Bio-Kartoffeln aus der Wüste

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Blühende Bäume, Kräuter, Gewürze, Kartoffeläcker, Baumwolle und Dattelplantagen mitten in der Wüste. Dazu das meiste in Bio-Qualität. Das ist keine Fata Morgana, sondern mit der Kulturinitiative „Sekem“ 47 Kilometer nordöstlich der ägyptischen Hauptstadt Kairo Wirklichkeit geworden, berichtete Eberhard Proissl unlängst im Blausteiner Generationentreff. Der 59-Jährige ist ehrenamtlicher Bildungsreferent der Genossenschaft Oiko Credit (siehe Info).

Sekem – altägyptisch, gleichbedeutend mit Lebenskraft – wurde 1977 von Ibrahim Abouleish gegründet. Der Chemiker hatte in Österreich die Ideen Rudolf Steiners und den Bio-Standard nach Demeter kennengelernt. Beidem wollte er in seiner Heimat den Boden bereiten. Er kaufte sich ganz bewusst 69 Hektar Wüste – und nicht etwa Land im fruchtbaren Niltal.

Abouleish sei klar gewesen, dass die rasant wachsende Bevölkerung nicht mit dem Anbau auf nur fünf Prozent fruchtbarem Land satt wird, sagt Proissl. Will sich das Land nicht in eine dauerhafte Abhängigkeit begeben, braucht es die Wüste, die 95 Prozent Ägyptens bedeckt. Für seine Idee setzte Abouleish sein ganzes Vermögen ein. Er wurde für seine Beharrlichkeit belohnt. Bäume wuchsen heran, sie sollen die Kulturpflanzen vor dem Wind schützen. Immer ausgeklügeltere, sparsame Bewässerungsmethoden wurden entwickelt, ausreichend Kompost, unter anderem mit großen Taubenhäusern, gewonnen.

Brüderlichkeit der Wirtschaft

Sekem bewirtschaftet heute auf fünf Farmen 700 Hektar. Es wird eine „Brüderlichkeit der Wirtschaft“ gepflegt, die soziale Verpflichtung wird also nicht vergessen. Kindergarten, Schule, Berufsschule, medizinisches Zentrum, die 2012 gegründete „Heliopolis“-Universität und das kürzlich eröffnete Zentrum für soziales Unternehmertum gehören zu dem heute 1500 Mitarbeiter beschäftigenden Unternehmen. Bildung als Schlüssel, um die eigene Lebenssituation zu verbessern. Außerdem werden Produkte von anderen Höfen nach „fairem“ Standard vermarktet, Bauern in nachhaltigem Landbau geschult und beim Umstieg auf Bio-Qualität beraten. 2003 erhielt Abouleish für sein Engagement den „Right Livelihood Award“ – den „alternativen“ Nobelpreis.

Die Größe des Unternehmens und der besondere Vorbildcharakter veranlassten die Genossenschaft Oiko Credit 2012 als Teilhaber einzusteigen – und nicht wie bei den meist genossenschaftlich organisierten südamerikanischen Bauern mit Krediten auszuhelfen, erläuterte Proissl. Das sei aber kein dauerhaftes Engagement, es werde auch wieder enden. Franz Glogger

Oiko Credit wurde 1975 auf Initiative des Weltkirchenrats gegründet. Ziel war, durch Darlehen an Unternehmen in benachteiligten Regionen soziale Gerechtigkeit zu fördern. Seither vergab die internationale Genossenschaft zwei Milliarden Euro über Kredite. Sie unterstützt 800 Projekte.

Geldanlage Wer eine „weltweite Gerechtigkeit“ unterstützen will, kann bei Oiko Credits Geld anlegen. Es wird mit ein bis zwei Prozent Dividende verzinst. Weitere Informationen gibt es bei der Arbeitsgruppe Ulm/Neu-Ulm unter Tel. (0731) 92 60 99 89.

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