Werbekampagne fürs Welterbe

Die Werbekampagne für die Eiszeitkunst und die Fundhöhlen im Ach- und im Lonetal ist angelaufen. Stars sollen an den „Ursprung der Musik“ geholt werden.

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Eines der Plakate, die von der Agentur Burkert „Ideenreich“ für die Welterbe-Kampagne gestaltet wurden. In Ulm, Neu-Ulm und in München wird damit auf die Eiszeitkunst aufmerksam gemacht.  Foto: 

Die Sphinx und die Pyramiden, Stonehenge und die Chinesische Mauer, das Kolosseum und die Venus von Milo. Die Venus vom Hohle Fels, der Löwenmensch, das Mammut und das Wildpferd können es mit allen aufnehmen, sind locker auf Augenhöhe. Ganz zu schweigen von den Knochen- und Elfenbeinflöten, den ältesten Musikinstrumenten der Welt. Das ist die Botschaft der Werbekampagne für das Unesco-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“, die am Mittwoch im Landratsamt Alb-Donau präsentiert wurde.

Die Stadt Ulm sowie die Landkreise Alb-Donau und Heidenheim haben sich für diese Kampagne zusammengetan. Der Tourismusverband Schwäbische Alb hat 15.000 Euro beigesteuert, so dass der Ulmer Agentur Burkert „Ideenreich“ insgesamt 115.000 Euro für die Welterbe-Werbung zur Verfügung stehen. Mit Plakaten, Videospots im Internet und mit der Unterstützung bekannter Musiker soll auf die seit dem 9. Juli zum Welterbe gehörende Eiszeitkunst und die sechs Fundhöhlen im Ach- und im Lonetal aufmerksam gemacht werden.

Nächste Woche Stuttgart

Seit Dienstag hängen die Plakate, auf denen zum Beispiel die Venus vom Hohle Fels der Venus von Milo und das Wildpferdchen aus der Vogelherdhöhle dem Trojanischen Pferd gegenübergestellt werden. Stets wird dem Betrachter klar gemacht, dass die richtig alte Kunst nicht in Ägypten und nicht in Griechenland entstand, sondern auf der Schwäbischen Alb. Etwas mehr als 100 dieser Plakate werben in Ulm und in Neu-Ulm, 50 in München. Nächste Woche sollen ebenfalls 50 in Stuttgart aufgehängt werden. Auch im Einkaufszentrum „Schlossarkaden“ in Heidenheim dürften sie bald zu sehen sein.

Demnächst gehen dann die Videos auf Kanälen wie „YouTube“ und Facebook online. Auch hier werden berühmte Welterbestätten wie die Pyramiden von Gizeh und die Chinesische Mauer der hiesigen Eiszeitkunst gegenübergestellt und deren deutlicher Altersvorteil betont. Außerdem wird mit der Sprache gespielt: Ein Steinzeitpaar sitzt in einer Höhle am Feuer. Er fragt: „Was mach’sch grad?“ Sie antwortet: „Schnitza.“ Etwas später fragt er: „Mauerbau?“ Sie sagt: „Braucht koi Mensch!“ Alles mit englischen Untertiteln. „Wir wollen das Ganze auch ein bisschen spaßig nehmen“, sagte Jens Burkert, Geschäftsführer der Agentur.

Am ehrgeizigsten ist die dritte Stufe der Kampagne: Mit Hilfe bekannter Musiker sollen die Eiszeit-Flöten aus dem Geißenklösterle, dem Hohle Fels und der Vogelherdhöhle in den Mittelpunkt gerückt werden. Für Burkert sind die Fundhöhlen nichts Geringeres als „der Ursprung der Musik“. Dorthin sollen nationale und internationale Stars zurückkehren, spielen, singen oder ein Interview geben. Das Ergebnis, so der Plan, wird dann auf der Internetseite des jeweiligen Künstlers veröffentlicht.

Namen nannten Burkert und Wolfgang Koller, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Eiszeitkunst und der Dachmarke „Weltkultursprung“, nicht. Mit Hilfe eines Medienpartners würden Kontakte zu namhaften Künstlern geknüpft, sagte Koller. Diese sollen dann zeigen, „dass sie fürs Weltkulturerbe stehen“, formulierte Roswitha Guggemos, im Landratsamt Alb-Donau für Tourismusmarketing zuständig, die Absicht. Im Herbst, hofft Burkert, könnte der erste Star mit seiner Welterbe-Botschaft im Netz zu sehen sein. Großartige Honorare sind im Werbe-Budget nicht enthalten, doch die Künstler sollen als Anerkennung ein nachgebildetes Stück Welterbe bekommen: die Replik einer Eiszeitflöte.

