Auf dem Weg zur Windkraft-Region

Das Ziel ist klar: Mehr Strom aus Windkraft. Auf dem Weg ist ein weiterer Schritt getan. Die informelle Anhörung des Konzepts des Regionalverbands zum Ausbau der Windenergie ist abgeschlossen.

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Sollen in der Region Arbeit bekommen: Windkraftanlagen-Monteure. Archivfoto: Volkmar Könneke

Die 54 Windräder auf dem Gebiet des Regionalverbands Donau-Iller produzieren jährlich etwa 87 Millionen Kilowattstunden Strom. Hört sich nach viel an, entspricht aber gerade mal 1,2 Prozent des Verbrauchs in der Region. Nach der von der Bundespolitik im vergangenen Jahr verordneten Energiewende hat sich der Regionalverband daran gemacht, die rechtlichen Voraussetzungen für deutlich mehr Windstrom zu schaffen. Gelingen soll das mit der "Fortschreibung des Kapitels Windenergie im Regionalplan". Das erste Konzept dazu hat der Planungsausschuss des Verbands im vergangenen Herbst beschlossen und damit auf den Weg durch die Genehmigungs-Instanzen geschickt.

"Informelle Anhörung" hieß die erste Runde, die vor drei Monaten begonnen hat. Bürger, Kommunen und "Träger öffentlicher Belange" - das sind zum Beispiel Behörden und Verbände - konnten bis vergangenen Freitag Stellungnahmen abgeben. Manche Gemeinden sind allerdings noch nicht soweit, sie sollen ihre Erklärungen bis Ende des Monats nachreichen. Die Einwände müssen dann gesichtet, bewertet und in den nächsten Entwurf des Windenergie-Regionalplans eingearbeitet werden. Auch ein Umweltbericht mit Ausführungen zum Artenschutz werde erstellt, sagt Dr. Ulrich Otterbach, stellvertretender Direktor des Regionalverbands.

Sobald der Windkraft-Entwurf die Gremien des Verbands passiert hat, beginnt die nächste Beteiligungsrunde, die offizielle Anhörung. Wieder haben Bürger, Kommunen und "Träger öffentlicher Belange" drei Monate Zeit für Einwände. Sind die Stellungnahmen eingearbeitet, trifft die Verbandsversammlung den Satzungsbeschluss. Das könnte noch in diesem Jahr passieren, meint Ottersbach, wahrscheinlicher aber sei ein Termin im ersten Quartal 2013.

Damit ist der Plan, der festlegt, wo künftig "raumbedeutsame" Windräder mit mindestens 50 Metern Nabenhöhe gebaut werden dürfen, aber noch nicht rechtskräftig. Dafür ist die Zustimmung der Landesplanungsbehörden erforderlich. In Baden-Württemberg ist das Verkehrs-, in Bayern das Wirtschaftsministerium zuständig. Ottersbach hofft, dass die Behördenmühlen in Stuttgart und in München zügig mahlen werden. Schließlich haben beide Landesregierungen das Ziel formuliert, bis zu den Jahren 2020 und 2021 solle Windkraft zehn Prozent des Stromverbrauchs decken.

In seinem Konzept hat der Regionalverband "potentiell geeignete Gebiete" vorgeschlagen, in denen bis zu 450 weitere Windräder aufgestellt werden könnten. Allerdings haben die Beratungen in den Gemeinde- und Stadträten während der informellen Anhörung gezeigt, dass Konzept und kommunalpolitischer Wille nicht immer zusammenpassen. Vehemente Windkraftgegner gebe es in manchen Gemeinden im Unterallgäu, sagt Ottersbach. Dagegen seien die früher als Skeptiker bekannten Bürgervertreter im Kreis Biberach mittlerweile der Windkraft gegenüber aufgeschlossen.

In manchen Kommunen des Alb-Donau-Kreises dagegen besteht der Wunsch, mehr Windkraft-Vorrangflächen auszuweisen als der Regionalverband vorsieht. Im Langenauer Teilort Göttingen zum Beispiel ist der Ortschaftsrat überzeugt, einen passenden Standort gefunden zu haben. Der Haken an dem Platz: Es handelt sich um ein Waldgebiet. Schon für ein Windrad müssten Bäume gefällt werden. Absicht und Wille des Regionalverbands ist es aber, Standorte auszuweisen, die groß genug für mindestens drei Anlagen sind. So soll das Landschaftsbild geschont werden.

