Brunnenbau mit Blausteiner Hilfe

Pfarrer Joseph Otoo hat in Ghana nicht nur die Rolle des Seelsorgers. Er kümmert sich auch um Schulausbildung und den Bau von Brunnen. Beeindruckt davon, kehrten 13 Blausteiner von einer Reise zurück.

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  • Die Gruppe aus Blaustein (links Bürgermeister Thomas Kayser) fuhr in mehrere kleine Dörfer, um die von Joseph Otoo angestoßenen Projekte zum Bau von Trinkwasserbrunnen zu besichtigen. Der Pfarrer führt eine der mit Muskelkraft betriebenen Pumpen vor (rechts). Fotos: Privat 1/2
    Die Gruppe aus Blaustein (links Bürgermeister Thomas Kayser) fuhr in mehrere kleine Dörfer, um die von Joseph Otoo angestoßenen Projekte zum Bau von Trinkwasserbrunnen zu besichtigen. Der Pfarrer führt eine der mit Muskelkraft betriebenen Pumpen vor (rechts). Fotos: Privat
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Der katholische Pfarrer Joseph Otoo aus Ghana ist in Blaustein sehr bekannt. Bürger finanzierten einst sein Theologiestudium mit, seit dem Jahr 2000 weilt er im Dreijahres-Rhythmus jeweils zwei bis drei Monate lang während des Sommers in Blaustein. Nicht nur um Urlaub zu machen, sondern auch um Dienste in der Gemeinde zu übernehmen - und von seinen Projekten in Ghana zu berichten. In seiner Heimat feierte der rührige Geistliche jetzt ein Jubiläum: Vor 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Zu den Festlichkeiten reiste eine 13-köpfige Delegation aus Blaustein, darunter Bürgermeister Thomas Kayser, nach Afrika.

Die Blausteiner berichten von zwei großen, stundenlang dauernden Gottesdiensten an Otoos jetzigem Wirkungsort Yakasi und an seinem Heimatort Sekondi - mit dem Bischof, den örtlichen Chiefs, einer Ansprache des Blausteiner Bürgermeisters, viel Musik und Tanz. Der "innere Reichtum" bei einer "äußerlichen Armut" habe ihn sehr beeindruckt, erzählt Stefan Mang, der die Reise mit organisiert hat. Die Menschen leben auf dem Land noch in intakten Gemeinschaften, sitzen abends vor den Häusern. "Gartenmauern gibt es nicht", sagt Reiseteilnehmer Karl Glöckler.

Die Menschen hungern nicht. Die meisten sind Selbstversorger, bauen Obst und Gemüse an. Die hygienischen Verhältnisse liegen aber im Argen. Wasser wird vielerorts aus Flüssen entnommen. "Darin hätte ich nicht mal gebadet", sagt der Student Marius Reichle. Das schlechte Wasser ist häufig Ursache von Krankheiten. Pfarrer Otoo hat in seiner Gemeinde, zu der 15 kleine Dörfer im Umkreis von 50 Kilometern gehören, damit begonnen, Trinkwasserbrunnen bauen zu lassen. Dafür sind früher schon Spendengelder geflossen, jetzt hatte die Reisegruppe die stolze Summe von 18 000 Euro im Gepäck.

Handwerksmeister Ernst Rapp hat sich erklären lassen, wie der Brunnenbau funktioniert: Vier Männer graben in sechs Wochen einen 16 Meter tiefen Schacht bis zum Grundwasser. Beton-Schachtringe wie in Deutschland werden nicht verwendet, oben wird der Schacht aber sauber abgedeckt. Mit einer Handpumpe können die Dorfbewohner Wasser fördern. Einer ist für den Brunnen verantwortlich und sichert am Abend die Handpumpe mit einem Schloss. Ein Brunnen kostet rund 2500 Euro.

Der Brunnenbau sei eine nachhaltige Hilfe, meint Stefan Mang. In doppelter Hinsicht: Neben sauberem Wasser liefern die Brunnen dem katholischen Pfarrer ein gutes Argument, die Familien davon zu überzeugen, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Denn die Mädchen und Buben müssten ja nicht mehr in langen Märschen Wasser nach Hause tragen und hätten daher Zeit zum Lernen. Einen Brunnen und einen großen Tank gibt es auch am Pfarrhaus. Für einen minimalen Betrag dürfen Leute dort Wasser abfüllen, auch die benachbarte Schule wird mit versorgt. Bildung liegt dem Pfarrer sehr am Herzen, zumal die traditionellen Lebensweisen in Ghana aufgeweicht werden durch großflächigen Kakao-Anbau und den Bau von Goldminen, wo sich die Dorfbewohner als Tagelöhner verdingen. Rund 600 Schüler werden in der einst von der deutschen Artur-Fischer-Stiftung gebauten Schule unterrichtet.

Weil die Wege zu Berufsschulen in der Stadt zu weit sind, plant Otoo den Bau einer Handwerkerschule und sucht dafür Unterstützung. "Das würde uns aber als Privatleute überfordern", sagt Ria Seybold. Zur Finanzierung des mehrere hunderttausend Euro teuren Projekts seien ein größerer Verbund und Firmen als Sponsoren nötig, meint die Reiseteilnehmerin. Die Blausteiner wollen Kontakte knüpfen.

Effektiv helfen konnten sie jetzt mit 300 gebrauchten Brillen, die von der Realschule gesammelt worden waren und einem örtlichen Augenarzt zur Verfügung gestellt wurden. In ihren Koffern hatten sie auch Trikots des TSV Blaustein sowie Kleidungsstücke und Spielzeug, die Joseph Otoo an Bedürftige abgeben wird. "Der Pfarrer ist Ansprechpartner für alles", berichtet Ottilie Wohlgschaft. Bürgermeister Thomas Kayser ist froh, dass die zweiwöchige Afrika-Reise, die jeder selbst bezahlt hat, ohne Zwischenfälle verlief und - abgesehen von kleinen Magenverstimmungen - alle Teilnehmer gesund geblieben sind. "Unsere Reise wurde in Blaustein durchaus wahrgenommen", sagt Kayser. Er und die anderen Teilnehmer wollen am Sonntag, 10. November, von ihren Erfahrungen berichten. Ort und Uhrzeit werden noch bekannt gegeben.

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