Blaustein: 10.000 Kilometer Schulweg in vier Jahren

Die Ulmer Merian-Grundschule liegt viel näher, aber in Ulm: Eine Blausteiner Erstklässlerin hat in vier Grundschuljahren 10.000 Kilometer Schulweg vor sich.

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Erstklässlerin voll bei der Sache: Auch Lia aus Blaustein freut sich auf die Schule. Zu Fuß hingehen wird sie voraussichtlich nie: Die 500 Meter entfernte Schule gehört zu Ulm.  Foto: 

Ihr Nachbarsjunge und bester Freund geht hin, ihre beste Freundin aus dem Kindergarten auch, aber Lia hat keinen Platz an der Maria-Sibylla-Merian-Grundschule an der Heilmeyersteige in Ulm bekommen. Das ist zunächst nachvollziehbar, denn Lia wohnt in Blaustein. Aber: Sie wohnt im Neubaugebiet Pfaffenhau, das an den Ulmer Eselsberg grenzt. Zur Eduard-Mörike-Grundschule in Klingenstein, wo Lia am Mittwoch eingeschult wurde, sind es von dort aus vier Kilometer – in die Merian-Grundschule nur 500 Meter, die Lia zu Fuß gehen könnte. „Ich habe mich immer über die Eltern geärgert, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen – heute Morgen habe ich mich selbst vor der Schule eingereiht“, sagt Mutter Katja Hastedt: Sie rechnet mit 10.000 Kilometern Fahrstrecke und 800 Euro Benzinkosten in vier Jahren nur für den Schulweg.

Wenige Gründe zählen für Antrag

Bei der Schulanmeldung im März dieses Jahres habe sie, die mit ihrem Mann, der sechsjährigen Lia und dem einjährigen Sohn seit elf Monaten im Pfaffenhau wohnt, einen Antrag auf Schulbezirkswechsel gestellt, der im Mai abgelehnt wurde. Begründung: Die Merian-Grundschule sei bereits voll. Von einer Blausteiner Rektorin habe sie gehört, dass dort 28 Schüler pro Klasse angemeldet seien. „Das habe ich akzeptiert – sie können ja keinen Anbau machen für meine Tochter.“ Sie meldete Lia an der Eduard-Mörike-Grundschule an, die im Gegensatz zur näher gelegenen Ludwig-Uhland-Schule ein Ganztagsangebot hat – für die berufstätige Mutter ein Muss.

Im August wies eine Nachbarin Katja Hastedt dann darauf hin, dass an der nahen Merian-Schule nun die Klassenlisten aushingen: Mit 21 beziehungsweise 22 Erstklässlern. Daraufhin habe sie noch einmal beim Schulamt nachgefragt und darum gebeten, die Entscheidung zu überprüfen. Das Amt antwortete: Zwar sei die Aufnahmekapazität der Merian-Schule nicht ausgereizt, aber in Lias Fall lägen keine genehmigungsfähigen Gründe für einen Schulbezirkswechsel von Blaustein nach Ulm vor. „Ich fühlte mich hilflos“, sagt Katja Hastedt: „Ich verstehe auch die Hintergründe nicht.“

Die erklärt Achim Schwarz, Stellvertretender Amtsleiter des Schulamts Biberach. Genehmigungsfähige Gründe für den Schulbezirkswechsel seien beispielsweise ältere Geschwisterkinder an der Wunschschule – wie im Fall von Lias Nachbarsjungen – oder fehlende  Ganztagsbetreuung im Schulbezirk: „Das sind Regelungen, an die wir uns halten müssen, auch im Sinne der Gleichbehandlung aller Antragssteller.“ Schulweg und Freundschaften spielten bei dieser Entscheidung folglich keine Rolle. Schwarz findet den Ärger der Eltern „verständlich und nachvollziehbar“. Doch die Behörde habe in diesem Fall „keinen Spielraum“. Und selbst wenn genehmigungsfähige Gründe vorlägen, gäbe es keinen Rechtsanspruch auf den Wechsel des Schulbezirks, der im Übrigen in „hoher Anzahl“ und „gefühlsmäßig mit steigender Tendenz“ beantragt werde. Schwarz weist darauf hin, dass Lias Eltern auch der Ablehnung ihres Widerspruchs vom August noch widersprechen könne. Viel Hoffnung möchte er aber nicht machen, wenn es keine neuen Fakten gibt: „Eigentlich ist die Sache klar.“

Bei der Einschulung habe sich Lia sehr gefreut, obwohl sie in der neuen Schule „kein einziges Kind“ kannte, sagt die Mutter. Ob sie trotzdem ein zweites Mal Widerspruch einlegt, möchte sie sich noch überlegen.

Gegenrichtung Sechs Schüler, die in Ulm wohnen, besuchen derzeit die Grundschulen in Blaustein. 

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Kommentare

16.09.2017 08:20 Uhr

Entschuldigung wegen „Echt jetzt?”