Nicht wenige der möglichen Standorte auf der Alb befinden sich innerhalb des 15-Kilometer-Radius um die Radarstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bei Türkheim. Während im Fünf-Kilometer-Radius gar nichts geht, wie Ottersbach betont, sei im größeren Umkreis die topografische Höhe des jeweiligen Geländes entscheidend: Mal könne ein bis zu 160 Meter hohes Windrad errichtet werden, mal nur ein 110 Meter hohes.

Hinderlich für Windkraftnutzung kann auch die Bundeswehr sein: "Schutzbereich um militärische Flugsicherungseinrichtung" heißt es im Konzept über mehrere mögliche Standorte oder auch "Lage in militärischem Nachttiefflugsektor". Das sind Ottersbach zufolge keine Ausschlusskriterien, sondern "bekannte Konflikte", die nicht zuletzt auf politischer Ebene gelöst werden könnten. Die dort zu beantwortende Frage lautet: Was ist wichtiger, militärische Belange oder Stromproduktion?

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Kommentare

23.02.2012 20:15 Uhr

@ Peter Küpper - 'Geplatzte Lungen Windräder werden zur tödlichen Gefahr für Fledermäuse'

Herr Küpper,

der von Ihnen verlinkte Artikel 'Geplatzte Lungen
Windräder werden zur tödlichen Gefahr für Fledermäuse' stammt aus dem Jahr 2008 - exakt 26.08.2008.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,574251,00.html

Da hätte man doch annehmen können, das der BUND zwischen 26.08.2008 und 23.02.2012 irgendwann mal Zeit gefunden hat sich der Sache anzunehmen.

Weiss jemand, wo man die Infos vom BUND im Internet dazu abrufen kann?

Alles wird Gut!

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23.02.2012 20:12 Uhr

http://www.nabu.de/themen/energie/erneuerbareenergien/windkraft/06358.html

Die Windräder stellen aufgrund ihrer Höhe unnatürliche Hindernisse dar, die kräfteraubend umflogen werden müssen. Zudem sorgen sie für Verwirbelungen der Luftschichten, was die Tiere nicht vorhersehen können. Sieht das Tier die Windkraftanlage zu spät, fliegt es dagegen und kommt ums Leben. Fachleute sprechen dann von „Vogelschlag“;. Davon sind nach aufgezeichneten Funden hauptsächlich Rotmilane mit 62 gefolgt vom Mäusebussard mit 39 toten Tieren betroffen und das obwohl der Mäusebussard in Deutschland sieben Mal häufiger vorkommt. Das Problem scheint jedoch nicht darin zu bestehen, dass die Milane die Windräder nicht sehen. Die Vogelkundler gehen eher davon aus, dass die Vögel beim Anblick der Rotoren sich nicht zu helfen wissen, dass sie kein Vermeidungsschema in ihrem Verhaltensprogramm haben.

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23.02.2012 20:11 Uhr

@ Peter Küpper - Fledermaussterben ausserhalb S21 interessiert doch den BUND nicht!

Herr Küpper,

Sie haben da einen interessanten Link gepostet.

Auszug daraus:
(..) Im Fachmagazin "Current Biology" beschreiben die Forscher, wie sie 188 tote Fledermäuse - allesamt waren in der Nähe von Windkraftanlagen gefunden worden - auf innere und äußere Verletzungen untersucht hatten. Nur die Hälfte der Tiere war, so schien es, mit den Rotorblättern direkt in Kontakt gekommen. Bei 90 Prozent der Tiere stellten die Wissenschaftler innere Blutungen fest. (..)

(..) Opfer dieses Phänomens werden hauptsächlich wandernde Fledermäuse. Eine Abnahme dieser Fledermausarten, die sich in der Regel nur langsam vermehren und viele Schädlinge vertilgen, könnte schwere Folgen für die Ökosysteme auf der gesamten Wanderroute der Tiere haben, sagen die Forscher. (..)
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,574251,00.html

Aber wir wissen doch - ausserhalb von S21 hat der BUND gar keine Zeit für solche 'Kollateralschäden'. Oder etwa doch?

Alles wird Gut!

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23.02.2012 20:05 Uhr

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,574251,00.html

Fledermäuse können in der Nähe von Windrädern sterben, auch wenn sie gar nicht mit den Rotorblättern kollidiert sind. Britische Forscher haben herausgefunden, dass allein die Druckunterschiede in der Nähe der Türme die Lungen der Tiere platzen lassen können.

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23.02.2012 19:56 Uhr

Was soll das?

Sparen Sie sich doch persönliche Beleidigungen!
Wer so wie Sie auftritt, disqualifiziert sich für jede sachliche Diskussion! Aber darum geht es Ihnen ja offensichtlich auch gar nicht.

