Bahnhalt Merklingen: Minister will Baubeginn im Herbst

Nach Vorstellung von Verkehrsminister Winfried Hermann soll im Herbst mit dem Bau des Bahnhofs Merklingen begonnen werden. „Dann ist ein großes Fest angesagt“, sagte er am Donnerstag in Laichingen. Mit einem Kommentar: Mit Augenmaß planen.

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Das Projekt „Bahnhalt Merklingen“ ist auf die Schiene gesetzt. Nur unbekannte Höhlen im Untergrund oder eine negative Entscheidung des Eisenbahnbundesamts könnten das Vorhaben noch stoppen. Das haben der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Bahn-Projektleiter Dr. Stefan Kielbassa bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstag in Laichingen gesagt. Etwa 600 Zuhörer, darunter viele Mandatsträger aus der Region, verfolgten die Ausführungen der beiden – und spendeten kräftig Beifall.

Kielbassa hatte – wie der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann betonte – fristgerecht zum 15. Februar persönlich die Unterlagen für den an der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm geplanten Halt beim Eisenbahn-Bundesamt abgegeben. In der Daniel-Schwenkmezger-Halle zeigte sich der Ingenieur „überwältigt von diesem großen Interesse an einem winzig kleinen Stück der Neubaustrecke“ und gewährte den Zuschauern Einblicke in die Planunterlagen. Von beiden Schnellbahn-Gleisen führen „schlanke Weichen“, die mit entsprechender Geschwindigkeit befahren werden können, zu den Bahnsteig-Gleisen. Insgesamt sind acht Weichen nötig, denn auf jeder Seite braucht es aus Sicherheitsgründen zwei „Flankenschutzweichen“, die im Notfall den Zug ins Schotterbett leiten. Eine Brücke geht über alle vier Gleise, auf jeder Seite gibt es einen Treppenturm mit Aufzug. Die Bahnsteige werden jeweils 2,5 Meter breit, geplant sei dort „ein dürftiger Unterschlupf“, sagte Kielbassa. „Der Bahnhof lässt sich locker in dem zur Verfügung stehenden Gelände unterbringen“, erläuterte er. Es müssten keine zusätzlichen Flächen in Anspruch genommen werden. Dort, wo der Bahnhof westlich von Merklingen geplant ist, liegt die Bahntrasse etliche Meter unter dem jetzigen Geländeniveau. Auf einer Seite ist eine Böschung vorgesehen, auf der anderen Seite eine kleine Stützmauer.

Die Bahnsteiggleise sind nicht so lang, dass dort auch ein ICE Platz finden würde, sagte Kielbassa auf eine Frage aus dem Publikum. Gedacht ist der Halt nur für Regionalzüge. Der Bahnhof „Merklingen (Laichinger Alb)“, wie er bei der Bahn offiziell heißt, sei organisatorisch und von den Kosten her kein Bestandteil der Neubaustrecke, stellte Kielbassa klar, müsse aber in den Ablauf „sauber integriert“ werden. Der betreffende dritte Bauabschnitt der Neubaustrecke sei der letzte auf der Alb, der fertig wird. Es dürfe keine Verzögerungen geben. Kielbassa, der auch Pläne für die Straßenanbindung und Parkplätze zeigte, hofft auf eine Genehmigung des Bahnhalts durch das Bundesamt im Herbst 2016.

Rasch müssen nun Erkundungsbohrungen für den Bahnhof beginnen. Damit könne nicht gewartet werden, bis das Gelände abgetragen ist, sagte der Projektleiter. Um die Kosten für die Probebohrungen war es am Donnerstag in Stuttgart bei Besprechungen mit dem Finanz- und dem Verkehrsministerium auf der einen und den Bürgermeistern der Alb-Gemeinden und dem stellvertretenden Landrat Heiner Scheffold auf der anderen Seite gegangen.

Wie Winfried Hermann bei der Veranstaltung der Stadt Laichingen und des Aktionsbündnisses Bahnhalt sagte, wurde Einigkeit erzielt. Sein Ministerium bestätigte auf Nachfrage, dass es um rund zwei Millionen Euro geht. Kippt das Projekt, trägt das Land 80 Prozent, der Kreis und die Kommunen 20 Prozent. Die kommunale Seite schließt den Vertrag mit der Bahn ab und finanziert vor, das Geld wird aber auf den kommunalen Anteil von 13 Millionen Euro angerechnet. Wie berichtet, wird der Bahnhalt insgesamt auf rund 21 Millionen Euro geschätzt. Winfried Hermann bezeichnete die Bürgermeister von der Alb als „harte Verhandler“. Weil für die Bohrungen die Teilung des Risikos klar geregelt sei, könne auch Heroldstatt zustimmen, sagte Bürgermeister Ulrich Oberdorfer auf Nachfrage.

Wann die endgültige Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet werden wird, konnte Minister Hermann nicht sagen. Spätestens im Herbst, sagte er. Dann müsse aber auch schon Baubeginn sein, was mit einem großen Fest gefeiert werden solle. „Das Land wird alles tun, dass es klappt“, sagte Hermann. Er und die in Laichingen anwesenden Landtagsabgeordneten und -kandidaten sehen den Bahnhalt auch durch einen möglichen Regierungswechsel nicht gefährdet. Das Projekt sei „seriös besprochen“ und parteiübergreifend unterstützt worden, sagte der Minister. „Die Mehrheit sieht die Notwendigkeit.“


 

Ein Kommentar von Joachim Striebel: Mit Augenmaß planen

Es ist selten, dass sich so viele Menschen zusammentun, um nicht gegen etwas zu sein, sondern für etwas einzutreten. Der Einsatz für den Bahnhalt in Merklingen schweißt zusammen. Das hat der von rund 600 Leuten besuchte Info-Abend in der Laichinger Daniel-Schwenkmezger-Halle eindrücklich gezeigt. Die Vertreter von Kommunal- und Landespolitik, Wirtschaft, Bahn und Bürgerschaft erkennen die Chance eines Bahnhofs vor der Haustür. Sie ziehen an einem Strang und in dieselbe Richtung. Jeder legt sich ins Zeug, um am Ende nicht etwa derjenige zu sein, der für ein Scheitern verantwortlich ist.

Nach den Äußerungen von Verkehrsminister Winfried Hermann, Bahn-Projektleiter Stefan Kielbassa und den Vertretern der im Landtag vertretenen Parteien sah es noch nie so gut aus für den Bahnhalt in Merklingen.

Die Gemeinden der Laichinger Alb sollten jetzt schon darüber nachdenken, was sein wird, wenn der Haltepunkt in Betrieb ist. Die Nachfrage nach Bauland für Wohnen und Gewerbe wird steigen, damit verbunden ein Verbrauch von Flächen, die der Landwirtschaft entzogen werden. Die Dörfer und teils auch die Landschaften drumherum werden sich verändern – weg von der allseits geschätzten bäuerlich geprägten Kulturlandschaft. Aufgabe der Gemeinden ist, das richtige Maß zu finden zwischen Bewahrung und Entwicklung – nicht jede für sich, sondern wiederum gemeinsam.

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