Aufrunden für einen guten Zweck

"Aufrunden, bitte!" steht seit kurzem auf Aufklebern in einigen Geschäften der Region. Dahinter steckt die Initiative "Deutschland rundet auf" . Mit wenigen Cent sollen Kunden nebenbei Gutes tun.

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Plakate wie hier im Kaufland in Erbach erklären, um was es bei "Deutschland rundet auf" geht. Foto: Oliver Schulz

Blaue Aufkleber. "Aufrunden, bitte!" oder "Deutschland rundet auf" steht darauf. Sie hängen seit wenigen Tagen in Geschäften der Region, zum Beispiel im Kaufland Erbach. Auch im Fernsehen sieht man die blauen Logos immer wieder: In einem Spot erzählen Menschen, wie einfach es ist, an der Kasse "Aufrunden, bitte" zu sagen und so mit wenigen Cent etwas Gutes zu tun.

Seit 1. März sammelt die Initiative "Deutschland rundet auf" bundesweit Spenden. Jeder, der bei einem der 15 Handelspartner, etwa Penny, Douglas, Netto oder Reno im Laden oder online einkauft, kann bis zum nächsten Zehn-Cent-Betrag aufrunden. Statt 5,83 Euro bezahlt er dann 5,90 Euro. Die aufgerundeten Cent, in diesem Beispiel sieben, fließen zu hundert Prozent in soziale Projekte, verspricht Christian Vater, Gründer und Geschäftsführer der Stiftung "Deutschland rundet auf".

"Spenden werden nicht für die Kosten der Organisation verwendet", betont er. "Wir finanzieren uns aus Partnergebühren." Jedes Unternehmen, das mit der Stiftung kooperiert, muss eine jährliche Gebühr bezahlen. Sie liegt bei den 15 ersten Partnern - alles große, deutschlandweit tätige Firmen - zwischen 5000 und 99 000 Euro pro Jahr. "Sie machen jeweils mindestens 200 Millionen Euro Umsatz. Bei der örtlichen Bäckerei würden wir die Gebühr natürlich entsprechend anpassen."

Denn auch in der Bäckerei in Langenau, am Kiosk in Ulm und im Fachgeschäft in Vöhringen sollen Kunden aufrunden können. Vater wünscht sich, dass es irgendwann an jeder Kasse in Deutschland möglich ist, mit wenigen Cent Gutes zu tun. Viele Interessenten, groß und klein, gebe es bereits. Die Stiftung will sicherstellen, dass jeder Partner über ein geeignetes Kassensystem verfügt. "Die Spenden für ,Deutschland rundet auf sind im System als eine Warengruppe hinterlegt. Wie Brot oder Milch", erklärt Vater. "Sie wird taggleich abgerechnet. Die gespendete Summe wird vom Handel gesammelt und in festen Rhythmen an uns weitergegeben." Mitte April sollen auf der Webseite die ersten Zahlen veröffentlicht werden.

Wie viel die Kunden im Kaufland in Erbach durchs Aufrunden bereits gespendet haben, weiß Filialleiter Umut Bakir noch nicht genau. Doch die Aktion werde ganz gut angenommen. "Viele Kunden machen mit und runden auf." Sie hätten sich nicht über die blauen Kleber gewundert und nicht nachgefragt, erzählt er. "Die Aktion wurde gut beworben, zum Beispiel in unserem Werbeheft und mit großen Plakaten im Markt."

Das Ziel der Aktion will Vater nicht an einer Summe messen oder festmachen. "Möglichst jeder soll mitmachen, das ist uns wichtig. Wir wollen zeigen: Hier bewegt sich was." Deshalb liegt der Höchstbetrag, der gespendet werden kann, auch bei nur zehn Cent. "Wenn jeder von uns nur ein paar Cent gibt, dann können wir gemeinsam viel bewirken." Die Spenden kommen "sorgfältig ausgewählten und unabhängig qualitätsgesicherten Projekten zugute", heißt es auf der Webseite. Gesellschaftliche Probleme in Deutschland sollen nachhaltig gelöst werden. In diesem Jahr steht die Zukunftssicherung von Kindern und Jugendlichen im Fokus.

Das erste Projekt, das unterstützt wird, ist die Eltern-AG. Eltern in schwierigen Lebenslagen erhalten Unterstützung in Erziehungsfragen. "Das schafft Chancengleichheit für die Kleinsten und Schwächsten unter uns - die Kinder", erklärt "Deutschland rundet auf" in einer Pressemitteilung. Mit Hilfe der Aufrundungsbeträge soll die Eltern-AG, die es in acht Bundesländern gibt, bundesweit verbreitet werden, also auch nach Baden-Württemberg kommen. "Dafür benötigen wir 245 000 Euro", sagt Vater.

Jedes einzelne Projekt hat einen klaren Finanzierungsbedarf. "Wir sammeln so lange für ein Projekt, bis die Summe erreicht ist. Dann folgt ein anderes." Bei der Auswahl der sozialen Projekte ist es dem Kuratorium wichtig, dass ein Vorhaben bereits bewiesen hat, dass es an mindestens zwei Standorten nachhaltig etwas erreicht hat und funktioniert, erklärt Vater. "Und dass das Projekt und seine Macher bundesweites Potenzial haben, also in der Lage sind, das auch an anderen Orten zu schaffen."

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