Tourismus Die Ausgangslage für einen Besucher-Aufschwung im Ach- und im Lonetal ist gar nicht mal schlecht. Darin sind sich die Tourismus-Fachfrauen Roswitha Guggemos vom Landratsamt Alb-Donau und Monika Suckut vom Landratsamt Heidenheim einig. Beide Täler, das Lonetal mit dem Archäopark Vogelherd und das Achtal mit dem Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren, verfügten über zentrale Anlaufstellen mit großem Informations- und Erlebnisangebot. Die Gästeführer, so genannte Archäo-Guides, seien fachkundig, Rad- und Wanderwege – vor allem im Lonetal – gut ausgebaut. Ausbaufähig sei die Situation am Hohle Fels bei Schelklingen, sagt Roswitha Guggemos: „Da wird sich etwas entwickeln.“ In Abstimmung mit den jeweiligen Kommunen werde das Land ein gemeinsames Konzept erstellen. Mit der Besonderheit, dass Originale in der Nähe der Fundorte bewundert werden können, lassen sich Roswitha Guggemos zufolge auch internationale Besucher anlocken.

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Kommentare

20.07.2017 18:08 Uhr

Wer hat den Plan

115.000€ bekommt die Agentur Burkert auf die Schnelle rübergeschoben? Wer hat das beschlossen? Bei den öffentlichen Auftraggebern müssen Ausgaben doch erst durch entsprechende Verfahren abgesegnet werden!?

Eigentlich widerlich wie sich die Stadt Ulm in dem Boot breit macht. Sonst will man mit den Bauern vom Land nichts zu tun haben, aber jetzt wo der Rubel beginnt zu rollen macht man gleich mal den Kapitän!? Na ja wenn man den Ball auf dem Elfmeterpunkt präsentiert bekommt! Insgesamt schon ein seltsames Bild: im Stadtrat in Schelklingen, das eine Fundstätte hat, beginnt man sich erst bewusst zu werden was da passiert ist und hat keinen Plan (weil auch kein Geld). Als ob außer Herrn Blumentritt keiner daran geglaubt hat, dass das etwas Wichtiges sein muss, das vor der Haustür ausgebuddelt worden ist. In Blaubeuren, wo man das Museum hat aber keine Fundstellen hat, jubelt man bereits – ist sich aber auch noch nicht klar was auf die Stadt zukommt: schon jetzt ist an einem durchschnittlichen Sonntag das Chaos in der Stadt perfekt, es sind keine Parkplätze zu bekommen. Das wird lustig werden, wenn die Touristen wirklich strömen. Die armen Anwohner! Letztens hatte ich ein Angebot für eine Wohnung in der Altstadt, habe mir das Chaos am Wochenende angeschaut und dankend abgelehnt. Die Defizite in der Infrastruktur werden deutlich zu Tage treten und sich nicht weiter vertuschen lassen (man denke auch nur an die furchtbare Gastronomie). Und dann kommt noch die Stadt Ulm an, die gar nichts vorzuweisen hat, außer viel praktischer Erfahrung wie man durch Umbaumaßnahmen Besucher aus der Stadt fernhält.

Heute morgen war Herr Blumentritt im Deutschlandradio zu hören. Er erwähnte seine Reise nach Frankreich, wo er sich anschaute wie die dort mit ihrem Erbe umgehen, um von denen zu lernen. Den Namen dieses Mannes, der sich jahr(zehnt)elang ehrenamtlich wie wahrscheinlich kein anderer für die Sache eingesetzt hat, lese ich in letzter Zeit in keinem Bericht in der Presse – dafür diejenigen von Leuten die durch hektischen Aktionismus versuchen die Tatsache zu vertuschen, dass sie keinen Plan haben. Als ob es erst den UNESCO Titel gebraucht hätte um einen Aktionsplan für die Präsentation der Fundstätten ausgearbeitet vorliegen zu haben. Andere rochen den Braten schon früher: schon vor Jahren war mir aufgefallen, dass sich z.T. Ortsfremde die Domainnamen diverser Höhlen gesichert haben.

Dann holen wir halt welche von außerhalb: Stars, die von der Sache gleich gar keine Ahnung bzw. Bezug haben, sollen zeigen, dass "sie für das Weltkuturerbe stehen". Um mit noch mehr Pseudokunst (Höl(!)lenkonzerte) die Sache vollends lächerlich zu machen - wie armselig!

Den Einwohnern wird jetzt schon klar sein: auf der B492, die jetzt schon durch den zunehmenden LKW-Verkehr ausgelastet ist, wird es durch die Touristen und die angedachten Shuttlebusse zugehen wie in Ulm auf der Blaubeurer Straße. Es wird endgültig vorbei sein mit der Ruhe, das Geld bleibt aber woanders hängen.

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Eiszeit-Kunst in der Region

Löwenmensch, Eiszeitflöte und Vogelherdhöhle: Die Fundstücke in der Region aus der fernen Vergangenheit sind vielfältig. Und gehören inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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