Beimerstetten wartet länger

Wer in Beimerstetten in den Zug steigen will, muss erst einmal warten, bis die Gittertür zum Bahnsteig aufgeschlossen wird. Der angekündigte Umbau des Bahnhofs zieht sich länger hin als gedacht.

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Für Bahnfahrgäste in Beimerstetten ein gewohntes Bild: Auf ihren Zug müssen sie vor der Gittertür hinter dem Lärmschutzwall warten. Foto: Bernd Rindle

"Wir sind eigentlich von 2015 ausgegangen", sagt der Beimerstetter Bürgermeister Andreas Haas. Der Umbau des örtlichen Bahnhofs lässt jedoch länger auf sich warten. Der Bahn zufolge sei dafür die verspätete Förderzusage des Landes verantwortlich, teilt Haas mit. Nunmehr plane das Unternehmen mit einem Baubeginn im Frühjahr 2016, die Arbeiten dürften etwa ein Jahr dauern. "Der Zeitplan scheint realistisch", meint der Bürgermeister.

Mangels Unterführung müssen die Bahnfahrgäste in Beimerstetten also weiterhin Gleis 1 überqueren, wenn sie zu Bahnsteig 2 wollen, um zum Zug nach Ulm zu gelangen. Aus Sicherheitsgründen ist das aber nur möglich, wenn ein Mitarbeiter die Tür in der Lärmschutzwand öffnet. Schließlich fahren regelmäßig ICE und weitere Fernzüge sowie Güterzüge durch. Ein Video des Prozederes hat es sogar auf den Internet-Kanal "You Tube" geschafft. Ein Regionalzug fährt langsam in den Bahnhof ein, die bisher verschlossene Gittertür öffnet sich, die Fahrgäste laufen übers Gleis zum Zug. Ein Bahnmitarbeiter in orangefarbener Warnweste wartet, bis alle eingestiegen und die Türen geschlossen sind. Dann fällt die Eisentür ins Schloss und der Bahnsteig wird wieder zum Sperrgebiet.

5,9 Millionen Euro wird der Umbau des Bahnhofs voraussichtlich kosten. Außer neuen, weiter nach Norden verschobenen Bahnsteigen sieht der Plan eine Unterführung zu den Gleisen 2 und 3 vor. Zudem ist der Einbau zweier Aufzugschächte vorgesehen. Allerdings nur der Schächte ohne Inhalt - die Fahrstühle spart sich die Bahn angesichts der Fahrgastzahl von deutlich weniger als 1000 pro Tag. Würde diese Schwelle überschritten, wäre die Bahn verpflichtet, die Zugänge zu alle Gleisen barrierefrei zu gestalten. "Das bedeutet, dass wir abgesehen vom Bahnsteig 1 keinen behindertengerechten Zugang erhalten", stellt der Bürgermeister bedauernd fest. Doch genau diese Barrierefreiheit habe sich die Gemeinde erhofft. Zumal bereits etwa 17 Prozent der 2500 Einwohner Beimerstettens 65 Jahre und älter sind. Haas: "Für jemanden, der nicht gut zu Fuß ist, wäre ein Lift schon ein Vorteil."

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Kommentare

17.11.2013 21:42 Uhr

Touristenmagnet S21-Baustelle

Selten sind Sendungen im SWR eine Freude für Gegner und Befürworter von Stuttgart 21. Aber am letzten Donnerstag war es anders, denn Clemens Bratzler hat in "Zur Sache Baden-Württemberg" angekündigt:
"Wenn dieser - noch inoffizielle - Werbespot gelaufen ist, werden die Touristen in Scharen nach Stuttgart kommen."
Er hat sicherlich nicht zu viel versprochen, deshalb hier der Link zur Touristenattraktion "Die S21-Baustelle" - jetzt auf YouTube

http://www.youtube.com/watch?v=7igqZfe_VJ0

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17.11.2013 19:24 Uhr

Es fährt ein Zug nach nirgendwo

Ein Gespenster-ICE fährt ein, für Bahnchef Grube wird Potemkin gebaut, und der Oberbürgermeister ist endgültig sauer. Schwäbisch Hall und Stuttgart 21 – das passt für Hermann-Josef Pelgrim (SPD) nicht mehr zusammen. Und deshalb soll die SPD runter vom „toten Gaul“. (...)

Die kleine verlotterte Eisenbahn und das große schöne Bahnprojekt Stuttgart 21. Da musste es doch einen Zusammenhang geben. Deshalb hat er zusammen mit seinem grünen Tübinger Amtskollegen Boris Palmer am 21. Dezember 2012 einen Brief geschrieben, adressiert an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dessen Stellvertreter Nils Schmid. Der Inhalt kurz zusammengefasst: Wer es gewohnt ist, mit des Steuerzahlers Geld ordentlich umzugehen, darf Stuttgart 21 nicht bauen. Und wer zum Ergebnis kommt, dass er einen Fehler gemacht hat, muss ihn korrigieren, Alternativen anbieten – und um sein Gesicht nicht fürchten.

Pelgrim fiel nie durch kritische Töne auf. Bis er vom Freund zum Gegner von S21 wurde. Der Brief war Pelgrims Idee, nicht Palmers. Das überrascht, weil der 53-jährige Sozialdemokrat bisher nicht durch S21-kritische Töne aufgefallen ist. Im Gegenteil. Lange hat er den Betreibern des Projekts geglaubt, den ganzen Versprechungen vom Herzen Europas, vom Segen für den ländlichen Raum, vom Fortschritt und Wachstum, was seiner Infrastrukturpartei so wichtig ist. Zumal es deren Vorderleute Schmid, Schmiedel und Drexler immer gepredigt haben. (..)

http://www.kontextwochenzeitung.de/pulsschlag/93/es-faehrt-ein-zug-nach-nirgendwo-355.html

und

http://www.tuebingen.de/Dateien/474_anlage_gemeinsames_Schreiben_Palmer_Pelgrim_S21.pdf

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17.11.2013 18:55 Uhr

Bahnhof der Vergessenen

Während sich die Deutsche Bahn investitionsreich anschickt, zwischen Stuttgart und Ulm mit Hochgeschwindigkeit in die Zukunft zu fahren, bestimmt andernorts die Vergangenheit die Gegenwart. Das zeigt das Beispiel von Beimerstetten. Dort, zehn Kilometer nördlich von Ulm, steht ein Bahnhof der Vergessenen.

In Beimerstetten müssen Reisende mangels Unterführung über Gleise laufen, um zu ihrem Regionalzug zu kommen. Ansonsten bleibt das Tor zum Bahnsteig aus Sicherheitsgründen verschlossen, zumal Fern- und Güterzüge im Fünfminutentakt ungebremst durchrauschen. Obwohl sich die Gemeinde angesichts dessen seit Jahren um Nachbesserung bemüht, hat die Bahn einen Umbau bislang auf die lange Bank geschoben.

Nach aktuellem Planungsstand soll 2016 damit begonnen werden, wobei mit einem großen Wurf nicht zu rechnen ist. Aus Kosten- und Relevanzgründen verzichtet das Unternehmen auf einen behindertengerechten Ausbau.
Weiter unter

http://www.kontextwochenzeitung.de/pulsschlag/135/bahnhof-der-vergessenen-1817.html

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