Blaubeurer Fabri-Institut geht ans Land

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Wilde Spekulationen rund um die bevorstehende Schließung des Heinrich-Fabri-Instituts der Universität Tübingen machen die Runde in Blaubeuren. Inhaltlich abgesichert ist dabei nichts. Ein Abriss der Instituts-Gebäudes, wie ein Gerücht lautete, stehe gegenwärtig überhaupt nicht zur Debatte, teilte Bernd Selbmann vom Landesbetrieb Vermögen und Bau auf Anfrage mit. Tatsache ist, dass der Pächter des Fabri-Instituts zum Jahresende seine Aufgaben an die Universität Tübingen zurückgibt. Die Universität wiederum gibt ihr Nutzungsrecht an den Landesbetrieb Vermögen und Bau zurück (wir berichteten).

Das Ulmer Amt des Landesbetriebs wird dann die Frage klären, ob Gebäude und Fläche für eine andere Landesnutzung benötigt werden. Wenn das nicht der Fall ist, kann das Land die Liegenschaft per öffentlicher Ausschreibung verkaufen. In diesem Fall werde der Käufer über das weitere Schicksal des Instituts bestimmen, erläuterte Selbmann.

Einst ein Forschungsakzent

Als Begegnungsstätte interdisziplinären Denkens wurde das Heinrich-Fabri-Institut von der Tübinger Uni bei der Eröffnung im Jahr 1985 gefeiert. Zuvor befand sich dort das Goethe-Institut. Über das Fabri-Institut sagte Walter Jens damals: Es solle einen Forschungsakzent setzen, „der gegenüber den dominierenden Natur- und Technikwissenschaften die Eigenständigkeit und Erneuerungskraft der Humandisziplinen bis hin zur Medizin unterstreicht“.

So groß war der Erfolg, dass das mit finanzieller Unterstützung von Uni, Bund, Stadt Blaubeuren und Alb-Donau-Kreis gründlich renovierte Gebäude fünf Jahre nach der Verwandlung in ein Geistes- und Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum sogar noch ausgebaut wurde. sp

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Kommentare

23.12.2016 17:36 Uhr

Antwort auf „Illegitime Beendigung eines Leuchtturmprojekts”

Der Verlauf des öffentlich geführten Diskurses, den vor allem das Fabri-Institut bisher ermöglichte, war schon immer maßgeblich dafür, welche Arbeit für sich Wissenschaftlichkeit reklamieren darf und welche nicht. Ohne eine dementsprechende Scheidung verliert sich alles Handeln im Nichts, weil das weltweit einzig verfügbare Heilmittel dann nicht mehr ausfindig gemacht werden kann. Sämtliche Heilsversprechen von Ärzten wandeln sich infolge dessen flugs in leeres Gerede. Unbeantwortet bleibt somit, was die Universität in Tübingen dazu veranlasst, Dritten den Weg in die Barbarei zu ebnen anstatt sie in ihre Schranken zu weisen, wie es der Souverän gebietet und ihr dafür jegliche Freiheit gemäß Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes einräumt. Der vom Kanzler der Hochschule vorgebrachte Einwand fehlender Wirtschaftlichkeit einer dadurch unabweisbaren Sanierung der Institutsgebäude in Höhe von rund € 4 Mio. ist bereits deshalb nicht stichhaltig.

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23.12.2016 12:34 Uhr

Illegitime Beendigung eines Leuchtturmprojekts

Insofern das Fabri-Institut in Blaubeuren dem Anspruch genügt, die Eigenständigkeit und Erneuerungskraft insbesondere der Sozialwissenschaften angesichts dominierender Natur- und Technikwissenschaften zu unterstreichen, bleibt bestehen, dass aller Empirie stets eine Konstitutionstheorie der Lebenswelt des Einzelnen vorausgeht, wie der Philosoph und Träger des Holberg-Preises, Habermas, anlässlich seiner Christian-Gauss-Lectures im Jahr 1971 an der Princeton-Universität feststellte. Wenn sich nun laut Pressemitteilung vom 5. April 2016 die Tübinger Eberhard-Karls-Universität gezwungen sieht, das Fabri-Institut zum 31.12.2016 zu schließen, müsste zumindest Aufschluss darüber gewonnen werden, weshalb solch ein geradezu brachial gewaltsames Ausscheiden eines notwendige Orientierung bietenden Leuchtturmprojekts aus dem Wissenschaftsbetrieb in Szene gesetzt wird und was diese Entscheidung austragen soll, obwohl dessen Erfolg unbestreitbar ist.

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