Begeisternde Messe

Unter Volker Hausens Leitung ist Luigi Cherubinis Requiem c-Moll in der Laichinger Kirche aufgeführt worden. Chor und Orchester transportierten von Beginn an die expressiven Stimmungen glaubwürdig.

|

Auf dem Höhepunkt seines Schaffens ist Luigi Cherubinis Requiem c-Moll, opus 31 entstanden. Es wurde eines seiner berühmtesten Kompositionen überhaupt. Als Zeitgenosse der Wiener Klassik hat Cherubini sein Werk entsprechend als musikalische Liturgiebegleitung von Begräbnisfeiern geschaffen. Doch dieses Requiem hat schon damals mit seinen dramatischen und lyrischen Passagen sowie der ausgewogenen Harmonik so begeistert, dass es beispielsweise Beethoven als seine Totenmesse ausgesucht hat. Es ist daher nur als kulturelle Bereicherung zu verstehen, wenn diese Totenmesse aus ihrem ursprünglichen Rahmen herausgenommen und als Konzert aufgeführt wird - auch wenn sie ohne Solisten auskommt. Die fehlen zwar keineswegs, dennoch war Hausens Gedanke, mit dem herausragenden Spiel des Ulmer Organisten Siegfried Gmeiner die Zuhörer in die Stimmung zum Requiem hin zu führen und die Atmosphäre zwischen den Liturgieformen wieder aufzugreifen, richtig und gut.

So durften die Zuhörer in der gut besuchten St. Alban Kirche zuerst mit der Sonate in d-Moll opus 31 vom gebürtigen Laichinger Heinrich Lang so richtig am prallen Leben teilnehmen, bis das Choralvorspiel "Alle Menschen müssen sterben" von Immanuel Faisst das Sterben und den Tod ins musikalische Spiel brachte. Das Fagott und die tiefen Streicher waren die Basis für den Laichinger Kantatenchor, der die düster-leidvolle Stimmung im teils homophonen "Introitus", dem Beginn des Cherubini-Reqiems spiegelte. "Requiem aeternam dona eis, Domine", ewige Ruhe, gib ihnen Herr, erklang im gut intonierten dunklen Gesang. In der eindrucksvollem Steigerung zu den Kyrie-Rufen zeigten sich Chor und Musiker als ein agiles Gefüge, welches Hausen mit souveräner Hand führte.

Das dramatische "Dies Irae" geriet so zum genussvollen Erlebnis dieser überwältigenden Musik. Nach dem fanfarenähnlichen Blechbläserauftakt und Paukenschlag erklang das Thema in den kurzen Strichen der Streicher drängend, das sich zum wuchtigen Fortissimo steigernde Crescendo des Chor untermauerte die Intensität dieses Ausrufs von Verzweiflung und Trauer. "Lacrimosa dies illa", Tag der Tränen, Tag der Wehen, sangen die Akteure mit tiefster Betrübtheit in den Stimmen und ein Versprechen nach Trost lieferten nur die gegenläufig zu den Choristen nach oben gerichteten Linien der Violinen. Der von Hausen stringent gehaltene Spannungsbogen schürte die fesselnde Wirkung.

Mit der Bitte um die Seelenrettung kam das "Offertorium" daher - ein befreiender Ruf, der in den Fugen "Quam olim abrahae promisisti" deutlich spürbar Gestalt annahm. Dynamisch das folgende "Sanctus", eingeleitet mit strahlendem Blech und Fortissimo im Chor, wo sich beim "Benedictus qui venit" die akzentuierten Stakkati der Männerstimmen in die der Frauen legten und sich zum jubilierenden Osanna vereinten. Zum Atem anhalten schön der Partwechsel von Klarinette, Englischhorn und Fagott sowie dem von Streichern begleiteten Chorgesang im demütig gehalten "Pie Jesus". Der gelungene Pianissimoschluss des "Agnus Dei" drückte seine große Verinnerlichung fast physisch aus - das Ende eines an dramatischen und lyrischen Abschnitten reichen, expressiven Konzertabends. Verstärkung erhielt der Laichinger Kantatenchor durch den Chor Vox Humana aus Ulm. Wie schon so oft, war auch die Hinzuziehung des Stuttgarter Brenzhaus Kammerorchesters die richtige Entscheidung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Täter von Eislingen entschuldigt sich in Abschiedsbrief

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. Er entschuldigt sich für die Tat in einem Abschiedsbrief. weiter lesen