Cordula Plappert tritt die Schulleiter-Nachfolge am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Laichingen an

Wechsel am Albert-Schweitzer-Gymnasium: Nach 23 Jahren geht Hermann Persch. Am Montag wurde seine Nachfolgerin als Rektorin ins Amt eingeführt.  

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Abgang ohne Krawatte: Hermann Persch geht, und Cordula Plappert tritt die Nachfolge an.  Foto: 

Seine letzte Amtshandlung verriet mehr über Hermann Persch als all die Reden, die dem scheidenden Schulleiter zu Ehren gehalten wurden. Als Persch selbst seine Abschiedsworte gesprochen hatte, griff er sich an den Kragen und löste den Krawattenknoten. „Die Krawatte werde ich nun endgültig im Schrank verschließen“, sagte er – als beginne damit sein neues Leben in Freiheit, ohne repräsentative Verpflichtungen. Markige Worte, spießige Krawatten, im Mittelpunkt stehen – das war nie seine Welt. Persch pflegte ein anderes, kollegiales Verhältnis zu Kollegen, Schülern und Eltern. Primus inter Pares statt harter Führung.

Bei der Verabschiedung gab es dafür viele lobende Worte. Der Vorsitzende des Elternbeirats Simon Wiedemer erklärte, er habe sich nach den  Gesprächen mit Persch oft wie dessen „Pressesprecher“ gefühlt, so einig sei man sich gewesen. Die Schüler schmeichelten ihrem Rektor mit der Liedzeile „Hermann, du bist eine Sensation“ und Bürgermeister Klaus Kaufmann lobte: „Sie haben Spuren hinterlassen und können eine hervorragend aufgestellte Schule übergeben.“

Mit der offiziellen Verabschiedung in der Daniel-Schwenkmezger-Halle am Montagabend ist eine Schulleiter-Ära zu Ende gegangen. Nach 23 Jahren als Rektor am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) in Laichingen hat Persch die Schule geprägt wie kaum jemand vor ihm. Anfang der 80er Jahre kam er als junger Studienassessor nach Laichingen, unterrichtete Mathematik und Geschichte und wurde später Studiendirektor für Geschichte, Gemeinschaftskunde und Erkunde. Anfangs habe er das „verwaltungslastige Schulleiterleben“ gar nicht auf dem Schirm gehabt.

Persch hat während seiner Amtszeit zahlreiche Weichen gestellt. Neben mehreren großen Bau- und Sanierungsprojekten war vor allem die Umstellung auf das G9 wegweisend. An einem Wochenende habe er die Konzeption für die Modellschule entworfen. Seit dem Schuljahr 2012/13 können Eltern und Schüler zwischen G8 und G9 wählen, doch die Resonanz war seither eindeutig. „Statt friedlicher Koexistenz beider Wege haben Sie die Monokultur G9 erfolgreich gemacht“, sagte Wiedemer vom Elternbeirat.

Dass der Oberstudiendirektor mehr als zwei Jahrzehnte durchgehalten habe, verdanke er auch seinen Kollegen, Schülern und Eltern, die ihm „Vertrauen und Geduld“ entgegen gebracht hätten. „Sie werden wir mir fehlen“, sagte Persch. Doch jetzt könne er „beruhigt in den Ruhestand gehen“. Zukünftig will er sich stärker seiner Familie, seiner Enkeltochter und bald dem zweiten Enkel widmen, und natürlich dem Tennissport.

Am ASG weht ab nächstem Schuljahr ein frischer Wind durch die Flure. Die neue Schulleiterin Cordula Plappert ist indes keine Unbekannte. Die 55-Jährige unterrichtet seit knapp zwei Jahren Latein und Deutsch in Laichingen und war bislang eine von drei Abteilungsleiterinnen. Plappert stammt aus dem Raum Hannover und wuchs in Stuttgart auf. Lange Zeit war sie Lehrerin am Ulmer Schubart- und am Kepler-Gymnasium. Ihren Schritt, nach Laichingen zu kommen, habe sie keinen Tag lang bereut. Doch sie wisse, dass sie nun in „große Fußstapfen“ trete.

In den vergangenen Tagen habe sie sich „im Azubi-Status wiedergefunden.“ Persch habe ihr alles erklärt, aber sie werde notfalls in Zukunft den „Telefonjoker ziehen“ und auf die Expertise ihres Vorgängers zurückgreifen. Ohnehin wolle sie die erfolgreiche Arbeit ihres Vorgängers fortführen und „all das Gute bewahren“, wie Schullandheime, Austausche, und die gute Kommunikation nach außen und innen. Plappert stellte in ihrer Begrüßungsrede aber auch dar, dass sie zahlreiche Herausforderungen sehe: die „rasant fortschreitende Digitalisierung“, die Integration von ausländischen Schülern oder die zunehmende politische Radikalisierung.

Ihr Ziel sei es, die Schüler zu mündigen Bürgern auszubilden und fit für ein Studium zu machen. Sie lege Wert darauf, offenes Feedback von Kollegen einzuholen und auf das persönliche Gespräch mit Schülern. „Keine Schülerin und kein Schüler sollte das Gefühl haben, dass er oder sie uns egal ist.“ Plappert will in die Fußstapfen ihres Vorgängers treten und zeigt doch, in welchen Punkten sie sich von ihm unterscheidet: Sie wirkt temperamentvoller, impulsiver, ist auch mal etwas lauter und erzählt mit  herzhaftem Schmunzeln, wie sie die Sekretärinnen sie gewarnt hätten, dass die Türen des Rektorats nicht schallisoliert seien.

Zum Abschluss zitierte sie den Namensgeber der Schule, Albert Schweitzer: „Wer zum Glück der Welt beitragen möchte, der sorge zunächst einmal für eine glückliche Atmosphäre in seinem eigenen Haus.“ Dann fügte sie hinzu: „Lassen Sie uns also beginnen!“

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