Bahn lässt Lärm messen

Der Immissionsbeauftragte der Bahn hat nachts in Merklingen Lärm gemessen: Immerhin 66 Dezibel zeigte das Messgerät während einer Sprengung an.

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Kurz nach Mitternacht hält ein Baufahrzeug im Merklinger Meisenweg. Der Fahrer steigt aus, orientiert sich, knipst eine Taschenlampe an. Was verdächtig aussieht, entpuppt sich als harmlos: In der Nacht zum Dienstag hat die Bahn aufgrund des Berichts in der SÜDWEST PRESSE den Immissionsbeauftragten Stephan Schulze nach Merklingen geschickt. Er soll überprüfen, wie sich die Sprengungen an der Tunnel-Baustelle Hohenstadt in Merklingen und den Nachbargemeinden auswirken.

Um 0.15 Uhr ist in dem Wohngebiet ein leiser Knall zu hören, gefolgt von einem zweiten, das war es dann schon. Das Gerät von Schulze zeigt immerhin 66 Dezibel an. Um 4 Uhr will er zur nächsten Messung zurück sein. Am nächsten Tag um 8 Uhr sind erneut Detonationen zu vernehmen: Deutlich lauter als die um Mitternacht.

Günter Riebort, Bürgermeister der Gemeinde Hohenstadt, kennt das Problem aus Erfahrung. Auch in seiner Gemeinde seien Leute nachts aus dem Schlaf geschreckt worden. Seit Monaten sei er täglich mit der Bahn in Kontakt. Informationen über das Vorgehen und Pläne über weitere Bauabschnitte erhalte er aber nicht. In Hohenstadt selbst sei es derzeit ruhiger, was wohl am Baufortschritt liege. Anfänglich habe die Bahn beschwichtigt und den hohen Lärmpegel in Hohenstadt angezweifelt. Auch nach den am Montag erhobenen Vorwürfen aus Merklingen wies das Bahn-Kommunikationszentrum zurück, dass die Baustelle in Hohenstadt Ursache für das Wackeln von Wänden und das Klirren der Fenster sei. Trotzdem schickte es den Immissionsschutzbeauftragten los.

"Man kann die Baustelle nicht verhindern, aber man kann sich wehren", sagt Bürgermeister Riebort. "Kämpfen und nicht locker lassen, dann passiert was." In Hohenstadt seien die Sprengungen nach Gesprächen mit der Bahn nachts eingestellt worden. Teilweise seien die Sprengladungen vermindert worden. Wie zuvor schon Bürger aus Merklingen und Nellingen, sprachen gestern auch Laichinger von Detonationsgeräuschen.

Michael Schmidt, Leiter der Bau-Info Stuttgart-Ulm, schreibt in einer Stellungnahme der Bahn zum Sprenglärm auf der Laichinger Alb, dass nach Meinung von Fachleuten die Erschütterungswellen normalerweise nicht über eine Distanz von zehn Kilometern bis nach Merklingen übertragen werden. Die Bahn nehme aber die Klagen ernst. Bürger werden gebeten, unter Angabe von Zeit und Ort Lärm- und Erschütterungsvorkommnisse zu melden unter Tel. (0711) 21 32 12 12 oder per E-Mail (Adresse: bauen@stuttgart-ulm.de).

Info Für Baustellenlärm gibt es Richtwerte, sie schwanken je nach Charakter des betroffenen Gebietes (Kurgebiet, Wohngebiet, Industriegebiet) nachts zwischen 35 und 70 Dezibel.

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