Badegäste stören Seebühne

Badegäste mussten die Anlage am Erbacher See vorzeitig verlassen, weil auf der Seebühne Theater gespielt wurde. Das gab Ärger. Nun soll ein Kompromiss beides ermöglichen: Kunst und Baden.

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Das Theater Erbach zeigt auf der Seebühne heute und morgen Abend "Beatles on Board". Weil das Stück lauter ist, können die Badegäste bleiben.  Foto: 

Weil auf der Seebühne die Aufführung von "Beatles on Board" bevorstand, seien etwa 1000 Badegäste am ersten Juliwochenende mit einer Lautsprecherdurchsage vorzeitig aus der Badeanlage am Erbacher See vertrieben worden, kritisierte SPD-Stadtrat Elmar Röhr am Montagabend in der Sitzung des Verwaltungsausschusses des Gemeinderats. Ihm sei berichtet worden, dass die Badegäste um 20 Uhr aufgefordert wurden, die Anlage zu verlassen - anderthalb Stunden vor Badeschluss. Letzter Einlass ist um 20 Uhr. Röhr: Das sei zwischen der Stadt und dem Theater Erbach so nie vereinbart worden. Es müsse ein Nebeneinander von Kunst und Baden möglich sein, forderte er.

Bürgermeister Achim Gaus war von dem Vorgang bis dahin nichts bekannt. Es gebe keinen Vertrag, in dem eine vorzeitige Schließung der Badeanlage vereinbart ist, erklärte Gaus. Er hat inzwischen in einem Gespräch mit Theaterchefin Marion Weidenfeld die Angelegenheit geklärt. Beide Seiten seien wohl "von unterschiedlichen Voraussetzungen" ausgegangen. "Wir davon, dass die Anlage wie gewohnt offen bleibt, und das Theater davon, dass es ohne Nebengeräusche spielen kann." Die Praxis, dass Gäste zum Verlassen aufgefordert werden, sei wohl nur deshalb bisher kein Thema gewesen, weil das Wetter meistens so schlecht war, dass es keine Aufführungen gab. Bei den sommerlichen Temperaturen seien derzeit aber besonders viele Badegäste am See. Er und Weidenfeld hätten für die restliche Saison einen Kompromiss vereinbart. So können die Badegäste bei relativ lauten Stücken wie "Beatles on Board", das an diesem Wochenende gespielt wird, bleiben. Allerdings werde der abgrenzende Bauzaun ein Stück Richtung Kiosk gerückt. Die Badegäste würden gebeten, verstärkt die Liegewiese bei Kinderbereich und Kiosk zu nutzen. Ferner sollen die Bademeister einschreiten, wenn es unter den Badegästen besonders laut wird. Vor den auf Ruhe angewiesenen Vorstellungen wie "Querfeldein" am 19. und 23. Juli sowie dem abschließenden Konzert mit "Trias" (25. Juli) sei um 20 Uhr Badeschluss.

Marion Weidenfeld räumte auf Anfrage ein, dass sie es gern für alle Vorstellungen gehabt hätte, dass die Badeanlage früher schließt. "Ich möchte unserem Publikum die Stücke so gut wie möglich über die Bühne bringen. Das sind wir als professionelles Ensemble der Sache schuldig", sagte die Theatermacherin. Auch handele es sich um höchstens neun Veranstaltungen in einer Saison. Zugleich liege es ihr fern, Badegäste zu vergraulen. Deshalb biete sie schon bislang Dauerkarteninhabern einen Euro Rabatt auf den Eintrittspreis an, zuletzt sogar eine Ermäßigung von 16 auf zehn Euro. Mit dem Kompromiss seien beide Seiten einen Schritt aufeinander zugegangen - im Sinne eines "guten Miteinanders". "Ich habe ein gutes Gefühl, dass es klappt", sagte sie.

Elmar Röhr hält den Kompromiss ebenfalls für einen gangbaren Weg, erklärte er auf Nachfrage. Weitere "flankierende Maßnahmen" könnten zum Beispiel ein Hinweis "Heute Theatervorstellung" sein oder ein späterer Beginn der Vorstellungen. "Bei gutem Willen beider Seiten muss ein Nebeneinander möglich sein", sagte der Rat.

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