Querspange: Bau beginnt erst nach dem Umzug der Wasservögel

Mit einem symbolischen Spatenstich ist gestern der Auftakt zum Bau der Querspange B 311/B 30 bei Erbach gemacht worden.

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Symbolischer Spatenstich für die Querspange bei Dellmensingen – auf der Trasse der Variante 1 a (von links): Landtagsabgeordneter Manuel Hagel (CDU), Bundestagsabgeordneter Heinz Wiese (CDU), Ministerialdirektor Uwe Lahl (Verkehrsministerium BW), der Erbacher Bürgermeister Achim Gaus, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Norbert Barthle (CDU), Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer (CDU), Landrat Heiner Scheffold, Bundestagsabgeordnete Hilde Matheis (SPD), Regierungspräsident Klaus Tappeser .  Foto: 

Eingerollte Transparente lassen einen Protest von Gegnern der Querspange vermuten. Das Gegenteil ist der Fall: „Danke für die Querspange“, steht auf dem einen, „Endlich geht’s los“, auf dem anderen. Verfasser ist die Interessengemeinschaft Pro Querspange. Es gibt etwas zu feiern, ein Bewirtungspavillon mit Snacks und Getränken ist aufgebaut, dazu erklingt Blasmusik von der Firmenkapelle Max Wild.

„So werden wir nicht oft begrüßt“, sagte der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser, der am Donnerstag um 14 Uhr die rund 200 Gäste zum symbolischen Spatenstich für die Querspange B 311/B 30 in der schwülen Hitze auf dem künftigen Polder bei Dell­mensingen willkommen hieß. „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Politik und Straßenbauer richtig liegen.“ In der ersten Reihe hörten Bürgermeister Achim Gaus, Landrat Heiner Scheffold, Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Prof. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im baden-württembergischen Verkehrsministerium, und der Ulmer Polizeipräsident Christian Nill zu. Dazu die Bundestagsabgeordneten Heinz Wiese (CDU), Ronja Kemmer (CDU) und Hilde Mattheis (SPD). Gekommen waren auch Alt-Bürgermeister Paul Roth, viele Stadträte, Ortsvorsteher, Erbacher Bürger.

„Das ist ein historischer Tag für die gesamte Region“, sagte Norbert Barthle. „Sie haben viele Jahre auf eine Entlastung gewartet und auf die Belastung aufmerksam gemacht.“ Die Kosten, die das Regierungspräsidium mit 34 Millionen Euro angibt, trage der Bund gerne. Ulm entwickle sich im Süden des Landes immer mehr zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Mit dem Bau der Querspange werde dafür gesorgt, dass der Verkehrsfluss aufrecht erhalten wird.

Ministerialdirektor Uwe Lahl, zurück vom „großen Diesel-Gipfel“, wies auf einen Trend im Straßenbau hin, der „uns Sorgen macht“: „Die Preise schießen durch die Decke“, manchmal verdoppelten sich diese sogar. Er sei gespannt, wie die demnächst anstehenden Ausschreibungen für die B 311 ausgehen.

Lahl erläuterte, warum der Spatenstich nur ein symbolischer ist. Bevor mit dem Straßenbau begonnen werden kann, müssen alle Ausgleichsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen sein. Eine dieser Maßnahmen ist der fünf Hektar große Polder. Er soll geflutet werden und Wasser- und Watvögeln eine neue Heimat bieten, da diese durch den Bau der Querspange am Ersinger Stausee und Donaurieder Stausee Lebensraum verlieren. 2020 soll mit Bau der Querspange angefangen werden, 2022 soll diese fertig sein.

Der Erbacher Bürgermeister Achim Gaus sagte, dass die Verkehrsbelastung inzwischen für die Anwohner nicht mehr zumutbar sei. Von den täglichen Staus in der Stadt seien auch die Stadtteile betroffen, weil der Verkehr dorthin ausweiche. „Die Querspange ist die einzige realistische Möglichkeit, die Stadt von einem Teil des Verkehrs zu entlasten.“

Über viele Jahre habe die Diskussion um die Querspange Konfliktpotenzial geborgen, die Entwicklung Erbachs blockiert. Letztlich habe schon keiner mehr daran geglaubt, dass die Straße jemals gebaut werde – als 2015 die Finanzierungszusage vom Bund kam. „Ich bin froh, dass wir jetzt endlich Klarheit mit dem Spatenstich für die Querspange haben.“ Er appellierte an alle Betroffenen, die Baumaßnahmen konstruktiv zu begleiten. Nur so lasse sich die eine oder andere Sache verbessern. Gaus schloss mit der Aufforderung an Regierungspräsidium und Landratsamt Alb-Donau, sich für einen Halt der schnellen Interregio-Express-Züge in Erbach stark zu machen. Dafür gab es lauten Applaus, bevor die ersten Korken im Bewirtungspavillon knallten.

Querspange Die B 311 verläuft mitten durch Erbach. Der sehr starke Durchgangsverkehr mit hohem Lkw-Anteil wird durch einmündende Straßen und Fußgängerüberwege mit Ampeln  behindert. Der Ost-West-Verkehr der B 311 soll mit der B 30 gebündelt werden, um Erbach und Teilorte sowie die Stadt Ulm zu entlasten.

Trasse Die Querspange von der B 311 zur B 30 beginnt bei Oberdischingen. Sie verläuft nördlich von Ersingen, südlich von Dellmensingen und schließt östlich von Dellmensingen im Bereich einer bestehenden Brücke an die B 30 Ulm–Biberach an, die nach Auffassung der Planer über genügend Kapazitäten verfügt.

Daten Die Querspange ist 5,9 Kilometer lang, dazu kommen rund 4,2 Kilometer für Anschluss-Strecken und Rampen. 14 Hektar Fläche werden für den Straßenbau verbraucht. Die Baukosten beziffert das Regierungspräsidium Tübingen mit 34 Millionen Euro. 13 Brückenbauwerke müssen erstellt werden.

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