswappen ragt von der Wand. Doch das ist dann auch genug der Folklore: "Mit den Cowboys ist das sowieso ein Blödsinn." Schildhammer sagt es mit einem Augenzwinkern. "Wir haben halt einen Namen gebraucht. Obwohl wir keine Pferde haben, ist der Name dann geblieben." Heute steht er für rund 40 Männer und Frauen, die bodenständigen Berufen wie Handwerker, Lehrer oder Rechtsanwalt nachgehen. Sie treffen sich freitags im Clubheim: "Da wird a bissl g'ratscht und bissl 'tanzt", sagt Schildhammer. Es gibt eher Leberkäs und Wiener. Den Illertal-Cowboys geht es eben nicht um unerreichbare Prärie-Luft oder einen feuerroten Horizont im fernen Amerika. "Die gute Musik bekommen wir auch hierher", meint der gebürtige Passauer locker.

14 Stammtisch-Genossen hatten in Emershofen 1992 den Verein aus der Taufe gehoben. Bis dahin schon hatten sie immer wieder Country-Bands zu ihren Runden eingeladen und Gefallen daran gefunden. Ein Jahr später veranstalteten sie das erste große Konzert in einem Bierzelt. Es folgten weitere Großkonzerte, die aber irgendwann zu teuer wurden. So kamen vor 15 Jahren die Wohnzimmer-Konzerte zustande, die seither rund 15 Mal im Jahr im Clubheim stattfinden. Zu verdanken ist dies den Kontakten Schildhammers. Dabei war er der Szene nicht immer so verbunden wie heute. Zwar kannte er die Country-Musik aus dem Radio der Mutter. Lieber ging er als junger Mann aber auf Konzerte der Elektropop-Band Kraftwerk. Erst als er wieder auf Neil Young stieß, habe er die "Kurve gekriegt". Und wenn er heute Szene-Größen jenseits des Atlantiks für Konzerte gewinnt, erwartet sie etwas Besonderes: Ohne Bühne spielen die Musiker mit direktem Kontakt zum Publikum. Die Amerikaner probierten dort deshalb auch gerne neue Stücke erstmals aus. So wie dieser Tage die Bluegrass-Band um den Singer-Songwriter John Lowell, die ihren Tournee-Auftakt im Illertal hatte. "Außerdem ist es immer toll, in einem so kleinen Raum vor einem so interessierten Publikum zu spielen", findet Thomas Kärner, der Deutsche in der Country-Band. An dem Abend lauschen über 40 Zuhörer dicht an dicht bei der wohligen Wärme des Kachelofens den virtuosen Saiten-Klängen. Im Schein der bunten Party-Lichter wippen einige Köpfe und Füße zu den rhythmischen Klängen. Und vielleicht kam bei dem einen oder der anderen auch fernab der Prärie etwas Lagerfeuerstimmung auf.

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