Ich möchte mich wegen meines Kommentares von gestern bei Frau Hastedt in aller Form entschuldigen, vor allem wegen des völlig unangebrachten, unhöflichen Tones und meiner unangemessenen Vermutungen.
Die geschilderte Situatioin ist wirklich schwierig. Vielleicht hilft es, nochmals nachzufragen, ob der andere Schulort in Ulm doch möglich ist angesichts der geschilderten Problematik.
Generell ist hier auch die Stadt Blaustein gefordert, die offensichtlichen Mängel in der Schüler-Beförderung zu verbessern. Es ist ja davon auszugehen, dass auch andere Kinder und Eltern auf ähnliche Weise betroffen sind oder betroffen sein werden.

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15.09.2017 23:21 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Echt jetzt?””

Hoppla Mueller, der Thomas A., heute aber mal mit der ganz großen Kelle? Da scheint sich beim Thomas A. aber eine Menge Frust angestaut zu haben, dass er sich dieses mal so viel Mühe gibt. Aber sehr brav, viel hat er ja nicht ausgelassen.
Jedenfalls geht es ihm jetzt hoffentlich besser, nicht dass er noch platzt, der Arme.
Und ich bedanke mich für soviel Zuwendung, das ist fast schon zu viel der Ehre.
Aber bitte nicht nachlassen, ich amüsiere mich köstlich!

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15.09.2017 22:36 Uhr

Antwort auf „Echt jetzt?”

Was für ein unglaublicher Kommentar! Klar ist es ärgerlich wenn die Muttis mit ihren Riesen-SUVs ihre Kleinen vor die Schule fahren - aber hier??? Herr Brinks zeigt klar auf, dass er keine Ahnung hat. ÖPNV in Blaustein? Jeder weiß, dass der ÖPNV hinter den Ulmer Stadtgrenzen aufhört. Bestes Beispiel die Spezialklinik die am Ende der Heilmeyersteige, 50m hinter der Ortsgrenze in Blaustein liegt – also in der Gegend, in der die Familie wohl wohnt. Mit dem ÖPNV ist der Bereich nur zu erreichen wenn man mit der Linie 5 über den Eselsberg fährt. Aber Brinks weiß es ja besser. Bevor er hier so einen Kommentar verzapft sollte er mal – wie es zu ihm passt - mit dem Fahrrad die Örtlichkeit inspizieren. Dann würde er vielleicht bemerken, dass der Weg - insbesondere für ein Kind - von der einen zur anderen Talseite gar nicht machbar ist – wenn ihm dabei nicht die Luft ausgeht und er diverse viel befahrene Straßen erfolgreich überquert hat. Aber Brinks ballert gleich los. Schon allein ein Blick online hätte genügt um festzustellen, wie bzw. wo die nun zu besuchende Schule liegt. Die Brinks’sche Alternative, wenn es dem grünen Gutbürgern reicht: ‚Rabatz’ machen – wie das Lager verwechselt, ‚Rabatz’ ordnet er selbst wohl eher der AFD zu? Keine besserwisserische Handlungsanleitung? Keinen Link, nicht einmal zu DING? Nur sarkastisch, süffisante Häme? Die Klappe sollte man erst aufreißen wenn man weiß worum es geht. Hier geht es im Kern darum, dass aus bürokratischen Gründen die Einschulung in die Schule, die vor der Haustür liegt, verwehrt wird. Die wahren Beweggründe für die Entscheidung des Amtsleiters werden hier nicht genannt. Normalerweise wäre zu erwarten gewesen, dass Brinks dazu aufruft die imaginären (Orts)Grenzzäune niederzureißen – aber das macht er wohl nur bei echten Grenzen und Zäunen. Liest Herr Brinks ‚Auto’ geht er an die Decke. Hätte die SWP geschrieben ‚Ulm verweigert Blausteiner Grundschülerin Schulasyl und schickt sie an der Ortsgrenze zurück’ hätte sein Aufschrei wohl anders ausgesehen? Außerdem: wann hat Brinks das letzte Mal eine sechsjährige allein in der Straßenbahn gesehen? „Man weiß es wirklich nicht“ (Zitat Brinks). Ist auch egal, was Brinks denkt oder schreibt. Normalerweise lese ich weiträumig drum herum wenn ich den Namen sehe.

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15.09.2017 13:35 Uhr

Echt jetzt?

Zitat:"„Ich habe mich immer über die Eltern geärgert, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen – heute Morgen habe ich mich selbst vor der Schule eingereiht“, sagt Mutter Katja Hastedt: Sie rechnet mit 10.000 Kilometern Fahrstrecke und 800 Euro Benzinkosten in vier Jahren nur für den Schulweg."

Soll man echt glauben, dass es innerhalb von Blaustein keinen ÖPNV gibt und Kinder ohne "Elterntaxi" zu Hause bleiben müssten?
Wenn dem so wäre, dann wäre aber Rabatz angesagt, um einen Schulbus-Linie einnzurichten.
Wie nur kommen ansonsten Kinder in die Schule, deren Eltern kein Auto haben oder berufsbedingt keine Zeit, den Fahrer zu spielen?
Oder ist den lieben Kleinen die Nutzung von Schulbussen oder sonstigem ÖPNV nicht zuzumuten aus welchen Gründen auch immer oder braucht die Blechkiste halt zusätzlichen Auslauf?
Man weiß es wirklich nicht.

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