Backen erlebt Renaissance - Kurse im Backhaus in Laichingen

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Das Backhaus: Über viele Jahrzehnte war es Mittel zum Zweck. Täglich rauchte es aus den Schloten der Backhäuser, wenn die Hausfrauen ihre Brotvorräte auffrischten. Inzwischen ist es eine Tradition. Vier Backhäuser gab es in Laichingen einst, nur noch eines ist übrig geblieben. Gegenüber der Kirchenburg gelegen, ist es Teil eines Verbunds historischer Gebäude.

Das Backhaus und die Tradition erhalten, dieser Aufgabe nimmt sich ein Grüpplein Backhausbegeisterter in Laichingen an. Sie sind die letzten, die das Backhaus zwar mäßig, aber regelmäßig nutzen. Darunter sind auch einige Männer, denn das Einschießen der Brote in den Ofen ist kräftezehrende Arbeit, die Frau gern dem starken Geschlecht überlässt. „Dabei treibt einem längst nicht nur die Hitze aus dem Steinofen den Schweiß aus den Poren“, meint Martina Klein, die von den letzten acht Nutzern des Backhauses zur Sprecherin erkoren wurde. So geschehen Anfang Dezember, als diese Gruppe mit einer ersten Aktion zum Erhalt des Backhauses aufgerufen hat. An dem Tag, als die Innenstadt gesäumt war von den Ständen des Weihnachts-Krämermarkts, quoll dicker Rauch aus dem Backhaus. Und davor bildete sich eine Menschentraube. Viele waren gekommen, um eines der begehrten Backhausbrote zu ergattern – und mit dem Kauf das Backhaus zu unterstützen. Eine Aktion, die die sechs beteiligten Frauen und Männer bis aufs Äußerste forderte. Mit solch einem Andrang hatten sie in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet.

Schon zwei Tage zuvor hatte die Backfrau Rosetta Szemenyei den Ofen vorgeheizt, denn nach langen Leerzeiten muss eifrig geheizt werden mit viel Reisignachschub, damit die nötige Backtemperatur erreicht wird. Während der Schamottstein aufgeheizt wurde, kneteten die anderen Helferinnen in großen Bottichen den Brotteig. Morgens um 6 Uhr wurde die erste Ladung Brot gebacken, gleich darauf die zweite – und der Andrang vor dem Backhaus ließ nicht nach.   Noch einmal wurde Teig gemacht, noch mehr Reisigbüschel wanderten in den Ofen solange der Teig ruhte, dann, gegen 13 Uhr, kamen die letzten 80 Brote aus dem Ofen.

Weit mehr als 100 Kilogramm Mehl hatten die Frauen zu Teig verarbeitet, rund 200 Brote und etwa 150 Wasserwecken hat Thomas Schrezenmeier eingeschossen. Einige wenige Kunden machten ihrem Ärger, umsonst angestanden zu haben, lautstark Luft. Andere hingegen lobten diesen dreitägigen Einsatz und spendeten für den Zweck, ohne ein Brot mitzunehmen. 1102 Euro brachte der Brotverkauf ein, weitere 182 Euro gingen als Spenden ein. Das Geld bekommt die Stadt, ein Dankeschön für die Möglichkeit, im Backhaus backen zu können, verknüpft mit der Bitte, die Tradition zu erhalten.

Die Backgruppe will das Backhaus künftig mit mehr Leben füllen. 15 Interessierte haben sich bei der Backaktion für einen Kurs angemeldet. Ende Januar wird dann in der Erich-Kästner-Schule Teig geknetet und im Backhaus gebacken. In einem zweiten Schritt sollen die künftigen Backhausnutzer im Wald das Reisig bündeln. Denn ohne solche Büschel kann kein Ofen angeheizt werden. Zudem will die Gruppe sich Anregungen und Tipps von Leuten holen, die in der Region noch Backhäuser betreiben. Ihr größter Wunsch: Eine Teigmaschine im Backhaus. „Das würde vieles vereinfachen“, sagt Martina Klein. Denn ein Zuckerschlecken ist das Backen im Backhaus beileibe nicht. „Aber jede Gruppe hat ihren Spaß dabei.“ Manche stoßen gar heiter mit Sekt an, während sie darauf warten, das knusprige Brot aus dem Ofen zu holen. Ob Sekt oder Selters, eines eint sie alle: die Freude an guten Gesprächen in geselliger Runde und am Ende ein herzhafter Biss in warmes, knuspriges Brot.

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