Chorgesang zum Jazztanz

Der Chorverband Ulm will alte Pfade verlassen, um die Jugend stärker einzubinden. Etwa durch die Zusammenarbeit mit Musik- und Sportvereinen.

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"Singen befreit die Seele, entspannt, baut Stress ab, stärkt die Abwehrkräfte, trainiert die unterschiedlichsten Herzfrequenzen, fördert die Konzentration, macht schön und lässt länger leben." Bei einem bundesweiten Schulungstag hat Winfried Spaeth erfahren, dass diese Erkenntnisse wissenschaftlich belegt sind, sagte der Verbandschormeister bei der Jahreshauptversammlung des Chorverbands Ulm in Schnürpflingen. "Wir wissen das schon immer, aber nun ist es erwiesen", meinte der Chormeister schmunzelnd.

So gut wie den Sängern und Sängerinnen geht es ihren Vereinen derzeit nicht. Das war den Berichten des Vorstands zu entnehmen. Der Nachwuchs rennt den Chören nicht gerade die Türen ein, fünf von 91 Vereinen im Verband mussten gar vergangenes Jahr die Segel streichen: Die Chorvereinigung Teutonia Ulm (gegründet 1860), Sängerabteilung TSV Langenau (1862), Lonequell Urspring (1879), Sängerbund Erbach (1927) und Mariko Voices Blaustein (2007).

Dem Verbandsvorsitzenden Wolfgang Zeitler ist trotzdem nicht bange um die Zukunft von Singgemeinschaften: "Die Jugend will singen. Sie will aber auch neues ausprobieren." Ein Beispiel um "alte Pfade zu verlassen und die Jugend einzubinden" seien Kooperationen mit Kindergärten, etwa der Auftritt eines Kinderchors beim traditionellen Jahreskonzert. Auch könne die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen gesucht werden. "Warum nicht einen Jazztanz des Sportvereins mit einem fetzigen Auftritt eines Chors begleiten? Musik muss nicht immer aus der Konserve kommen. Die einen Jugendlichen tanzen, die anderen singen", sagte Zeitler. Er forderte, "Netzwerke" vor Ort zu nutzen, starre Strukturen aufzubrechen und sich der Zukunft mit mutigen Ideen zu stellen. "Musik über den Tellerrand hinaus machen", ergänzte Spaeth und schlug Kooperationen mit anderen musizierenden Vereinen wie Blasmusik- und Akkordeonorchestern vor. Die Jugendvorsitzende Heike Köhler stieß ins selbe Horn und forderte eine engagiertere Unterstützung für Veranstaltungen wie den "Tag der jungen Stimmen".

Der Chorverband mit 3508 Aktiven (einschließlich der Passiven 9411 Mitglieder) sucht nun neue Wege. So wurden die Chöre gebeten, die Ehrungsrunden in den Mitgliederversammlungen abzuhalten, um Konzerte nicht zu unterbrechen. Neu ist auch die Ausbildung von jungen Stellvertretern der Chorleiter. Zeitler ermutigte, den Nachwuchs selbständig Konzerte oder Konzertteile vorbereiten zu lassen. Abgeschlossen haben diese Ausbildung Peter Beck (Regglisweiler), Lisa Buck, Maike Buck, Lisa Frei, Margit Traub (alle Altheim/Alb), Dagmar Erz (Herrlingen), Kai Kriegl (Wain), Rainer Ungermannn (Polizeichor Soko Vocale Ulm) und Cathrin Unseld (Asselfingen). Ein Angebot des Liederkranzes Ballendorf an den Nachwuchs gab es noch während der Versammlung: Der gemischte Chor sucht einen Leiter.

2013 soll der schwäbische Chorverbandstag in Langenau stattfinden. Für die Bundesversammlung 2014 in Heilbronn will Ulm sich mit einem Projektchor bewerben, den der in Schnürpflingen lebende Profimusiker Tobias Wahren leiten soll.

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