Weihnachtsmarkt für Frühchen-Station der Uni Ulm

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Benjamin und seine Mutter Susanne Friesinger. Sie sind zwar die treibenden Kräfte für „Benjamins Weihnachtsmarkt“, aber sie haben im Hintergrund eine Familie, die keine Mühen scheut.  Foto: 

Schade Das hat man am Sonntag auf dem Hof der Familie Friesinger in Blaustein häufig gehört. Schade, dass es das letzte Mal gewesen sein soll, dass Benjamin „seinen Weihnachtsmarkt“ veranstaltet hat. „Naja. Irgendwann wirkt es nicht mehr süß.“ So lautet die glasklare Analyse des Veranstalters selbst: Benjamin ist vor kurzem zwölf Jahre alt geworden, seit er fünf Jahre alt ist, hat er „seinen“ Weihnachtsmarkt veranstaltet. Damals war Benjamin ein kleiner Steppke, inzwischen ist er fast so groß wie seine Mutter. Dass er kein kleines Kind mehr ist, zeigt sich auch daran, dass es am Sonntag nicht mehr „Bennis Weihnachtsmarkt“ war, sondern „Benjamins“.

Letztlich war seine Größe der Grund, warum Benjamin die Sache mit dem privaten Weihnachtsmarkt überhaupt angefangen hat: Benjamin ist als Frühchen zur Welt gekommen. 13 Wochen zu früh und gerade Mal ein Kilogramm schwer. Eigentlich keine guten Startvoraussetzungen für ein Kind. Doch auf der Frühchen-Station der Uni Ulm wurde der kleine Kerl umsorgt, gepflegt, aufgepäppelt.

Ganze Familie ist dabei

Weil ihm und seiner Familie damals so geholfen wurde, wollte er anderen helfen und Geld für die Frühchen-Station sammeln. Als er fünf war, kam ihm deshalb die Idee mit dem Weihnachtsmarkt. Und in seiner Familie fand er Unterstützer, die wohl ihresgleichen suchen: Alle – von Oma und Opa über Tanten und Onkel bis hin zu Cousins und Cousinen – machen seit sieben Jahren voller Elan mit: sie backen, stricken, basteln, sägen, bauen auf, bauen ab . . .

Unmengen Plätzchen, Eierlikör, Socken, Kerzenständer, Marmeladen wurden so – oft schon ab den Sommermonaten – gemacht. Jedes Jahr kamen unzählige kleine feine Geschenke zusammen, die bei Benjamins Weihnachtsmarkt verkauft wurden. Hinzu kommt der Verkauf von Würstchen, Glühwein, Punsch und vielem mehr, das Firmen und Geschäfte für den Markt spenden. Am Sonntag kamen auf diese Weise 5502,97 Euro zusammen. „Damit haben wir die letzten Jahre tatsächlich nochmals getoppt“, teilte Susanne Freisinger gestern hocherfreut mit. Und weil ein Bekannter der Familie noch etwas draufgelegt hat, konnte Benjamins Mama sage und schreibe 5800 Euro an die Frühchen-Station überweisen. Noch beeindruckender ist die Summe, die Benjamin und seine Familie in den vergangenen sieben Jahren für die Frühchen gesammelt haben: 25 122,02 Euro. „Und zum Teil haben Privatleute und Firmen noch was drauf gelegt“, erzählt Susanne Friesinger. Wie viel das war, wisse sie allerdings nicht.

Mächtig viel Arbeit

Nun ist also Schluss. „Wir wollten uns jedes Jahr verbessern“, sagt Benjamin, der inzwischen die achte Klasse des Albert-Einstein-Gymnasiums in Wiblingen besucht, eine Hochbegabten-Klasse. Das gehe irgendwann nicht mehr. „Und nach sieben Jahren geht die Lust schon auch ein bisschen verloren.“ Letztlich sollte man aufhören, wenn’s am Schönsten ist, findet der Zwölfjährige. So sieht es auch seine Mutter, zumal die Vorbereitungen mächtig viel Arbeit seien. „Wir wollten es uns und unseren Gästen dieses Jahr aber noch einmal richtig schön machen.“ Auch, weil das Wetter im vergangenen Jahr so gar nicht weihnachtsmarkt-tauglich war. Für den letzten Markt hat sich die gesamte Familie also erneut ins Zeug gelegt: Benjamin, der von sich selbst sagt, in praktischen Dingen „nicht ganz so talentiert“ zu sein, schrieb Einladungen, holte Genehmigungen ein, organisierte. Vergangene Woche wurde wieder der Stadel auf dem Friesinger-Hof ausgeräumt und weihnachtlich geschmückt. Am Sonntag standen Familienmitglieder, Freunde und Verwandte – alle mit Weihnachtsmann-Mütze auf dem Kopf – an den Ständen: Insgesamt gingen 200 Rote Würstchen und 70 Currywürste über den Grill, fast 100 Liter Glühwein und 40 Liter Kinderpunsch wurden ausgeschenkt. Hunderte Waffeln wanderten in hungrige Münder. Plätzchen und Stockbrot waren ziemlich schnell ausverkauft. Der Gesangverein Mähringen, in dem Susanne Friesinger Mitglied ist, sang adventliche Lieder. Zwei Cousinen hatten zum Abschluss von Benjamins „Weihnachtsmarkt-Organisator-Karriere“ eine kleine Überraschung organisiert. Sie holten die „Roadstring-Army“ als musikalische Überraschungsgäste. Die beiden Straßenmusiker (und Studenten) trugen ihren Teil zur weihnachtlichen Stimmung bei. Auch das Wetter passte.

Wie viele Besucher es am Ende des Tages waren? „Einige hundert, nicht wirklich abzuschätzen“, sagt Susanne Friesinger. Dennoch war es wieder ein heimeliges Fest mit Freunden und Bekannten. „Wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag.“ Wobei beim einen oder anderen Besucher durchaus ein Anflug von Panik aufkam, in Anbetracht der Ankündigung, dass es im nächsten Jahr keinen Weihnachtsmarkt mehr bei Benjamin geben wird. „Wo soll ich denn dann meine Plätzchen herkriegen?“, fragte eine Frau. Aber nicht nur um die sei es schade. Jammerschade.

Ich hätte noch ein paar Eckdaten zum gestrigen Markt: Besucher = Rekord (einige Hundert) - nicht abzuschätzen, wir haben 200 x Rote Wurst , 70 x Currywurst, fast 100 l Glühwein, 40 l Kinderpunsch, hunderte Waffeln verkauft. Die Plätzchen und das Stockbrot waren ziemlich schnell ausverkauft.

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