Besondere Begegnungen im Basketball-Internat Urspring

Idyllisch, aber auch abgelegen: Das Basketball-Internat in Urspring ist für viele junge Menschen Heimat geworden. Zwei davon sind der scheidende Trainer Michael Spöcker und sein Schützling Noah Aghas.

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Noch ein Jahr in Urspring wird Spieler und Schüler Noah Aghas (links) sein. Bereits Ende Mai verlässt Coach Michael Spöcker das Basketball-Internat. Für beide war und ist es eine besondere Zeit in der "Heimat" Urspringschule.  Foto: 

Personelle Umbrüche sind üblich am Basketball-Internat in Urspring. Nach erfolgreich abgelegtem Abitur heißt es für die Nachwuchsspieler im Normalfall Koffer sowie Sporttasche packen und neue sportliche Herausforderungen annehmen. Doch Ende Mai macht auch der bisherige Headcoach, Michael Spöcker, nach mehr als zehn Jahren in und an der Urspringschule Platz für Nachfolger Domenik Reinboth. Zusammen mit seinem Schützling Noah Aghas beschreibt der scheidende Trainer ein spezielles "Urspring-Lebensgefühl": "Ich habe hier lange gelebt, kenne jeden Spieler und jeden, der hier arbeitet", beschreibt der aus Kempten stammende Trainer Spöcker sein Verhältnis zur Urspringschule. Sechs Jahre lang war er insgesamt beruflich im beschaulichsten Teil Schelklingens aktiv, zuvor drückte er viereinhalb Jahre lang in Urspring die Schulbank. "Für mich ist Heimat da, wo man sich wohlfühlt, und das kann nicht nur ein Ort auf der Welt sein", sagt er. Ohnehin sei Urspring für ihn definitiv zur Heimat geworden: "Schließlich habe ich hier die tollsten Ereignisse in meinem Leben erfahren."

Das für Deutschland einmalige Jugendsportprogramm und Vorzeigeprojekt "SmartBall" spielte nicht nur im Schaffen Spöckers ein Rolle. Schule nach US-Vorbild mit dem europäischen Vereinsgedanken zu kombinieren - das stellt die Absolventen vor eine große Aufgabe. Dass das nicht immer leicht ist, weiß der 19-jährige Noah Aghas, aufstrebender Youngster und Schützling von Spöcker. Für den aus Kassel stammenden, über Überlingen nach Urspring gekommenen Centerspieler geht es mit dem in einem Jahr anstehenden Abitur in die finale Phase seines persönlichen Urspring-Projekts. Schulische und sportliche Höchstleistung unter einen Hut zu bringen ist nicht immer leicht. "Es nimmt viel Zeit in Anspruch. Daher ist es schwer beides auf gleichem Niveau zu betreiben", sagt Aghas. Dabei unterscheidet sich sein Tagesablauf wenig von dem eines normalen Schülers, der nach der Schule intensiv seinem Hobby nachgeht.

Im Gegensatz zu Spöcker, der Ende Januar 1998 zu einem dreitägigen Probetraining erstmals nach Urspring kam, fiel Noah Aghas die Entscheidung pro Urspring nicht sofort leicht. "Dunkel war es hier, und es war nichts los. Irgendwie fühlte es sich fremd an", war der erste Eindruck als er einst mit der U18-Mannschaft von Konstanz zu Gast war. Richtig angekommen sei er dann beim dritten Spiel. "Das war gegen Ludwigsburg, das weiß ich noch ganz genau". Zimmergenosse Noah Kleinschroth brachte ihm während der Anfangszeit vor gut einem Jahr die Anlage und den Ablauf im Internat näher. Daheim fühle er sich, wenn es sportlich und in der Schule gut laufe. "Dann bleibt weniger Zeit darüber nachzudenken", sagt er. Gleichzeitig schaue er zuversichtlich in das letzte Jahr.

"Erfahrungsgemäß", lenkt Spöcker ein, "ist das Heimatgefühl von Spieler zu Spieler eh unterschiedlich." Die Gewissheit, dass daheim die "richtige" Heimat warte, spende dabei dem einen oder anderen teilweise Trost. Doch durch den Ort, an dem Gleichgesinnte unter sich sind, an dem tagtäglich mit Menschen zusammen gelebt werde, die das gleiche Interesse teilen, entwickle man schnell ein "Wir-Gefühl". "Man hängt ja auf engstem Raum aufeinander", sagt der Trainer lachend. Das kann der Schlüssel zum Erfolg sein. Und zur Heimat: "Die Jungs wohnen und leben hier, und kaufen hauptsächlich in Schelklingen ein. In Ehingen sind wir eigentlich nur zu den Spielen." Doch selbst Schelklingen und Urspring unterscheiden sich seiner Meinung nach. Die Heimat in Urspring sei etwas ganz Besonderes, ein eigenes Gefühl in der Abgeschiedenheit. Das "Urspring-Lebensgefühl" wird Michael Spöcker in seiner neuen alten Heimat im Allgäu sicherlich hin und wieder vermissen. Aghas bleibt noch ein Jahr das Gefühl zu verinnerlichen und zu leben.

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