Christsein in Politik: "Suchet der Stadt Bestes"

Staatssekretär Ingo Rust hält es mit dem Propheten Jeremia, der seinem Volk Israel zurief: "Suchet der Stadt Bestes!" Er war zu Gast in Balzheim.

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Für den Staatssekretär im baden-württembergischen Finanzministerium, Ingo Rust, ist politisches Denken und Handeln von Christen selbstverständlich. Sein Credo erläuterte der SPD-Politiker am vergangenen Samstagmorgen beim Balzheimer Frauenfrühstück. Helga Kuhnt, Barbara Neuhauser und Claudia Gai, die Organisatorinnen des ökumenischen Frauenfrühstücks, mussten zusätzlich Plätze in der Palm"schen Stube schaffen, so groß war das Interesse an Ingo Rusts Vortrag "Als Christ in der Politik - Anfechtung und Hoffnung". Auch zahlreiche Männer, darunter einige Mitglieder des SPD-Ortsvereins Dietenheim-Balzheim, waren gekommen.

Ingo Rust, 1978 in Abstadt bei Heilbronn geboren und dort wohnhaft, schilderte zunächst seinen Werdegang in Glauben und Politik: Jugendkreisleiter, Maschinenbaustudium, mit 21 Jahren Gemeinderat, mit 25 Landtagsabgeordneter, mit 27 Vorsitzender des Finanzausschusses und seit letztem Jahr Staatssekretär, dazu Vorsitzender des Kirchengemeinderats und der Bezirkssynode - das rief Erstaunen unter der meist wesentlich älteren Zuhörerschaft hervor.

Er sei mit seinem Vortrag sehr viel in Baden-Württemberg unterwegs, auch schon auf der Kirchenkanzel gewesen, doch zum ersten Mal bei einem Frauenfrühstück, erzählte der Finanzstaatsekretär und engagierte Christ bei seinem Besuch in Balzheim.

Nach einem kurzen historischen Rückblick beschrieb der 33-Jährige das heutige Verhältnis als "gesellschaftliche Partnerschaft" und zeigte dies an verschiedenen Beispielen. Ausdrücklich erinnerte er an den Gottesbezug in der Landesverfassung.

Jeremias Worte "Suchet der Stadt Bestes" seien, so der SPD-Politiker, eine klare Aufforderung zu politischem Engagement und stünden im Gegensatz zu der politischen Abstinenz mancher überzeugter Christen: "Lass die Welt toben, wir wollen Gott loben!" Wer als Christ ein politisches Mandat übernehmen wolle, solle prüfen, ob es Gottes Plan für sein Leben sei. Er sei davon überzeugt, dass zu "jeder Aufgabe auch Gottes Gabe folgt".

Der Staatssekretär verhehlte nicht, dass es zu Gewissenskonflikten kommen kann, zum Beispiel bei Themen und Entscheidungen wie der Stammzellenforschung und des Ladenschlussgesetzes. Als Christ in der Politik sei man ein "doppelter Exot" - für die überzeugten Christen zum einen, für die Berufspolitiker zum anderen. Allemal sei es eine "Gratwanderung", man dürfe seine christliche Überzeugung weder zu offensiv noch zu defensiv vertreten. Gerade er als Sozialdemokrat stehe "unter verschärfter Beobachtung", verriet Rust augenzwinkernd.

Das Positive jedoch überwiege: Er sehe sein Wirken als Dienst in Gottes Plan und habe viel Zuspruch erhalten. Die angeregte Diskussion hatte ihren Schwerpunkt in der Familienpolitik: Wird genug für junge Familien mit Kindern getan?

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