Betreuung nach Bedarf

Die katholische Sozialstation ist mit 70 hauptamtlichen Kräften - teils in Teilzeit - und 80 ehrenamtlichen Mitarbeitern eine der größten im Bistum Rottenburg. Fast seit Anfang an dabei ist Brigitte Schenker.

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Pflegedienstleiterin Brigitte Schenker hat schon die Anfänge der katholischen Sozialstation Iller-Weihung miterlebt. Foto: Dave Stonies

Als Bürgermeister Franz Geisinger und Pfarrer Hans König sich in den 1970er Jahren bemüht hatten, die katholische Sozialstation Iller-Weihung in Illerrieden anzusiedeln, ahnten sie wohl noch nicht, was daraus erwachsen würde. Anfangs waren es fünf Ordensschwestern in den verschiedenen Gemeinden, Brigitte Schenker als Krankenschwester für Balzheim und Illerrieden sowie Gertrud Bucher als Geschäftsführerin. Die Sozialstation nahm 1978 ihre Dienste auf. Wobei Brigitte Schenker offiziell erst 1979 dazukam. "Allerdings war ich in den Vorbereitungen mit dabei", erinnert sich die heutige Pflegedienstleiterin.

Mittlerweile ist die Sozialstation zu einem großen Dienstleister geworden mit einem breiten Angebot. Neben der ursprünglichen Aufgabe der häuslichen Kranken- und Altenpflege gibt es Essen auf Rädern, den mobilen sozialen Hilfsdienst, wenn jemand Fahrdienst zum Arzttermin oder ähnlichem benötigt, ferner die Organisation der Nachbarschaftshilfe, zwei Betreuungsnachmittage für Demenzkranke, die Tagespflege gemeinsam mit der Pflegeheim GmbH im Seniorenzentrum Dietenheim, einen Familienpflegedienst mit vier anderen Sozialstationen, jährliche Krankenpflegekurse und anderes mehr, wie Geschäftsführer Bruno Rueß aufzählt. Seit August ist auch eine Hospizgruppe, mit der die Sozialstation schon vorher zusammengearbeitet hat, integriert. 70 hauptamtliche Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sowie 80 ehrenamtliche Helfer werden von der Sozialstation Iller-Weihung eingesetzt. Sie sind in regionale Teams eingeteilt, damit die Kunden ihre festen Ansprechpartner haben.

"Wenn man in der Klinik arbeitet, bekommt man nicht mit, wie es den Leuten daheim geht", begründet Brigitte Schenker ihre Entscheidung, aus dem Dienst im Krankenhaus in die ambulante Pflege zu wechseln. Allerdings hatte es einen Anstupser der damaligen Geschäftsführerin Gertrud Bucher gebraucht, dass sie sich beworben hat. "Ich habe es bis heute nicht bereut."

Bevor es die Pflegeversicherung gab, war viel Initiative gefragt. "Das begann schon mit der Frage, wo bekomme ich ein geeignetes Bett her", erzählt Schenker. "Eine andere Lösung im Gesundheitssystem war einfach notwendig", begrüßt sie die Einführung der Pflegeversicherung. Seither habe sich viel verändert.

Ein großer Teil ihrer Arbeit ist die Beratung, "auch wenn ich morgens mal ein oder zwei Patienten übernehme, wenn es personell knapp ist". Heute gelte es, im breiten Angebot individuelle Lösungen zu finden zwischen professioneller Hilfe durch die Sozialstation im pflegerischen und haushälterischen Bereich zum einen und dem, was Familienangehörige leisten können. Es soll ein guter Betreuungsmix herausspringen mit der bestmöglichen Entlastung für häufig arbeitende Angehörige. Transparenz ist ihr dabei ganz wichtig: In Beratungen und bei Hausbesuchen erläutert sie Patienten und ihren Angehörigen, was sie selbst bezahlen müssen und was sie aus welchem Versicherungs- oder Fördertopf an Leistungen erwarten dürfen. "Der Mensch soll wählen können", sagt sie. Auch wenn dies häufig die Angehörigen machen, weil die Betroffenen nicht mehr dazu in der Lage sind.

"Wir bilden in Altenpflege aus und haben Praktikanten in der Krankenpflege", wirbt sie für die sozialen Berufe. Den Wegfall der Zivildienstleistenden versucht die Sozialstation mit Ehrenamtlichen zu kompensieren. Schüler etwa, die Fahrdienste übernehmen, so Rueß. Da die aber häufig nach der Schule aufhören, ist in diesem Bereich ständig Bedarf.

"Angehen wollen wir vermehrt die Palliativ-Versorgung", blickt Rueß in die Zukunft. Ihm schwebt vor, mit anderen Sozialstationen ein Versorgungsnetz aufzubauen. "Es ist eine gute Sache, wenn Sterbende eine Begleitung haben."

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