Aus Liebe zum Sport

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Ex-Ortsvorsteherin, Ex-Präsidiumsmitglied beim WLSB, Ex-Beauftragte für das Sportabzeichen beim Deutschen Sportbund, Ex-Vorsitzende des TSV Herrlingen: Die Liste der Ehrenämter  von Mechthild Laur ließe sich beliebig fortsetzen. Noch immer ist sie Vorsitzende des Seniorenrats Alb-Donau.    Foto: 

Letztlich geht alles aufs Turnen zurück. Egal, welche Ehrenämter Mechthild Laur in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten innehatte – die Klammer ist stets der Sport. „Ja. Sport ist meins“, sagt die 73-Jährige. Bereits im Alter von fünf Jahren war sie beim Herrlinger Sportverein. Dass sie den heute 750 Mitglieder zählenden Verein einmal als Vorsitzende führen würde, und das mehr als 24 Jahre lang, dachte sie damals, im Jahr 1946, sicher nicht. „Wir waren begeisterte Tunerinnen“, erzählt Mechthild Laur über sich und ihre zwei Schwestern. Nur der Bruder habe Tischtennis gespielt.

Für die Mädels gab es nur Turnen. „Wir hatten einen tollen Übungsleiter, zu dem haben wir nur ,d’r Bock-Müller’ gesagt.“ Wie gut er den Kindern die Übungen erklären konnte, sei ihr erst viel später klar geworden, als sie selbst Turnen (und Hauswirtschaft und Handarbeit) in Kirchheim studierte. Ihre erste Stelle als Lehrerin hatte sie in Oberderdingen im Kraichgau Ende der 60er Jahre. Neben dem Schulsport leitete sie dort auch den Mädchensport des Sportvereins. Nach der Heirat mit ihrem Mann Gernot zog das Paar wegen der Arbeit zunächst nach Söhnstetten im Kreis Heidenheim, dann nach Dietenheim, um zwei Jahre später nach Herrlingen zurückzukehren. „1974 hab’ ich sofort wieder als Übungsleiterin angefangen.“ Da sie damals kleine Kinder hatte, leitete sie nicht nur das Kinderturnen, sondern auch eine Mütter-Turngruppe. „Wir sind zusammen alt geworden, wir sind noch immer eine Truppe“, erzählt Mechthild Laur und lacht.

Jugendleiterin, Abteilungsleiterin Leichtathletik, Technische Leiterin, Vorsitzende. Alles beim TSV Herrlingen. Würde man an dieser Stelle auch die Funktionen auflisten, die sie im Sportkreis Ulm, beim Württembergischen Landessportbund (WLSB), dem Landessportverband Baden-Württemberg und dem Deutschen Sportbund innehatte, es würde glatt ganze Spalten füllen. Dazu die Ehrenämter als Ortschaftsrätin in Herrlingen, Gemeinderätin in Blaustein und von 2009 bis 2014 gar Ortsvorsteherin von Herrlingen. „Das waren lehrreiche fünf Jahre und kein Honigschlecken. Da hab’ ich Dinge nochmal von einer ganz andere Seite kennengelernt.“

Letztlich sei sie in all die Ämter „reingewachsen“, vor allem im Sport, erklärt die 73-Jährige. Die Menschen, die vielen Kontakte in ganz Deutschland, die Ideen und Konzepte: „Da hat sich viel entwickelt, und es ist schön, ein Teil davon zu sein.“ Sie sei immer neugierig auf Neues gewesen.  „Und wenn man offen ist, ein Verständnis für immer mehr Zusammenhänge bekommt, dann interessiert man sich für alles.“

Etwa das Thema Frauen. Mechthild Laur wurde 1994 nicht nur als eine der ersten Frauen für die Freien Wähler in den Alb-Donau-Kreistag gewählt, sondern sie war viele Jahre auch aktiv in der Frauenkommission des Landessportverbands. Heute seien Frauen ganz selbstverständlich in allen Gremien auf allen Ebenen vertreten. Früher nicht. Nicht etwa, dass Mechthild Laur das als ihr Verdienst ansehen würde. „Aber da hat sich im Laufe der Jahre viel entwickelt.“ Jahrelang war sie im Frauenbeirat des WLSB. „Ein tolles Gremium. Und von wegen Stutenbissigkeit. Wir haben damals bewiesen, dass Frauen sehr wohl sehr gut miteinander arbeiten können.“

Ständig sei sie unterwegs gewesen in dieser Zeit. „Die Kinder waren groß genug.“ Es ging nach Frankfurt und Berlin, häufig  sprach sie für den WLSB Grußworte bei Vereinsjubiläen im Land – und nebenher war sie für den TSV Herrlingen aktiv. Der Verein habe von ihrer Arbeit als Sport-Funktionärin profitiert, weil sie viel Input und Ideen mitbrachte, sagt Mechthild Laur. „Aber auch anders herum. Denn ich konnte in diese Gremien einbringen, was an der Basis nötig und wichtig ist.“

Als vor gut zehn Jahren ihr Mann plötzlich zum Pflegefall wurde, und Mechthild Laur diese Aufgabe ganz bewusst annahm, musste sie ihre ehrenamtliche Arbeit runterschrauben. „Zumindest konnte ich nicht mehr einfach über Nacht weg.“ Aber Laur wäre nicht Laur, wenn sie sich nicht eine neue Aufgabe in der Nähe gesucht hätte: 2006 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Seniorenrats Alb-Donau-Kreis, seit 2009 ist sie dessen Vorsitzende. Logisch: Sie kam über das Thema Seniorensport in das Gremium. Und hat auch hier den Ehrgeiz entwickelt, die Dinge neu zu denken. Deshalb hört sie sich Fachvorträge an, nimmt an Fortbildungen teil, liest nach, wie Seniorenarbeit etwa in anderen Ländern funktioniert. „In Dänemark gibt es wirklich tolle Ansätze.“ Ihrer Meinung nach sollten sich die Kommunen mehr einbringen, Aktivitäten anbieten: „Und zwar im Sinne es eines guten Miteinanders von Jung und Alt.“ Die Vereine spielten hier eine wichtige Rolle, weil sie sich vernetzen und ein soziales Gefüge aufbauen könnten. Senioren seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft: „Aber sie umfassen heutzutage  30 bis 40 Jahrgänge, die alle unterschiedlich sind in ihren Interessen, ihrer Fitness, ihren Ansprüchen.“

Woher die Motivation kommt, sich so lange mit so viel Elan zu engagieren? „Meine Eltern waren da Vorbild. Ich hab’ das von Haus aus mitbekommen.“ Und obwohl sie den Vorsitz des TSV im Frühjahr abgegeben hat, ist sie dort natürlich weiter aktiv: Zum einen als Übungsleiterin für die Seniorinnen, zum anderen überarbeitet sie das Archiv. „Wir haben zum 100-jährigen Bestehen schon einiges erarbeitet. Jetzt ordne ich alles und erstelle ein Findbuch.“ Andere Interessen? „Ja klar. Klassische Musik, vor allem Geigenkonzerte. Und Geschichte“, sagt Laur, die Besuchergruppen durch das Rommel-Archiv in der Herrlinger Lindenhof-Villa führt. Turnen hält fit. Offenbar nicht nur körperlich. 

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