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22.02.2012 12:31 Uhr

kleineres übel - St.Floriansprinzip

Wir wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft zu 3 Windkrafträdern und eines AKW .
Verschandelung der Landschaft: ist ein ausgesprochen kleingeistiges Argument, diese Leute sollten die Uranbrennrückstände in ihren Garten als Endlager bekommen. Sie benutzen Strom und sehen bei Windkraft eben sofort die !milden! Folgen ihres Konsums, anstelle von unbeherrschbaren Abfall mit Halbwertszeiten über 1000ende Jahre. Die Windkrafträder haben keinerlei Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden, sehr wohl aber das AKW welches zu einer signifikanten statistischen Häufung von Nierenkranken in der Region geführt hat (auch unser Kind) ... Stehen Sie endlich zu den Folgen Ihres Konsums und wälzen nich immer alles so selbstherrlich auf andere und nachfolgende Generationen ab.

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22.02.2012 12:15 Uhr

Abwägen, oder Augen zu!

Wir haben die Wahl.
Weiterhin auf Strom aus fossilen Brennstoffen setzen, die durch ständig steigende Abbau- und Transportkosten immer teuerer werden.
Oder auf regenerative Energien, wie Windkraft, die uns unendlich lange und kostenfrei zur Verfügung stehen.

Ob ein Windrad unsere Landschaft verschandelt, liegt immer auch im Auge des Betrachters.
Persönlich sehe ich die Windparks auf der Alb lieber, als die Dampfwolken und Kühltürme vom AKW Grundremmingen.

Aus meiner Sicht gibt es keine Alternative zu einem flächendeckenden europäischen Netz aus Windrädern.
Irgendwo weht immer der Wind, und deshalb wird irgendwann ab einer kritischen Menge auch die Windkraft Teil der Grundlastversorgung sein.
Sobald wir die Überschüsse aus Windenergie als Erdgas ins Netz einspeisen können, werden die Windräder sicher gewinnbringend arbeiten.
Denn Erdgas wird als Antriebsmittel der Zukunft bei Antriebsmotoren die Kassen klingeln lassen.
Deutschland als Saudi-Arabien der Zukunft.

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22.02.2012 11:16 Uhr

Windräder in Deutschland - Durchs Land der Riesen

Es ist Wendezeit in Deutschland. Wir erleben die schlimmsten Verheerungen des Landes seit dem 30-jährigen Krieg, sagt Hans-Joachim Mengel, Politikprofessor an der Freien Universität Berlin und Kämpfer gegen Windräder. Unternehmer, Bauern und Fondsverkäufer haben eine stille Allianz geschlossen mit der Politik, den grünen Ideologen und den Idealisten. Seit der Katastrophe von Fukushima sind sie nicht mehr zu bremsen. Überall werden die Abstandsregeln und Empfehlungen für Windkraftanlagen gelockert, um mehr Plätze für die Kolosse verfügbar zu machen. Es geht in den Wald, aufs Meer und auf die Bergkämme der schönsten Landschaften Deutschlands. Und in den Süden.
Die Profiteure und grünen Überzeugungstäter stehen vereint gegen Naturschützer und Bürger, die Lärm und die Verschandelung der Landschaft fürchten. Es ist ein ungleicher Kampf: ... Weiter siehe: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/windraeder-in-deutschland-durchs-land-der-riesen-11638103.html
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21.02.2012 10:39 Uhr

Noch viel Klärungsarbeit

Anders als von (vor allem finanziell) interessierter Seite propagiert besteht absolut keine Eile beim Ausbau.
Zunächst sollten einige Eckpunkte geklärt werden:
• Wie kann der Netzausbau konkret erfolgen, um die vielen dezentral geplanten Windkraftanlagen überhaupt anzuschließen (im Offshore-Bereich klemmt es schon gewaltig)?
• Werden die ca. 210 Meter ( also 50 Meter höher als das Ulmer Münster) hohen Windanlagen, die immer in größeren Gruppen gebaut werden, von den Bürgern überhaupt akzeptiert? Anlagen dieser Größe sind noch unerforscht und gibt es auch noch nirgendwo in Süddeutschland.
• Ist ein Mindestabstand von 800 Metern zu Wohngebieten wirklich ausreichend?
• Die derzeitige „Goldgräber“-Stimmung führt zu Überhitzungen. Es gab schon in der Vergangenheit viele unseriöse Projektentwickler, die das Anlegergeld abkassiert haben und die Projekte dann Pleite gehen ließen (Grauer Kapitalmarkt, Schneeballsysteme: Totalverlust droht). Die Stiftung Warentest warnt regelmäßig.

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