Bürgermeisterin im Stress

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Sophie Fischer hat es geschafft. Die Zehnjährige hat sich im ersten Wahlgang gegen zwei Mitbewerberinnen durchgesetzt und steht nun für eine Woche als Bürgermeisterin an der Spitze von „Nau-City“. Die fiktive Stadt ist seit 2012 Teil des Angebots des Langenauer Jugendzentrums zum Sommerferienprogramm.

Sie soll Grundschülern zeigen, wie eine Stadt funktioniert – von Verwaltungsabläufen wie dem Ausstellen von Ausweisen über die Einrichtung einer Postfiliale und eines Polizeireviers bis hin zur Gründung von Vereinen. Auch die Wahl eines Bürgermeisters gehört für Sozialarbeiter Helmut Maßler dazu: „So, wie sie in der Realität auch abläuft.“

Das heißt: Wahlkampf inklusive. Mit selbstgebastelten Wahlplakaten warben die Kandidaten zu Wochenbeginn für sich; die Abstimmung erfolgte geheim in einer eigens dafür aufgestellten Wahlkabine und gegen Vorlage des „Nau-City“-Ausweises. Dass Sophie sich im Kampf um das Amt schließlich durchsetzen konnte, wundert Maßler nicht: „Sie hat ihren Wählern täglich Eis versprochen.“ Andere Kandidaten dagegen hätten angekündigt, Steuern erheben zu wollen, damit „Nau-City“ mehr Geld einnehme. „Das kam gar nicht gut an.“

Wirklich glücklich mit ihrem Bürgermeisterdasein ist Sophie aber allerdings nicht. „Es ist total anstrengend“, klagt sie. Alle wollten nun das versprochene Eis und ständig müsse sie neue Ausreden finden, warum dies heute wieder nicht klappte. Meist ist Maßler dann der Schuldige. Er trägt des mit Humor: „Da merken die Kinder gleich, wie das mit Wahlversprechen ist.“

Zwei Mal fünf Tage und von 7 bis 17 Uhr läuft das Angebot des Jugendzentrums. Nach einem gemeinsamen Frühstück erwacht „Nau-City“ gegen neun Uhr zum Leben. Dann wird in unterschiedlichsten Gruppen gebastelt, gewerkt, gespielt und getanzt. Manche Angebote sind kostenpflichtig – die Kinder bezahlen dafür in der stadteigenen fiktiven Währung „Nawe“. „Zu Wochenbeginn hat jeder Teilnehmer von uns 20 Nawe bekommen“, sagt Maßler. Sie können zum Beispiel in Kekse, alkoholfreie Cocktails oder Kinobesuche investiert werden.

Obolus für die Postboten

Wer mehr Geld braucht, muss selbst Waren oder Dienstleistungen anbieten: Die einen backen und verkaufen zusammen mit den ehrenamtlichen Betreuern Kekse, die anderen sind gegen einen kleinen Obolus als Postboten rund um das Jugendzentrum unterwegs, um Pakete und Briefe an die „Nau-City“-Bewohner zuzustellen. Turniere und Wettbewerbe verschiedenster Art ergänzen das Programm, auch ein gemeinsamer Ausflug findet statt.

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