Aus Liebe zur Agatha-Kirche

Am 13. September feiert die Kirchengemeinde Illerrieden das 550-jährige Jubiläum der St. Agatha-Kirche zeitgleich mit dem Heilig-Kreuz-Patrozinium. Junker Welzlin baute das sakrale Schmuckstück.

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Wer die St. Agatha-Kirche, hoch oben auf dem Berg in Illerrieden, betritt, spürt Geschichte. Der Holzboden knarrt, das Licht fällt durch sechs große Fenster auf den Chor mit seiner Kreuzigungsszene und auf die anderen Gemälde und Heiligenfiguren.

Besonders beliebt ist die Kirche bei Hochzeitspaaren. Die St. Agatha habe eine bessere Akustik als die Heilig-Kreuz-Kirche, erklärt Manuel Aubele, der zweite Vorsitzender des Kirchengemeinderates. Für Pfarrer Gerhard Bundschuh hingegen ist es besonders schön, die Gemeinde "näher beisammen zu haben". Bereits seit 1972 ist die St. Agatha-Kirche nicht mehr Pfarrkirche am Ort, weil sie zu klein für die wachsende Gemeinde wurde. Heute finden hier nur noch Hochzeiten und Trauerfeiern statt.

"Gleich zwei Kirchen für so eine kleine Kirchengemeinde: Das ist außergewöhnlich", sagt Manuel Aubele. Ein Schmuckstück sei die historische St. Agatha Kirche, aber eben auch eine finanzielle Belastung, gibt Pfarrer Bundschuh zu bedenken. Mehrere Renovierungsarbeiten waren in den vergangenen Jahrhunderten nötig, um das sakrale Kleinod zu erhalten.

Erbaut wurde das kleine Gotteshaus 1465 von Junker Johannes Welzlin. "Ihren Namen erhielt sie vermutlich von Welzlins Ehefrau", mutmaßt Edmund Mayer, der Vize-Vorsitzende des Orgelförderkreis St. Agatha. Er muss es wissen, denn er ist Hobby-Historiker mit einer besonderen Vorliebe für die alte Kirche. Standfest sei sie immer gewesen, sagt er. Die Agatha-Kirche wurde ohne Fundament gebaut. Außerdem ist sie nicht geweiht. "Und trotzdem steht sie noch", scherzt der Geschichtsinteressierte. Die Fundamente unter Turm und Chor wurden erst 2013 bei Renovierungsarbeiten nachträglich gegossen. Geweiht habe man die Kirche damals nicht, weil sie ursprünglich nur als Kapelle gedacht war, erzählt Mayer weiter. Original erhalten sind heute noch der Kirchturm, der Chor sowie viele der Verzierungen und Gemälde im Innenraum der Kirche.

Zum ersten Mal umgebaut wurde die Kapelle im Jahr 1750, als das kleine baufällige Kirchenschiff abgetragen wurde und das Langhaus neu erbaut wurde. Auf die heutige Größe wurde die Kirche 1893 erweitert. Die letzten aufwendigen Renovierungen datieren aus 2008 und 2013. Das vom Holzwurm schwer angegriffene Gebälk wurde 2008 saniert. Vor zwei Jahren waren dann der Innenraum, das Dach und teilweise die Außenhaut an der Reihe.

Die erste Orgel erhielt die Kirche 1818, als Pfarrer Michael Braig ein gebrauchtes Instrument in Dornstadt für 66 Gulden erwarb. Ersetzt wurde es 1896 durch eine einmanualige Orgel mit Pedal, gebaut von Christoph Ludwig. Die alte Orgel wurde in Zahlung gegeben. Noch heute steht sie in der evangelischen Kirche St. Phillipus und Jakobus in Steingebronn bei Gomadingen.

In ihrer langen Geschichte zeigten die Gemeindemitglieder mehrfach, wie viel ihnen an ihrer St. Agatha-Kirche liegt. Als beispielsweise die St. Michael Statue aus einer Außennische gestohlen wurde, sprangen die Vereine in die Bresche. 1985 stellten sie 14 000 Mark zur Verfügung, um die Figur naturgetreu nachbauen zu lassen. Bis heute blickt der nachempfundene Michael draußen auf die Gläubigen herunter. Als klar wurde, dass die Orgel in so schlechtem Zustand ist, dass es sich nicht mehr lohnt, auch nur einen Cent zu investieren, machte der Orgelförderkreis es sich zur Aufgabe, eine neue Orgel zu beschaffen. Finanziert wurde die neue Orgel durch Spenden, Benefizkonzerte und den Verkauf von Orgelpfeifen. 2014 war es dann soweit:Weihbischof Dr. Johannes Kreidler weihte die neue Orgel.

Zusammen mit den Renovierungen der Vorjahre sei die St. Agatha-Kirche nun bestens gerüstet für ihr 550-jähriges Jubiläum gerüstet, sagt Aubele.

Info Der Gottesdienst in der Agatha-Kirche am Sonntag, 13. September, beginnt um 10 Uhr.

Jubiläumsgottesdienst wird ins Freie übertragen

Alle sollen Platz finden, beim Kirchenpatrozinium und beim Jubiläum: "Deshalb stuhlen wir auch den Außenbereich und übertragen den Gottesdienst nach draußen", kündigt Pfarrer Gerhard Bundschuh die Vorgehensweise am Sonntag, 13. September, an. Moderne Technik macht es möglich, dass mehr Besucher den Gottesdienst anlässlich der 550-Jahr-Feier mitverfolgen können. Das Jubiläum wurde deshalb vom 5. Februar, dem Gedenktag der Heiligen St. Agatha, vorverlegt. Neben Pfarrer Bundschuh und Bischof Dr. Gebhard Fürst werden die Pfarrer Antony Arulraj und Hans Hänsler den Gottesdienst begleiten sowie Diakon Wolfgang Kuhn. Die Frauenchöre aus Regglisweiler, Ochsenhausen und Erolzheim unter Leitung von Walter Gropper umrahmen den Gottesdienst. Auch die Fahnenabordnung der Vereine sind zugegen. Der Musikverein Illerrieden spielt danach ein Ständchen am Rathaus, bevor im Gemeindesaal gemeinsam gefeiert wird.

 

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